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Friedensbemühungen in Moskau Mit Gottes Segen für ein Kriegsende

Tanja Tricarico

Kommentar von

Tanja Tricarico

Der Vatikan wirbt um Frieden, der CIA-Chef hofft offenbar auch auf Deals. Ist ein Ende der russischen Vollinvasion in der Ukraine in Sicht?

K ommt nach über 1.600 Tagen russischer Vollinvasion in der Ukraine etwa Bewegung in mögliche Friedensbemühungen? Während alle Welt über die Folgen des Besuchs von CIA-Chef John Ratcliffe in Moskau bei den russischen Diensten spekuliert, geht ein anderer Besuch fast unter. Der britische Erzbischof Paul Gallagher ist auch gerade in Russland und appelliert im Auftrag des Vatikans für einen wie auch immer gearteten Frieden.

Die Bemühungen sind mehr als verdienstvoll. Bombardieren die russischen Streitkräfte doch weiterhin täglich die ukrainische Zivilbevölkerung. Und auch die Ukraine zielt regelmäßig mit Drohnen auf russische militärische und wirtschaftliche Ziele. Der Krieg ist an einer strategisch entscheidenden Stelle, denn die Attacken der ukrainischen Streitkräfte treffen Russland schwer. Hinzu kommt, dass selten zuvor die Gefahr einer Ausweitung auf Nato-Territorium so groß war. Die Drohnenvorfälle in den baltischen Staaten oder Rumänien sind immer wieder eine Erinnerung daran, wozu Wladimir Putin fähig ist.

Die Gelegenheit, Verhandlungen erneut zu versuchen, scheint aktuell ganz günstig zu sein. Auch der US-Präsident würde die Causa Krieg in der Ukraine wohl gerne vom Tisch haben. Trump steckt mit Blick auf den Irankrieg fest. Sogar der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach von „nützlichen Gesprächen“ mit seinem vatikanischen Amtskollegen Gallagher, der jetzt „Räume des Dialogs“ schaffen, also die Rolle des Vermittlers für einen Frieden übernehmen will.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj signalisiert ohnehin Bereitschaft zu Verhandlungen. Allerdings unter Einbeziehung seiner Verbündeten, insbesondere europäischer Vertreter, was wiederum der Kreml ablehnt. Insgesamt sind die Friedensbemühungen trotz des aktuellen Zeitfensters ein schwieriges Unterfangen – auch für den Vatikan –, bei dem der Ukraine droht, sich beugen zu müssen. Für einen echten Frieden braucht Erzbischof Gallagher mehr als Gottes Segen.

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Tanja Tricarico

Tanja Tricarico ausland

Schreibt über Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, früher auch Digitalisierung. Host der Fernverbindung, dem Auslands-Podcast der taz. Privat im Einsatz für www.geschichte-hat-zukunft.org
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10 Kommentare

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  • Martin Rees

    "Der Krieg ist an einer strategisch entscheidenden Stelle"



    Das haben wir in den mehr als 1600 Tagen bisher schon öfter gedacht.



    2025 taz.de:



    "Aber eines ist jetzt schon sicher: Mit diesem Gespräch im Petersdom ist ein kleines Stück mehr Respekt und Achtsamkeit in die internationale Politik eingekehrt. Das ist in Zeiten von Krieg oder Frieden nicht wenig."



    taz.de/Trump-und-S...etersdom/!6082039/

  • Budzylein

    Es gibt keine Friedensbemühungen in Moskau. Es gibt nur Versuche des russischen Regimes, im Westen die Position derer zu verstärken, die nicht wollen, dass die Ukraine sich weiterhin gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt, oder die zumindest die Ukraine nicht unterstützen wollen.

    Um Frieden müsste man sich in Moskau auch nicht "bemühen". Ein vollständiger Abzug aller russischen Truppen aus ukrainischem Staatsgebiet genügt völlig und ist jederzeit möglich. .

  • TheBox

    Die russisch-orthodoxe Kirche, die ja einen heiligen Krieg ausgerufen hat, wird sich diese ausländische Einmischung resolut verbeten und dabei volle Unterstützung aus dem Kreml haben. Ist der Katholizismus in Russland eigentlich noch eine erlaubte Religion? Der Papst wurde von den Orthodoxen doch schon einmal 1054 exkommuniziert (und umgekehrt), und das galt dann bis 1965. Ich bin mir sicher, Kyrill studiert mittlerweile die alten Akten...

  • Dr. M.

    Was der Kommentar von Frau Tricarico unerwähnt lässt, ist der Bezug zur aktuell sehr hohen Gefahr eines Atomkrieges, die ein zentrales Element der päpstlichen Initiative ist.

    Hier kann man ein interessantes Interview mit Peter Kuznick (vgl. Bulletin of the Atomic Scientists) sehen, der im Kontakt mit dem Kardinal wohl entscheidenden zu der Position des Pontifex beigetragen hat, wie er hier darlegt:

    www.youtube.com/watch?v=iO3CprBPNPM

    Bedeutsam bei dieser Perspektive ist auch, dass es nicht alleine um Kritik und Appell an den mörderisch agierenden Aggressor Putin geht, sondern dass auch das verantwortungslose und geschichtsvergessene Handeln der europäischen Entscheider, Macron, Starmer/Burnham, Merz, etc., einer dringenden Kehrtwende bedarf, um der drohenden Gefahr eines Atomkrieges mittels Dialog und Rüstungskontrolle zu begegnen.

  • Okti

    Das ist mal wieder das typische Spiel des Kreml: grundlegendes Interesse an Friedensverhandlungen zeigen ohne es überhaupt ernst zu meinen. Gab es in den letzten Jahren so häufig und am Ende hat der Kreml immer die vollständige Kapitulation der Ukraine gefordert.



    Mit der Wirtschaft vollkommen auf Krieg eingestellt kann und wird der Diktator höchstwahrscheinlich nicht ruhen bis es einen umfangreichen Sieg, welcher unter Umständen auch aktuelle NATO Gebiete umfasst, oder eine signifikante Niederlage, welche sein politisches (und sehr wahrscheinlich auch weltliches) Ende beinhaltet, gibt.

  • nihilist

    Der Papst! Wie viele Drohnen hat er?

  • Joachim Petrick

    Der fundamentale Riss in christlicher Friedensdiplomatie verläuft 2026 zwischen der völkerrechtlich souveränen Urkirchen-Tradition des Vatikans und der staatsnahen Realpolitik nationaler Kirchen wie der EKD. Während die EKD-Denkschrift „Welt in Unordnung“ mit parlamentarischen Dilemmata ringt und militärische Selbstverteidigung sowie nukleare Teilhabe ethisch einhegt, vollzieht der Vatikan den endgültigen Bruch mit der Lehre vom „gerechten Krieg“. Das Papsttum besinnt sich auf die waffenlose Radikalität der Ur-Christenheit unter römischer Gewaltherrschaft. Feindesliebe wird hierbei nicht als Schwäche verstanden, sondern als existenzielle Überlebensstrategie, um im „Höllental des Todes“ die innere Freiheit zu bewahren und ein Verglühen der Schöpfungsgrundlagen zu verhindern. Als Unterzeichner UN-Atomwaffenverbots (ICAN) fordert der Vatikan die absolute Abrüstung und nutzt seine diplomatische Sonderstellung für direkte Kanäle nach Moskau und Kiew. Da EKD und DBK als staatstragende Institutionen im westlichen Bündnis verharren, fehlt eine geeinte ökumenische Friedenslinie im Geiste eines globalen Weltethos – ein Zustand, der ebenso prophetisch begrüßt wie realpolitisch beklagt wird

    • Christ

      @Joachim Petrick:

      Egal, wo die Kirchen versuchen, sich politisch einzumischen, es hört keiner auf sie ...

      • Budzylein

        @Christ:

        In Russland herrscht zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und Putin weitgehende Eintracht, auch in Bezug auf den Krieg gegen die Ukraine. Wer da auf wen hört, ist eine andere Frage, aber Putins Ideologie ist klassisch orthodox-reaktionär-antiwestlich.

  • StefanMaria

    Das wichtigste wäre ein Waffenstillstand. Egal wie weit da wer über den Tisch gezogen wird.



    Es scheinen sowieso die nationalistischen Tendenzen weltweit nicht mehr nur zuzunehmen, sindern einfach da zu sein.



    Vielleicht sollte die Linke auch etwas umdenken.. Qualität braucht Zeit,



    Da sollte jetzt das Existenzrecht der Ukraine zementiert werden. Dass das nicht über Generationen friedlich bleiben muss sieht man ja gerade in Israel. Aber es ist ein Voraussetzung, dass es auch mal anders und friedlich bleiben kann.



    Und mit Trump muss eben vernünftig geredet werden. Vielleicht eine Dacia nahe Moskau als Geschenk. Äh Dadscha