Long Covid und ME/CFS: Mehr Geld für Erforschung postinfektiöser Erkrankungen
In Deutschland sind circa 1,5 Millionen Menschen von postinfektiösen Erkrankungen betroffen. Für deren Erforschung gibt es nun mehr Geld.
Foto: Markus Schreiber/ap
Für postinfektiösen Erkrankungen, die seit der Corona-Pandemie 1,5 Millionen Menschen in Deutschland betreffen, vergibt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in den nächsten zehn Jahren 500 Millionen Euro an Fördermitteln. Damit beginne die „Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“, die mit der großen Krebsforschungs-Dekade vergleichbar sei, sagte Forschungsministerin Dorothee Bär bei der Auftaktveranstaltung an diesem Mittwoch in Berlin.
Das Geld fließt in eine neue Datenbasis mit Genomsequenzierung, mehr Projektförderung, klinische Studien sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. „Erst wenn wir die Mechanismen verstehen, wird sich auch die pharmazeutische Industrie stärker an der Entwicklung wirksamer Medikamente beteiligen“, erklärte die Ministerin.
Zugleich wurde mit dem Bundesgesundheitsministerium die gemeinsame „Allianz postinfektiöse Erkrankungen: Long COVID und ME/CFS“ ins Leben gerufen. Das Ressort von Ministerin Nina Warken wird bis 2028 rund 119 Millionen in neue Projekte zur Versorgung von Kranken stecken.
Long Covid beinhaltet eine Vielfalt körperlicher, kognitiver und psychischer Symptome, dazu zählen etwa eine starke Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit über einen langen Zeitraum hinweg. Ein Medikament gegen diese Langzeitfolgen von Corona gibt es noch nicht. Das Projekt zielt auch auf Menschen mit dem „Chronischen Fatigue-Syndrom“ (ME/CFS), das ebenfalls zum Spektrum der Folgeerkrankungen von Corona gehört.
Die Förderung wurde möglich durch die abschließenden Beratungen des Haushaltsausschusses zum Bundesetat 2026 in der vorigen Woche. In der sogenannten „Bereinigungssitzung“ werden in der Regel verplante, aber nicht mehr benötigte Gelder frei, die kurzfristig neu vergeben werden können.
Davon profitierte jetzt die Medizinforschung. „Für die Erforschung und Behandlung von ME/CFS und Long Covid müssen wir dringend im Haushalt nachlegen“, hatte zuvor schon der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach appelliert. „Wir dürfen die Betroffenen schwerster Krankheiten so nicht zurücklassen“.
Auch in der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie hatten Wissenschaftler und Patientenvertreter mehr Forschung gefordert. „Wirksame Medikamente fehlen ganz“, sagte die Charité-Expertin für postinfektiöse Erkrankungen, Carmen Scheibenbogen. Diese Krankheitsbilder würden bis heute im Studium und in der Ausbildung kaum gelehrt, es gebe speziell dafür auch keine ärztliche Fachgesellschaft.
Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen, wie einem „Die-In“ vor dem Forschungsministerium im Oktober, hatten Betroffene und ihre Angehörigen zusätzlichen Druck auf die Politik entfaltet.
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