Fazit zum Treffen der G7-Staaten: Dennoch zu wenig

Trump weg, Corona fast weg – das G7-Treffen hätte toll werden können. Doch die Staats- und Regierungschefs haben inhaltlich versagt. Was zudem fehlte: die Proteste.

Menschen, die große Masken von Regierungschefs und -chefinnen tragen, sind im Meer. Man sieht nur die Köpfe und winkende arme. Dahinter ein hügeliger Strand.

Gehen inhaltlich baden: Protestaktion zum G7-Gipfel in England Foto: Jon Super / ap

Was haben wir früher über die ständigen Gipfeltreffen gelästert, bei denen die immer gleichen Köpfe die immer gleichen Sätze über die immer noch ungelösten Probleme von sich gaben: Klima, Armut, globale Ungerechtigkeit. Gerade die G7-Gipfel waren eine Zumutung. Dann kam Donald Trump, und dann die Pandemie. Der eine sorgte dafür, dass Worte nichts mehr wert waren, die andere dafür, dass nicht mehr miteinander gesprochen, sondern nur noch verkündet wurde. Merkel, Macron, Johnson und die anderen wurden bei den virtuellen Gipfeln via Zoom zuletzt konsequenterweise voraufgezeichnet. Ob sich das andere StaatschefInnen wirklich angehört haben? Wohl kaum.

Jetzt also endlich wieder ein realer Gipfel; das Strahlen in den Gesichtern der Regierenden wirkt ausnahmsweise echt. Mit Trump und Covid-19 sind gleich zwei Geißeln überwunden, zumindest vorläufig. Und das ist die gute Nachricht: Das globale Gespräch ist wieder im Gang. Im persönlichen Miteinander entsteht ein Gefühl dafür, was möglich ist, vielleicht ja sogar die eine oder andere gute Idee.

Doch trotz berechtigter Freude darüber, dass Joe Biden nicht sein Vorgänger ist: Inhaltlich haben die G7 in Cornwall weitgehend versagt. Statt globaler Gerechtigkeit in der Pandemiebekämpfung ein Versprechen von zu wenig Impfstoff in der zu weit entfernten Zukunft; statt konkreter Klimapläne eine Taskforce für unbestimmtes grünes Wachstum in Entwicklungsländern; immerhin ausdrückliche Kritik an den Menschenrechtsverletzungen im chinesischen Xinjiang. Dennoch: Das ist zu wenig.

Und es zeigt: Wenn der Multilateralismus jetzt wieder zurückkehrt, dann darf er nicht so exklusiv und abgehoben sein wie früher. Schon gar nicht dürfen Gipfel zusätzlich abgeschottet werden, begründet etwa mit Ansteckungsgefahr in Zeiten der Pandemie. Regierende dürfen sich bei ihren Gipfeltreffen auch künftig nicht zu wohl fühlen. Dafür gibt es die Zivilgesellschaft, die ein unverzichtbarer Teil des Multilateralismus ist und mehr Einfluss bekommen muss. Nach anderthalb Jahren im virtuellen Schneckenhaus müssen die Mächtigen dieser Welt sich wieder abweichenden Meinungen stellen.

Endlich wieder Gipfeltreffen, das muss auch heißen: Endlich wieder Raum für Kritik und Druck der Öffentlichkeit. Zu Gipfeln gehören Proteste, Demos und Einmischung aller Art. Andernfalls wäre mit der an sich erfreulichen Rückkehr des Multilateralismus nichts gewonnen.

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Seit 2011 berichtet Marc Engelhardt aus Genf von den Vereinten Nationen und den 200 anderen internationalen Organisationen mit Sitz am Genfer See, außerdem über die Schweiz und Liechtenstein. Davor war er sieben Jahre lang als Afrika-Korrespondent in Nairobi, nach Volontariat beim NDR und ein paar Jahren bei der Tagesschau. Ansonsten schreibt der gebürtige Kölner gerne Bücher, zuletzt über den Baobab, seine Lieblingsinsel Rügen und eine nackte Reise um die Welt.

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