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Freispruch im Mordprozess Lyra McKee„Die Schweigekultur in Nordirland muss ein Ende haben“

2019 wurde die Journalistin Lyra McKee im nordirischen Derry getötet. Der Freispruch im Mordprozess ist für die Angehörigen ein „Schlag ins Gesicht“.

Ralf Sotscheck

Aus Dublin

Ralf Sotscheck

Vor gut sieben Jahren ist die Journalistin Lyra McKee in Derry, Nordirlands zweitgrößter Stadt, erschossen worden. Vorigen Freitag sprach Richterin Smyth drei Männer, die für die Tat angeklagt waren, vom Vorwurf des Mordes frei. Die Beweislage sei unzureichend gewesen und stützte sich ausschließlich auf Indizien, begründete die Richterin ihre Entscheidung nach einem Prozess ohne Geschworene vor dem Belfast Crown Court, der im Mai 2024 begonnen hatte. Den drei Männern wurde nicht vorgeworfen, die Waffe abgefeuert zu haben, mit der McKee getötet wurde, sondern den Schützen ermutigt oder unterstützt zu haben.

Die Schießerei ereignete sich während gewalttätiger Ausschreitungen, nachdem die Polizei Razzien durchgeführt hatte, um im Vorfeld der Gedenkmärsche zum Osteraufstand, die an dem Wochenende in der Region stattfinden sollten, Munition zu beschlagnahmen. Bei den Krawallen wurden mehrere Molotowcocktails auf die Polizei geworfen und ein Auto in Brand gesetzt. Schließlich wurden vier Schüsse in Richtung der Beamten abgefeuert.

Eine Kugel traf Lyra McKee, die neben den Polizeifahrzeugen stand. „Ein Versehen“, erklärte die militante Republikaner-Gruppe New IRA, die sich zu der Tat bekannte: „Im Laufe des Angriffs auf den Feind wurde Lyra McKee tragischerweise getötet, während sie neben den feindlichen Kräften stand.“

Die New IRA ist 2012 durch eine Fusion der Real IRA mit anderen Dissidentengruppen entstanden, die sich von der inzwischen aufgelösten Irisch-Republikanischen Armee (IRA) abgespalten hatten. Seitdem hat die Organisation mindestens vier Morde und zahlreiche Anschläge verübt. Anders als die alte IRA hat sie aber so gut wie keine Unterstützung in der Bevölkerung.

„Mörder-Meile“

Die 29-jährige McKee, eine investigative Journalistin und LGBTQ-Aktivistin, war ein „Ceasefire Baby“ – ein Waffenstillstands-Baby. So bezeichnete sie sich selbst. Der Begriff beschreibt die Generation der nordirischen Kinder, die den gewaltsamen Konflikt nicht bewusst erlebt haben. McKee wurde am 31. März 1990 in Cliftonville in Nord-Belfast geboren. Ihre Straße galt als „Mörder-Meile“, das Viertel hieß „Mörder-Dreieck“, weil dort während des politischen Konflikts mehr Menschen getötet wurden als anderswo in Nordirland. In ihrem Blog „Brief an mich selbst als 14-Jährige“ schrieb sie 2014 von den Problemen, als Lesbe in Belfast aufzuwachsen. Der Blog wurde später verfilmt.

Kurz vor ihrem Tod ist McKee zu ihrer Partnerin Sara Canning nach Derry gezogen. Das Urteil vom Freitag sei für ihre Angehörigen ein „Schlag ins Gesicht“, sagte Canning. Sie hoffe, dass der Mörder „jede wache Minute“ von Schuldgefühlen geplagt werde. Der Fall sei „eine massive Verschwendung von zwei Jahren unseres Lebens“ gewesen. „Ich hatte immer diesen Gedanken im Hinterkopf, dass der Todesschütze gar nicht auf der Anklagebank sitzt“, fügte sie hinzu. „Uns wurde von Anfang an gesagt, dass die Beweise gegen ihn nicht ausreichten, um Anklage zu erheben.“ Aber sie wisse, wie der Schütze aussieht: „Ich könnte ihm jederzeit auf der Straße begegnen.“

McKees Schwester Nichola Corner sagte: „Über 150 Menschen waren am 18. April 2019 Zeugen dieses Vorfalls. Kein einziger dieser 150 Menschen hat Aussagen gemacht, die die Argumentation der Staatsanwaltschaft hätten stützen können. Die Menschen haben Angst, Informationen weiterzugeben, die zur Verurteilung schuldiger Personen führen könnten. Diese Kultur des Schweigens in Nordirland muss ein Ende haben.“

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