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Elektronische KriegsführungStören, verwirren, verunsichern

Drohnen von ihrer Route abkommen zu lassen, ist Teil der elektronischen Kriegsführung. Vor allem in den Staaten in der Grenzregion zu Russland.

Es ist eine Nachricht, die sich in unregelmäßigen Abständen wiederholt. Eine Drohne dringt in den Luftraum von Nato-Staaten ein. Am stärksten betroffen sind die Länder in der Grenzregion von Russland oder Belarus. Also insbesondere die baltischen Staaten, Rumänien, Polen. Und jetzt auch Bulgarien.

Erst am Samstag explodierte ein solches Flugobjekt nahe einer Gas-Pipeline. Wie das bulgarische Verteidigungsministerium meldete, handelt es sich ziemlich sicher um eine Drohne vom Typ Maya, wie sie von ukrainischen Streitkräften genutzt wird. Und Sofia bemühte sich darum, schnell klarzustellen, dass es sich wahrscheinlich um ein Versehen handelt.

Die Drohne soll via Rumänien in den bulgarischen Luftraum eingedrungen sein, und zwar in unmittelbarer Nähe des Grenzübergangs Kardam nahe dem Schwarzen Meer. Und in „1.000 Metern Entfernung zur Verdichterstation der Transbalkan-Gaspipeline.“ Also einem militärisch durchaus interessanten Ziel.

Seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine kommt es immer wieder zu solchen Vorfällen. Erst im Mai und Juni haben Nato-Kampfjets in Estland und Lettland Drohnen abgeschossen. In beiden Fällen gingen die Flugobjekte auf dünnbesiedeltem Gebiet nieder. Vor dem Abschuss müssen die Standorte sorgfältig geprüft werden.

Laut Ivo Müürsepp, Wissenschaftler am Fachbereich Elektronik an der Technischen Universität Tallinn, ist die GPS-Störung von Drohnen eine weitverbreitete Taktik in aktuellen Kriegen. „Es ist so, als würde jemand versuchen, dir etwas zuzuflüstern“, sagt Müürsepp. „Jetzt geh’ zwei Schritte nach links und dann weiter. Und die Störung ist so, als würde jemand anderes neben diese flüsternde Person treten und einfach anfangen zu schreien, sodass du diese Anweisungen einfach nicht mehr hören kannst.“

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Mit dieser Taktik kommen die Drohnen von ihrem eigentlichen Ziel ab. In der Fachsprache heißt das Jamming, also das bewusste Stören von Signalen. Mit am stärksten betroffen sind Lettland, Litauen, Estland, aber auch Finnland. Auch in der Straße von Hormus oder in der Region rundherum kommt die Technik zum Einsatz.

In der elektronischen Kriegsführung sind solche Methoden immer dann interessant, wenn es darum geht, zum einen die Drohnen des Gegners vom Weg zu taktischen Zielen abzubringen und zum anderen für Verwirrung und Verunsicherung bei dessen Verbündeten zu sorgen. Es sei kein Geheimnis, dass Russland solche Anlagen nutzt. So würden „zwei Fliegen mit einer Klappe“ geschlagen, sagt Müürsepp.

Eine andere Methode ist Spoofing. Dabei wird bewusst eine andere Position suggeriert und damit versucht, die Route zu ändern. Wenn ein Pilot die Information bekommt, in Finnland zu sein, aber gerade erst über der Ostsee war, dann wird die Person wohl bemerken, dass es sich um Spoofing handeln könnte, und dann auf andere Navigationswege ausweichen. So leicht ist es aber nicht in jedem Fall. „Wenn sie einen von Anfang an schrittweise in die Irre führen wollen, ist es wirklich schwer zu erkennen“, sagt Mürsepp.

GPS-Signale zu stören, ist laut Ex­per­t:in­nen nicht sehr schwer, da das Signal von Satelliten kommt, die etwa 20.000 km von der Erde entfernt sind. Wenn das Signal auf der Erde ankommt, ist es relativ schwach. Besonderes Gerät ist also nicht notwendig. Jammer werden längst auch an den Grenzen von den Nato-Staaten eingesetzt, um eine etwaige Bedrohung durch Drohnen abzuwenden.

Auch Landwirtschaft und ziviler Luftverkehr betroffen

Und auch in Deutschland wird nach den Drohnenvorfällen am Flughafen Leipzig/Halle darüber offen diskutiert. Allerdings gibt es auch Forschung dazu, dass Russland offenbar ein eigenes spezielles Satellitensystem aufgebaut hat, das in der Lage ist, GPS zu stören, und eine viel größere Reichweite hat.

Laut Müürsepp hat das Jamming oder Spoofing aber nicht nur Auswirkungen auf Militärisches. Sondern auch auf die moderne Landwirtschaft etwa bei selbstfahrenden Mähdreschern. „Wenn es Ungenauigkeiten von ein paar Metern gibt, dann besteht die Gefahr, dass sie gegen einen Felsen oder etwas Ähnliches prallen.“ Das könnte tiefgreifende Folgen haben. Tatsächlich haben finnische Landwirte solche Problem bereits gemeldet. Das estnische Landwirtschaftsministerium bestätigte der taz, dass Signalstörungen zwar zu merken seien, es bisher aber keine nennenswerten Auswirkungen gebe. Bisher.

Ganz auf GPS-Signale zu verzichten, ist aktuell schwierig bis unmöglich. Und deren Störung Teil der elektronischen Kriegsführung – aller Seiten.

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