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Franz-Beckenbauer-Platz in MünchenGebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!

Dominik Baur

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Dominik Baur

Zu Ehren ihres legendären Kapitäns steht die Arena des FC Bayern München künftig am Franz-Beckenbauer-Platz. Es hätte passendere Orte gegeben.

G ute Freunde kann niemand trennen, auch nicht der Tod. Und so sind sie Anfang der Woche auch alle angetreten, um trotz Nieselregen den großen Franz Beckenbauer zu ehren: Uli Hoeneß, Sepp Maier, Lothar Matthäus, Paul Breitner und wie sie alle heißen. Der Anlass: Ein Platz gleich neben der Allianz-Arena soll fortan Franz-Beckenbauer-Platz heißen. Es sei die „höchste Ehre, die die Stadt München posthum vergeben kann“, findet Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Klar: Wer, wenn nicht er, der Kaiser und Fußballgott, hätte einen eigenen Platz verdient? Sicher, es wird in letzter Zeit immer wieder gemahnt, bei der Benennung von Straßen nach Menschen vorsichtig zu sein. In München hat gerade eine Kommission nach jahrelanger Arbeit vorgeschlagen, 39 Straßen umzubenennen. Aber da ging es natürlich um ganz andere Sachen als nur ein bisschen Korruption bei einer WM-Vergabe. Und was zählt, ist doch das Ergebnis: Wer hätte auf das Sommermärchen 2006 verzichten wollen?

Ein braver Steuerzahler war Beckenbauer noch dazu – wie man aus Österreich hört. Und doch: Die Sache lief schon sehr schnell für einen Libero. Beschlossen hat der Stadtrat die Platztaufe gerade mal acht Monate nach des Kaisers Tod. Das erinnert fast an Johannes Paul II., nach dessen Ableben die Massen gerufen haben: Santo subito! Zu Deutsch: Sprecht ihn heilig, aber ein bisschen subito! Der war ja auch so eine Art Franz Beckenbauer, nur eben in einer anderen Disziplin.

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In Berlin müssen fünf Jahre nach dem Tod einer Person verstrichen sein, bis eine Straße nach ihr benannt werden darf, in Frankfurt drei, in Hamburg immerhin zwei. In München muss der Mensch nur tot sein, ganz egal, wie lange schon. Hätte man sich aber nun auch hier mehr Zeit genommen, wäre man sicher noch auf eine würdigere Location gekommen als diesen komischen Grashügel da draußen an der Autobahn. Jeder Giesinger Bolzplatz hätte besser gepasst.

Der einzige angemessene Ort freilich wäre der gewesen, wo Beckenbauers Verein Jahr für Jahr die Meisterschale dem Volk präsentiert: der Marienplatz! Und was ist mit Maria, werden jetzt Kleingeister einwenden. Gut, die steht zwar nicht auf der Liste der 39 und soll ganz nett gewesen sein. Aber welchen Münchenbezug bitte hatte diese Frau? Vielleicht kommt der Stadtrat ja doch noch zur Vernunft. Mit etwas Zeit. Schauma mal!

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Dominik Baur

Dominik Baur Bayernkorrespondent

Jahrgang 1971. Seit 2015 Bayernkorrespondent der taz. Davor unter anderem zehn Jahre Redakteur und Ressortleiter bei "Spiegel Online", seit 2009 frei. 2025 erschien in der Edition Scalala (scalala.de) der Interviewband "Die Roncallis – Zirkusgespräche". Mitglied des Journalistennetzwerks beschreiber.de. Mehr auf gschichten.de.
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