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Gebrauchtwagenmarkt für E-FahrzeugeNeue Batteriechecks sorgen für Transparenz

Bordeigene Batterie-Managementsysteme geben nur Schätzwerte über Leistung und Kapazität. Nun entwickelt sich ein Markt für unabhängige Batteriezertifikate.

Der Wert eines batterieelektrischen Gebrauchtwagens hängt erheblich von der Qualität des Akkus ab. Aus diesem Grund entwickelt sich gerade ein Markt für unabhängige Batteriezertifikate, die Käufern und Verkäufern einen objektiven Überblick über den Zustand des betreffenden Stromspeichers geben sollen.

Weil die Batterie das teuerste Bauteil im Auto ist und Speicherkapazität sowie Leistung mit der Nutzungsdauer abnehmen, rät auch der ADAC beim Kauf eines Gebrauchtwagens zu einem vorherigen Batteriecheck. Zwar gibt das bordeigene Batterie-Managementsystem (BMS) den sogenannten SoH-Wert aus, den „State of Health“. Doch obwohl „die SoH-Werte der verschiedenen Anbieter oft ähnlich aussehen, sind diese nicht standardisiert und nicht direkt vergleichbar“, erklärt der ADAC.

Die österreichische Firma Aviloo, ein Anbieter von Batterieanalysen, nennt den SoH einen „rechnerischen Schätzwert“, der „oft nicht der Realität“ entspreche. Aviloo bezeichnet sich selbst als „Weltmarktführer in der Batteriediagnostik für E-Autos und Plug-in-Hybridfahrzeuge“.

Verschiedene Arten von Tests werden inzwischen am Markt angeboten. Aviloo hat zwei Varianten im Angebot, die sich „in Methodik und Zielgruppe unterscheiden“, wie das Unternehmen erklärt. Zum einen gibt es den „Flash-Test“, der primär für Händler, Flottenbetreiber und Leasinggesellschaften vorgesehen ist. Bei diesem Schnelltest wird ein Logger an die OBD-Schnittstelle (On-Board-Diagnose) angesteckt. Per KI-gestützter Analyse, die auf die weltweit größte Datenbank von Batteriedaten zurückgreife, bekomme man in drei Minuten ein Ergebnis, das auch den Zustand jeder einzelnen Zelle abbilde.

Präziser noch sei das Premium-Angebot, das sich an Endkunden richtet und die Batterie physisch über einen vollständigen Entladezyklus misst. Das Fahrzeug muss von 100 Prozent Ladezustand binnen sieben Tagen ohne Zwischenladung auf unter 10 Prozent entladen werden. Dabei wird die tatsächlich entnehmbare Energie direkt gemessen.

15-Minuten-Tests

Einen gesetzlich verbindlichen Industriestandard für Batterietests von Elektrofahrzeugen gibt es bislang allerdings nicht. Aviloo nimmt für sich aber in Anspruch, sein Verfahren „de facto als Branchenstandard etabliert“ zu haben. Man arbeite mit Partnern wie dem TÜV Süd, dem ADAC sowie Herstellern wie Mercedes-Benz und Hyundai zusammen. Entsprechend bietet der ADAC in vielen seiner Prüfzentren den Test von Aviloo an.

Aber es gibt auch alternative Tests, die unter anderem vom TÜV Rheinland oder dem TÜV Nord eingesetzt werden. Der größte Anbieter neben Aviloo ist die Dekra, die auf ein eigenes Analysesystem setzt. Auch von diesem gibt es zwei Varianten, einerseits den „Read-Out-Report“ und andererseits eine Analyse im Fahrmodus. Im erstgenannten Fall erhalte man „innerhalb von Minuten“ einen „Hinweis auf den Zustand“ der Batterie, ohne dass eine Testfahrt erforderlich ist.

Das zweite Verfahren basiert auf der Messung verschiedener Batteriedaten wie Strömen und Spannungen unter Last. Dabei werden die Daten „während einer kurzen Beschleunigung auf einer Strecke von circa 100 Metern gesammelt, um sie anschließend mit einem patentierten Algorithmus auslesen zu können“, erklärt die Dekra. Hinter dem Verfahren stecke „eine hochkomplexe, sehr aufwendige Datenbank“. Für jeden einzelnen Fahrzeugtyp würden vorab durch Messungen unter verschiedensten Bedingungen die Basisdaten ermittelt – ein Prozess, der als Parametrierung bezeichnet wird.

Der Test am Kundenfahrzeug dauert dann etwa 15 Minuten. Voraussetzung dafür seien ein Ladezustand zwischen 40 und 80 Prozent, eine Batterietemperatur zwischen 10 und 30 Grad Celsius und ein nur geringer Temperaturunterschied zwischen den einzelnen Batteriezellen von weniger als 2 Grad. Die RWTH Aachen hat das System validiert.

Schlecht für die Batterie

Nach ADAC-Empfehlung sollten Fahrzeuge nach 50.000 Kilometern noch einen SoH von mindestens 92 Prozent erreichen, bei 100.000 Kilometern noch mindestens 88 Prozent. Der Batterietest bringt die Nutzungsweise an den Tag: Hohe Temperaturen, häufiges Vollladen, Tiefentladung und hoher Ladestrom wirken sich negativ auf den Gesundheitszustand der Batterie und damit auf ihre Kapazität aus.

Aviloo gibt auf Basis von 100.000 Batterientests unterschiedlicher Fahrzeugmodelle folgende Zahlen an: Nach einem Jahr liege der SoH im Schnitt bei 98 Prozent und nach zwei Jahren bei 96 Prozent. Nach fünf Jahren liege der Durchschnitt bei 93 Prozent, wobei die Spanne, in der sich 95 Prozent der Batterien befinden, von 89 bis 97 Prozent reiche. Bei Preisverhandlungen ist das eine relevante Differenz.

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1 Kommentar

  • Janix

    Ein Gebrauchtwagenmarkt ist von einem gewissen Vertrauen und einer gewissen Transparenz abhängig. Weil E-Autos zwar immer noch ökologisch von Übel sind, aber von klar kleinerem Übel als Verbrenner sind die Voraussetzungen für einen gut flutschenden Gebrauchtwagenmarkt zu begrüßen. Auch so etwas bringt uns weiter und es ist deutlich billiger als die nächste zusätzliche Milliardenversenkung an die Autoindustrie.