Film „The Dink“: Das bessere Tennis
Die Apple-TV-Sportkomödie „The Dink“ macht sich über Leistungswahn lustig und plädiert für „uncoole“ Sportarten. Die sind sowieso im Trend.
Für manche Tennis-Puristen ist es der reine Horror: das immer beliebter werdende Spiel „Pickleball“. Dabei stehen vor allem ältere Semester mit eckigen Schlägern auf kleineren Tennisplatzparzellen und schlagen einen mit Löchern versehenen Plastikball hin und her. Das Internet ist voll von Pickleball-Hasskommentaren.
Ähnlich verbohrt ist auch der gescheiterte Tennisstar Dusty Boyd (Jake Johnson), der die Pickleball-Gemeinde im schicken Tennisklub seines autoritären Vaters (Ed Harris) als Zumutung empfindet. Er lässt keine Gelegenheit aus, den Tennismacker raushängen zu lassen. In der Sportkomödie „The Dink“ auf Apple TV versucht ein altehrwürdiger Tennisklub mit snobistischem Vorstand, der in holzvertäfelten Räumen tagt, die immer größer werdende Pickleball-Gemeinde loszuwerden.
Arrogante Tennisspieler
Während die Tennisspieler den Standesdünkel raushängen lassen, wollen die Pickleball-Spieler endlich auch mal gute Courts bekommen. Auf der Jahreshauptversammlung melden sie ihren Platzbedarf an. Aber der Vorstand zerrt eine uralte Regel hervor und fordert die sympathischen Senioren und Freizeitspieler zu einem alles entscheidenden Turnier auf. Wer gewinnt, darf bestimmen, ob im Verein entweder nur noch Tennis oder Pickleball gespielt werden darf.
Als Tennismacker Dusty sich das Handgelenk verletzt, rät ihm sein Arzt (Ben Stiller), doch Pickleball zu spielen. Dusty merkt, dass es in diesem Sport viel freundlicher und menschlicher zugeht als im blöden Leistungstennis. Und natürlich verguckt er sich auch noch in seine 25 Jahre ältere Spielpartnerin.
Diese soziale und kulturelle Katharsis erzählt der Film pointiert und witzig. Der zuvor so leistungsorientierte Dusty, der eigentlich nie ein Tennisstar war, auch wenn er das gern behauptet, kann plötzlich so sein, wie er will. Pickleball als „nicht coole“ Sportart, die aber einfach Spaß macht und weniger auf Leistung abzielt, wächst einem während des Films glatt ans Herz.
Das aggressive Aufplustern der Tennis-Puristen erinnert dagegen an Friedrich Merz und dessen leistungsfetischistisches Gejammer in Sachen Bundesjugendspiele. Dabei trenden barriereärmere Sportarten wie Tag Rugby, das ohne Körperkontakt auskommt, oder Hobby Horsing, auf das einige Reiter arrogant herabschauen.
Von wegen Looser
„The Dink“ erzählt davon, wie sich die vermeintlichen Loser zusammentun und sich gegen die Leistungsnorm wehren. Im alles entscheidenden Finale gewinnt Dusty gegen seinen Angstgegner aus der Jugend (die Tennislegende Andy Roddick, die sich selbst spielt). Zuschauer ist dabei kein Geringerer als John McEnroe, ebenfalls Tennislegende, der sich als Pickleball-Fan outet.
Am Ende spielen im Tennisklub alle einträchtig Pickleball. Man wird schließlich nicht jünger und die alles beherrschende Leistungsmanie im Sport ist zumindest in diesem Film langweiliger Quatsch von gestern.
„The Dink“ ist eine etwas vorhersehbare Komödie, die mit fortlaufender Handlung immer sympathischer wird. Pickleball als „nicht coole“ Sportart, die aber einfach Spaß macht und nicht auf Leistung abzielt, wächst einem glatt ans Herz.
„The Dink“, ab 27.7. auf Apple TV
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