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Film „Der Mandalorian und Grogu“Baby Yoda für die Rentenversicherung

Der „Star Wars“-Ableger „Der Mandalorian und Grogu“ vertieft auf die harte Tour den Generationenvertrag. Wirklich ernsthaft wie in „Andor“ wird es aber nie.

Keine wirklich kindgerechte Umgebung: Mando und Grogu brechen auf in den Kampf Foto: Lucasfilm Ltd

Vor dem großen Finale – das selbstverständlich gewaltige Explosionen beinhaltet – gibt es in einem der raren ruhigeren Momente dieses Films eine Sentenz, die so sehr danach schreit, zitiert zu werden, dass man fast schon keine Lust dazu hat, es tatsächlich auch zu tun.

„Die Alten beschützen die Jungen. Dann beschützen die Jungen die Alten. Das ist der Weg“, so lautet sie. Damit ist über die Grundidee dieses „Star Wars“-Ablegers, in dem ein Alter (der Kopfgeldjäger Mando) und ein Junger (das mit der übersinnlichen Macht begabte kleine Wesen Grogu) sich durch eine in ihren Fugen rüttelnde Galaxie boxen, fast schon alles gesagt. Erst beschützt Mando Grogu, dann beschützt Grogu Mando, und am Schluss ist ihre seltsame Vater-Sohn-Beziehung ein weiteres Stück gewachsen. Das ist der Film im Wesentlichen.

Und man denkt: Vielleicht sollte sich die deutsche Rentenversicherung diesen Claim sichern. Klingt cooler als „Generationenvertrag“. Andererseits, vielleicht doch nicht. Er wäre vermutlich eh zu teuer.

Der Film

„Star Wars – Der Mandalorian und Grogu“. Regie: Jon Favreau. Mit Pedrp Pascal, Sigourney Weaver u.a. USA 2026, 132 Min.

Wirklich entscheidend für die Ausgestaltung und auch den Plot des Films ist sowieso ein anderer Satz, der ziemlich genau in der Mitte des Geschehens fällt: „We have to do it the hard way“, sagt Mando da, die kriegerischen Verhältnisse im Outer Rim lassen ihm keine andere Wahl.

Monster und Krabbeltiere

Seine Position innerhalb des auf George Lucas zurückgehenden Figuren-Universums aber auch nicht. Denn die harte Tour, das ist das, wofür der Mandalorian von seiner Rollenanlage als menschliche Kampfmaschine in undurchdringlicher Superrüstung her halt steht, was diverse Nahkampftechniken, Schwert- und Messereinsatz, Sprengsätze und alle möglichen Schusswaffen sowieso umfasst. Er ist der Mann für die robusten Fälle, „messy“ wird Sigourney Weaver das in ihrem Auftritt als seine Vorgesetzte nennen.

Wobei in diesem Zweig der „Stars Wars“-Welt viel geballert wird, aber kaum Blut zu sehen ist. Nicht zu zählen, wie viele Droiden, Kampfmaschinen, Monster, Drachen, Schlangen, Krabbeltiere und sonstige Lebensformen Mando in diesen zwei Stunden alle erledigt, aber – anders etwa als in der psychologisch um Längen versierter angelegten „Andor“-Serie – kommen Schmerz und Trauer hier nicht vor.

Das muss man dem Film nicht unbedingt vorwerfen, es ist auch Teil der unausgesprochenen Abmachung zwischen Fans und dieser Saga: So richtig wehtun darf die Sache nicht (anders als die „Alien“-Serie etwa). Auch das Zusammengeklaute der Szenen ist nicht das Problem. Dass man sich bei der Action der Eingangssequenz fragt, ob man das Ganze nicht schon ziemlich ähnlich bei James Bond gesehen hat, oder wenn man sich bei den nächtlichen Straßenszenen wie in den Kulissen des klassischen „Blade Runner“ fühlt, dann gehört das zu den soliden Unterhaltungsangeboten, die der Film bietet.

Und das gilt erst recht für die Anspielungen an die vorangegangenen Filme, etwa wenn die monsterhaften Gegner, gegen die Mando zusammen mit Rotta the Hutt in einer Arena kämpfen muss, aussehen wie die lebendig gewordenen animierten Spielfiguren des Schachspiels zwischen Chewbacca und C-3PO aus dem allerersten „Star Wars“-Film („Let the wookie win“).

Der emotionale Glutkern

Aber ob eine „Stars Wars“-Episode gut ist, entscheidet sich daran, wie sehr es das emotionale Zentrum, um das es gebaut ist, bei allem Geballer und aller Materialschlacht dann letztlich doch ernst nimmt. Die klassische „Star Wars“-Trilogie verhandelte eben auch ernsthaft den Kampf der Multitude gegen das normierende System und auch schon gepanzerte Vaterschaft. Die nachfolgenden Episoden umspielten den Untergang der Demokratie und den Aufstieg des Autoritarismus. In „Rough One“ ging es um die Frage, was man für die Rebellion zu opfern bereit sein muss (alles, klar).

Jetzt in „Mandalorian und Grogu“ weicht Regisseur Jon Favreau dem emotionalen Glutkern, der möglich gewesen wäre, aber geradezu aus. Statt die Vater-Sohn-Beziehung zu beleuchten – etwa entlang der Frage, wie sich Fürsorge und Panzerung zueinander verhalten –, entwickelt er die Geschichte seitwärts. Die wirklich emotionalen Momente bekommt Rotta the Hutt, die gewaltige Riesenlarve, die eigentlich gut sein möchte, Sohn von dem Erzschurken Jabba the Hutt aus der klassischen Trilogie.

In der schönsten, da nicht ins Gerüst der Charaktere gepressten Szene des Films spielen dieser Rotta und Grogu ausgelassen in den auslaufenden Wellen am Strand – während der Mandalorian gefangen in seiner Rüstung offenbar gerührt zusieht (was man wegen seines Helmes aber eben nicht sehen kann). Hier ist auch zu erkennen, wie viel Fortschritte die Tricktechnik inzwischen gemacht hat: Wie in einem plötzlichen Aufblitzen erwecken die Trickfiguren in dieser kurzen Szene Gefühle zum Leben.

Erzählerisches Potenzial

Vor allem kann man hier aber auch sehen, wie viel erzählerisches Potenzial Jon Favreau ungenutzt liegen lässt. Nah kommen einen diese Figuren nur in der etwa zehnminütigen Episode, in denen Grogu sich dann tatsächlich um Mando kümmert, der, da vergiftet, ohnmächtig herumliegt. Ein kleiner Spalt in seiner Rüstung ist da offen. Mehr aus den Friktionen zu machen, die sich zwischen the hard way und alleinerziehender Vaterschaft auftun – das wäre ein Weg gewesen. Den Weg gibt es, auch wenn Mandalorians das penetrant behaupten mögen, ja sowieso nicht.

Weibliche Figuren kommen, von Sigourney Weaver abgesehen, in der ganzen Handlung übrigens nur als Staffage vor.

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