Faktencheck zu Pestiziden: Es gibt keinen Mangel an gefährlichen Wirkstoffen
Agrarkonzerne warnen, es gingen die Wirkstoffe für Pestizide aus, die Ernährungssicherheit sei bedroht. Ein Faktencheck des BUND widerlegt das nun.
Foto: Countrypixel/frp/picture alliance
Die Ernährungssicherheit ist nicht durch mangelnde Pestizid-Wirkstoffe gefährdet. Das hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einem am Donnerstag veröffentlichten Faktencheck herausgestellt. Es gebe keinen Wirkstoffmangel, sondern ein Übermaß an Pestiziden und falsche Anreize. Die Ernährung lasse sich auch durch weniger Fleischkonsum, Ökolandbau oder Pestizid-Alternativen sichern. Damit widerlegen die Umweltschützer Behauptungen aus der Industrie.
Zulassungen in der EU seien derzeit sehr schwierig, sagte Johann Meierhöfer vom Deutschen Bauernverband der taz. „Die letzte Neuzulassung eines chemisch-synthetischen Wirkstoffes datiert aus dem Jahr 2019.“ Pestizide stehen in der Kritik, der Gesundheit von VerbraucherInnen und Ökosystemen zu schaden.
Für die Überprüfung, ob es in Deutschland an Wirkstoffen für Pestizide mangle, hat der Studienautor Lars Neumeier verschiedene Datenbanken, wie die Pflanzenschutzzulassungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit oder die Notfallzulassungen verschiedener Länder, herangezogen.
Statt eines Mangels hätten sich die zugelassenen Wirkstoffe in Deutschland in den letzten 20 Jahren auf einem konstanten Niveau gehalten, so der BUND-Bericht. Der Einsatz von Pestiziden hat sich demnach allerdings in 15 Jahren etwa verdoppelt: Er lag im letzten Jahr bei fast 30.000 Anwendungen. Die Zahlen relativierten die Behauptungen von BASF, Bayer oder dem Industrieverband Agrar, es mangele an Wirkstoffen.
EU könnte Pestizide deregulieren
Der BUND hat seinen Faktencheck vor dem Hintergrund eines geplanten Gesetzespakets der EU-Kommission veröffentlicht. Die möchte die Lebensmittelsicherheit neu regeln und dafür auch die Pestizidverordnung der EU ändern.
Dabei könnte der Vorschlag der Kommission den Gebrauch von Pestiziden deregulieren. Er sieht vor, dass Wirkstoffe künftig in der Regel unbefristet zugelassen werden sollen. Bisher verfällt die Zulassung von Wirkstoffen nach 15 Jahren. Besonders riskante Stoffe sollen außerdem 5-jährige Zulassungen bekommen können, wenn sonst eine Gefahr für die Gesundheit der Pflanzen bestehe oder es keine zumutbare Alternative gäbe, um die Produktion zu kontrollieren.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert