Geburtstagsfeier für Bruce Willis: „Das ist für die Gäste immer wieder eine Wundertüte“
Schauspieler Andreas Jäger liest seit zehn Jahren Texte zu bekannten Geburtstagskindern vor. Jetzt ist Bruce Willis dran. Das ist auch heikel.
taz: Herr Jäger, wie kommen Sie dazu, in Braunschweig den Geburtstag von Bruce Willis zu feiern?
Andreas Jäger: Ich veranstalte die Reihe „Happy Birthday“, bei der ich Texte zu bekannten Geburtstagskindern vorlese.
taz: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Jäger: Ich bin Schauspieler und langweile mich manchmal bei normalen Theatervorstellungen oder Lesungen. Deshalb habe ich mich gefragt, was mich selber interessieren würde. Und das wäre, wenn man über eine Person, egal ob sie aus dem kulturellen oder politischen Leben kommt, etwas erfährt, das man noch nicht wusste.
taz: Wo bekommen Sie dafür die Texte her?
Jäger: Ich mache eine Recherche in der Stadtbibliothek und im großen weiten Internet. Dafür schaue ich, ob es Biografien oder autobiografische Texte von den Geburtstagskindern gibt. Und wenn es um einen Autor geht, lese ich natürlich auch Teile aus seinem Werk vor.
taz: Aber Sie sind kein Alleinunterhalter.
Jäger: Nein, denn es wäre ja auch langweilig, wenn eine Stunde lang nur ich etwas erzähle. Und deshalb habe ich mir den Musiker Till Seifert dazugeholt. Der spielt zwischendurch vier bis fünf Musikstücke von musikalischen Geburtstagskindern. Und das Format funktioniert sehr gut. In diesem Jahr feiern wir zehnjähriges Jubiläum mit dieser Reihe.
taz: Da können Sie ein Happy Birthday „Happy Birthday“ veranstalten. Sie unterscheiden ja bei den Geburtstagsfeiern nicht zwischen verstorbenen Menschen, lebenden Menschen und fiktiven Figuren wie James Bond.
Jäger: Wir haben auch die Geburtstage von Aspirin, Fred Astaire, Bertolt Brecht, Zarah Leander, Udo Lindenberg, Barbra Streisand, den Beatles gefeiert und das Ende des Zweiten Weltkriegs. Das ist für die Gäste immer wieder eine Wundertüte.
taz: Das gibt ja auch schöne Kontraste.
Jäger: Genau! Wir haben zum Beispiel 2017 eine Doppelgeburtstagsfeier für Donald Trump und Che Guevara veranstaltet, weil die am gleichen Tag Geburtstag haben. Und dabei haben wir einige Gemeinsamkeiten entdeckt. So hatten beide schwierige Verhältnisse zu ihren Ehefrauen.
taz: Ich hoffe, Sie schauspielern da nicht auch noch und versuchen, etwa die rauchige Stimme von Zarah Leander zu imitieren.
Jäger: Nein, das verbietet sich von selber. Wir haben allerdings versucht, bei der Geburtstagsfeier von Didi Hallervorden seinen berühmten Palim-Palim-Sketch nachzustellen. Und bei der Geburtstagsfeier von Rainer Maria Rilke habe ich eines seiner Gedichte als Rap vorgetragen.
„Happy Birthday Bruce Willis“, Texte über den an Demenz erkrankten Hollywoodstar werden vorgelesen, Jakob-Kemenate, Eiermarkt 1b, Braunschweig, 19.3., 18 Uhr, Tickets gibt es unter 0531 – 22434842
taz: Nun ist also Bruce Willis dran. Was haben Sie denn über ihn herausgefunden?
Jäger: Zum Beispiel, dass er eigentlich gar kein Schauspieler werden wollte. Sondern dass er da hingedrängt wurde, weil er stark gestottert hat. Man meinte, es wäre eine gute Therapie, wenn er sich mit Texten und Reden beschäftigt. Und so ist er in der Schulzeit zur Schauspielerei gekommen.
taz: Und was hat Sie bei der Recherche besonders überrascht?
Jäger: Dass die Ehefrau von einem der Wildecker Herzbuben die Großcousine der Mutter von Bruce Willis ist. Und angeblich haben die beiden lange telefonischen Kontakt zueinander gehalten, weil ja Bruce Willis seine ersten beiden Lebensjahre in Deutschland verbracht hat.
taz: Nun ist Bruce Willis aber ein Sonderfall, weil er noch lebt, aber wegen seiner Demenz nicht mehr da ist. Ist da nicht Schluss mit lustig?
Jäger: Das ist auch für mich heikel. Aber im Prinzip spielt es bei meiner Betrachtung dieses Menschen keine Rolle. Wenn ich zum Ende seiner Karriere komme, berichte ich ganz ernst darüber, wie es diesem armen Kerl heute so ergeht. Es scheint ja so zu sein, dass er inzwischen nicht weiß, dass er krank ist. Aber es gibt auch immer wieder Momente, in denen er seine Familienmitglieder erkennen kann.
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