Fusionsreaktor in Deutschland: Wenn Fusion spaltet, nicht verschmelzt
Die Bundesregierung will den ersten Fusionsreaktor der Welt in Deutschland haben. Die SPD wirft der Regierung bayerische Klientelpolitik vor.
Das Versprechen der Energieforscher: „In 40 Jahren läuft das Fusionskraftwerk“, ist längst zum „Running Gag“ geworden. Es wird jedes Jahr wie ein Mantra wiederholt, ohne der Realisierung näherzukommen. Mit der Aufschieberitis will Bundesforschungsministerin Dorothee Bär nun Schluss machen, ist sie doch regierungsamtlich für die Einlösung eines anderen Versprechens zuständig: „Der erste Fusionsreaktor der Welt soll in Deutschland stehen“. So steht es im Koalitionsvertrag der Merz-Regierung.
Vor diesem Hintergrund hatte die CSU-Ministerin in dieser Woche zu einem Fusionskongress nach Berlin eingeladen, auf der die erste nationale Innovations-„Roadmap“ für die Entwicklung der Fusionsenergie im Rahmen der „Hightech-Agenda“ der Bundesregierung präsentiert wurde. Erstellt hatte den Forschungsfahrplan, in dem die technischen Hürden und Zwischenziele auf dem Weg zum Fusionskraftwerk definiert werden, die Münchner Akademie für Technikwissenschaften „acatech“. Eine Kernaussage der Roadmap: Bei deutlicher Beschleunigung könne Deutschland bis etwa 2045 ein erstes Fusionskraftwerk realisieren.
Die Gewinnung von Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen statt ihrer Spaltung findet immer mehr Befürworter, zeigte sich auf dem Kongress. „Wenn wir bei der Fusion jetzt vorangehen, dann können wir eine Industrie aufbauen, die uns unabhängiger von fossilen Rohstoffen macht, unabhängiger von Energieimporten und unabhängiger von den Wirren der Weltpolitik“, hob Ministerin Bär hervor.
Bis 2029 will das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) 2,4 Milliarden Euro in die Fusionsforschung, industrielle Kooperationen und den Aufbau eines Fusionsökosystems investieren. Insgesamt will die Hightech-Agenda mit 18 Milliarden Euro sechs Schlüsseltechnologien fördern, in denen Deutschland zur Weltspitze aufstoßen soll. Dazu zählen Künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologie, Mikroelektronik und Biotechnologie.
Söder will das Fusionskraftwerk in Bayern
Einen eigenen Fahrplan hat dagegen CSU-Parteifreund Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident. Er stellte kürzlich seinen Plan vor, am Standort Garching, wo sich das frühere „Atom-Ei“ befand, einer der ersten Forschungsreaktoren für die Kernspaltung, künftig auch den ersten Fusions-Forschungsreaktor zu platzieren. Das Bundesland Bayern plant, sich mit mindestens 400 Millionen Euro zu beteiligen, weitere Mittel sollen von privaten Investoren und Industriepartnern kommen, aber auch von der Bundesregierung.
Bei der SPD-Bundestagsfraktion traf der bayerische Vorstoß auf heftige Kritik: „Wir erwarten vom Bundesforschungsministerium, dass eine nationale Technologieagenda nicht zur Standortförderung einer Regionalregierung wird“, protestierten die Sozialdemokraten. Politisch spaltet das Fusionsthema derzeit eher, als Positionen zu verschmelzen.
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