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Fox News gegen Trump Keine Helden der Pressefreiheit

Leon Holly

Kommentar von

Leon Holly

Fox schließt sich dem Boykott von US-Medien gegen Trump an. Das zeigt: Der rechte Sender stellt sich quer, wenn er eigene Interessen gefährdet sieht.

A ls Trump am Montag einen neuen Hubschrauberlandeplatz am Weißen Haus einweihte, ließ der US-Präsident es sich nicht nehmen, ein paar Worte zu sagen. Nur waren diese Worte für die Betrachter des Videomaterials nicht zu verstehen. Der Grund: Vor Trumps Gesicht fehlten die Mikrofone der großen TV-Sender. Der verbalisierte Bewusstseinsstrom verhallte in der Leere.

Die großen Medienhäuser weigern sich aktuell, über Trump zu berichten. Nachdem Trump die Sender CNN und MS NOW und das Portal „Politico“ in den vergangenen Wochen wegen negativer Berichterstattung aus dem Pressepool des Weißen Hauses ausgeschlossen hat, solidarisierten sich andere Medien. Selbst der rechte Sender Fox News schloss sich der Boykott-Aktion an. Kein Medientross mehr, der dem Präsidenten auf Schritt und Tritt folgt.

Dass selbst ein Sender aus dem Rupert-Murdoch-Imperium bei der Aktion mitmacht, mag erst mal überraschen. Für viele gilt Fox News als Haus-und-Hof-Sender des Präsidenten. Was ist da also los? Hat Fox auf einmal sein Rückgrat gefunden? Sind sie jetzt Teil der „Resistance“? Wohl kaum.

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Auch wenn eine breite Front gegen Trumps Angriff auf die Presse zu begrüßen ist, sollte man sich über die Motive von Fox keine Illusionen machen. Der Fox-Eigentümer Murdoch verfolgt hier schlicht seine Geschäftsinteressen. Wenn es ihm und seinem Konzern nutzt, Hofberichterstattung über Trump zu liefern und dessen Angriffe auf die ganze Palette bürgerlicher Freiheiten zu ignorieren, dann tut der Sender das. Wenn er denkt, es nutzt ihm, sich gegen den Präsidenten zu stellen, dann tut er das.

Beziehungsstatus? Es ist kompliziert

Das Verhältnis von Trump zu Fox News war schon immer von Widersprüchen geprägt. Für Trump ist Fox im besten Fall ein Sprachrohr, in dessen Morgen-Shows er sich einwählen kann, um seine Linie zu verbreiten. Für den Sender ist die Berichterstattung über Trump ein Zuschauermagnet, der den Umsatz steigert. Mehr Trump bedeutet höhere Einschaltquoten. Aus diesem Grund berichten nicht nur Fox, sondern auch liberalere Sender über jede noch so banale Dummheit des Präsidenten.

Wenn es aber – wie in diesem Fall – um einen Ausschluss von Medien durch Trump geht, dann müssen auch die Verantwortlichen bei Fox das als direkten Angriff auf ihre Interessen sehen, nämlich frei zu berichten. Denn auch Fox weiß, dass sie nicht vor Trumps Zorn geschützt sind, dass es auch sie treffen kann. Und zumindest hinter den Kulissen lästern viele Fox-Journalisten über den Präsidenten.

Ein Beispiel für die schwierigen Beziehungen zwischen Fox und dem Präsidenten ist die Berichterstattung über Trumps Lüge von der gestohlenen Wahl 2020. Mitarbeiter von Fox, und sogar Murdoch selbst, bezeichneten Trumps Behauptungen in privaten Nachrichten als unglaubwürdig und „verrückt“. Öffentlich hingegen stellte sich der Sender hinter die „Big Lie“ vom massiven Wahlbetrug.

Als der Sender am Wahlabend Bidens Sieg im umkämpften Bundesstaat Arizona vermeldet hatte, stürzte sich die Trump-Fanbase mit wütenden Nachrichten auf Fox. Dessen Ratings sackten in den darauffolgenden Wochen ab. Noch im Wahlkampf 2024 zeigte sich Fox eher dem Trump-Rivalen Ron DeSantis zugeneigt, schwenkte dann aber wieder zurück, als sich Trump durchsetzte.

Klage wegen eines Geburtstagsbriefs

Auch ist es nicht das erste Mal, dass sich das Medienhaus des News-Tycoons im offenen Streit mit Trump befindet. So verklagt der Präsident aktuell das Murdoch-Blatt Wall Street Journal (WSJ), nachdem die konservative Zeitung einen Geburtstagsbrief veröffentlicht hat, den Trump dem pädokriminellen Menschenhändler Jeffrey Epstein geschickt haben soll. Trump behauptet, der Brief habe nie existiert, und fordert 10 Milliarden US-Dollar Schadensersatz.

Auch in diesem Streit geht es nicht um höhere Prinzipien, sondern um die Interessen des Zeitungshauses. Und auch, wenn man Trumps Politik beim WSJ in einigen Punkten zugeneigt ist, so wäre es doch geschäftsschädigend gewesen, den skandalösen Brief zurückzuhalten. Es gibt keinen Grund, wieso auch die Murdoch-Medien ihre Interessen hier nicht selbstbewusst gegenüber Trump vertreten sollten, zumal der 80-Jährige gerade politisch in den Seilen hängt.

Die Kritik der rechten Medien wird dabei natürlich vor allem auf die Person Trumps abzielen. Was unterbleibt, ist eine echte Kritik am Kern seiner Politik, die am Ende den Interessen des Kapitals dient – und damit auch Rupert Murdochs Interessen.

Leon Holly

Leon Holly

Schreibt über gesellschaftliche Konflikte und internationale Politik, mit besonderem Fokus auf die USA und die Levante. Von 2023 bis 2024 Volontär der taz Panter Stiftung. Davor Studium der Politikwissenschaft und Nordamerikastudien in Berlin und Paris.
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7 Kommentare

  • Fritz Müller

    ... die Medienwelt wäre eine Bessere, wenn sie Trump ab jetzt bis in alle Ewigkeit komplett ignorieren würde.

  • hsqmyp

    Ich finde es durchaus einen Grund zur Genugtuung, wenn sich selbst Fox-News anschließt.



    Warum auch immer.



    Es gibt tatsächlich viele Linke, denen das ernsthaft nicht reicht.



    Sie wollen immer 110%, und hätten es am liebsten, wenn Murdoch zum linksliberale Wohltäter mutieren würde.



    Diese kompromisslose Haltung erinnert mich gerade stark an einige Filmszenen aus Monty Python Produktionen :-)

  • Gerhard Krause

    Im Rahmen der aktuellen politisch gesellschaftlichen Verhinderung von Humanität im rechten Spektrum stellt dieser Eigennutz zumindest noch so etwas wie Widerstand dar, da unter Eigennutz ein für Platz für Wahrheit sein kann.

  • taz.manien

    "Der rechte Sender stellt sich quer, wenn er eigene Interessen gefährdet sieht."

    Moral, Ethik, gesellschaftliche Verantwortung und Selbstachtung was ist das, sollten die Demokraten wieder ins Senat und Kongress einziehen, später hoffentlich ins White House, Fox News würde ihre eigene Medizin zu schmecken bekommen in Form von, nicht auf der richtigen und neutralen Seite gestanden zu haben, sprich die Willkür eines Wirren Präsidenten sogar noch unterstützt zu haben, denen sind ihre eigenen Wirtschaftsinteressen halt wichtiger als die eigenen kaputten kranken verlogenen Überzeugungen, so sind eben rechte Medien. Wenn der Führer die absolute Macht hat ( das White House und die Mehrheit im Kongress und Senat ), dann bekommt man nur Hass und Hetze und eine Hofberichterstattung, wenn der eigene Führer dabei ist seine Macht zu verlieren ( midterms 2026 ), dann wird später als Argument geheuchelt ( wir haben auf der richtigen Seite gestanden ).

  • Normalo

    Fox News ist ein Zwitter. Während seine Kommentatoren ("Pundits") in ihren persönlichen Meinungssendungen stramm parteisch-rechtspopulistisch und gern auch "postfaktisch" (ergo meist in Trumps Sinne) tönen, arbeitet die Nachrichtenredaktion daneben erstaunlich seriös und durchaus im Widerspruch zu den Pundits. Man sollte erwähnen, dass Fox News seinerzeit nicht nur Arizona für Biden und damit Biden als Gesamtsieger notierte, sondern dass sie sich das auch VOR allen anderen großen Sendern trauten - im Wissen, dass sie damit ihrem Quotenbringer den Narrativ verhageln würden. Das ist schon "Rückgrat".



    Murdoch hat dem Vernehmen nach auch diese Trennung immer hochgehalten, gerade WEIL sie dem Sender jene journalistische Unabhängigkeit wahrte, um die sich ein wahrer Haus- und Hofsender nicht scheren müsste. Die Arbeit im Pressepool fällt eher in den Bereich der Nachrichtenredaktion. Von daher ist es nicht unbedingt Opportunismus sondern erscheint eher konsequent, wenn der Sender sich jetzt in die Reihe der Boykotteure stellt.

  • Maja Kero

    Ich möchte Fox News nicht in Schutz nehmen. Dort arbeiten wirklich viele Personen, die den Journalismus-Begriff sehr weit, bis ins Unerträgliche, ausdehnen. Aber die Einseitigkeit des Authors in Bezug auf persönliche Interessen vs. „Rückgrat“ ist schon wirklich Zuviel des Guten.

    Als würden im Wall Street Journal gar keine integren Journalisten arbeiten, die an Wahrheitsfindung interessiert wären, sondern höchstens an Profit. Das ist wirklich schon beinahe Rufschädigung.

    Auch wird hier, ob gewollt oder nicht, impliziert, dass Rupert Murdoch auf alles die Hand drauf hat, was das WSJ publiziert. Kann sein, kann nicht sein.



    Den Beleg bleibt der Autor schuldig.

    Mich erinnert das unangenehm an die Vorwürfe aus der AfD-Ecke, die Öffentlichen-Rechtlichen kriegen ihre Marschroute auch wenn Merkel, Scholz und Merz vorgeschrieben.

  • Liebknechto

    Rechte Dritter benutzen Redefreiheit nur wenn es nützlich ist who could have guessed it