piwik no script img

Entscheidung in der FrauenbundesligaMit Zug zum Titel

Auch die Frauen des FC Bayern schütteln die nationale Konkurrenz früh in der Saison ab. In der Champions League sind sie nur bedingt konkurrenzfähig.

Bayerinnenjubel: Pernille Harder, Glodis Perla Viggosdottir und Georgia Stanway freuen sich über den Titel Foto: contrast/imago

„Der Zug hat keine Bremse!“ Als die Fußballerinnen des FC Bayern ihren Meistertitel beim 1. FC Union Berlin (3:2) vorzeitig perfekt gemacht hatten, erklang der Ballermann-Hit in den Katakomben der Alten Försterei. Passt schon: Tatsächlich rauscht dieses Ensemble ohne Halt durch die Frauen-Bundesliga.

64 von 66 möglichen Punkten und ein Torverhältnis von 84:8 belegen die Dominanz. Die ist bei aller wirtschaftlichen und sportlichen Überlegenheit gewiss nicht selbstverständlich: Der Kader funktioniert im Kollektiv, verliert nie die Ruhe – und lieferte auch am Mittwochabend vor mehr als 13.000 Zuschauern wieder die letzte Antwort.

Dass es die nach einer Muskelverletzung wieder mitwirkende Klara Bühl war, die Giulia Gwinn den Siegtreffer vorlegte, verlieh dem Meisterwerk einen fast kitschigen Anstrich. „Emotional ist heute schon etwas abgefallen“, frohlockte Bühl, die nach dem gelungenen Comeback genauso befreit wirkte wie die zuletzt im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich so böse gestürzte DFB-Kapitänin Gwinn. Die Matchwinnerin hatte zuvor Späße mit ihrer Mitspielerin gemacht: „Wäre doch schön, wenn wir es entscheiden.“ Das Comeback-Duo schien mit der Attrappe der Meisterschale besonderen Spaß zu haben.

Aus der Ferne gab es reichlich Lob von der männlichen Führungsriege. Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen ließ wissen, dass die Frauen „Saison für Saison“ neue Maßstäbe setzen würden. Der FC Bayern werde auch im Frauenfußball nicht nachlassen, lautete sein Versprechen, das zeige der Umzug in den Sportpark Unterhaching als neue Heimat, weil der Campus längst zu klein geworden ist – und die Fröttmaninger Arena (noch) zu groß ist.

Das ist eine große Belohnung nach einer langen Reise

José Barcala, Bayerinnentrainer

Lob vom Bundestrainer

Natürlich durfte ein Kompliment von Bundestrainer Christian Wück nicht fehlen: „Cheftrainer José Barcala und seine Mannschaft haben einmal mehr gezeigt, wie konstant und fokussiert sie über eine gesamte Saison hinweg auftreten können.“ Der explizit belobigte Kollege Barcala blieb wie gewohnt bescheiden. „Das ist eine große Belohnung nach einer langen Reise“, sagte der 44-Jährige, der im roten Meisterinnen-Shirt selig lächelte.

Unter dem Spanier hat sich das Team im Ballbesitz noch einmal verbessert, weist die beste Pass- und Zweikampfquote auf und führt nebenbei auch noch die Fairplay-Wertung an. Mit dem siebten Titel seit Gründung der Frauen-Bundesliga 1990 haben die Bayern überdies mit dem 1. FFC Frankfurt und VfL Wolfsburg gleichgezogen. Rekordmeisterin ist immer noch die SSG Bergisch Gladbach mit neun Titeln aus einer von amateurhaften Strukturen geprägten Epoche.

Vielleicht bedeutet die vierte Meisterschaft in Serie keine „historische Großtat“, wie FCB-Präsident Herbert Hainer etwas zu euphorisch meinte, es ist aber tatsächlich so, dass auch die Bayerinnen längst in einer eigenen Liga spielen. Und noch eine Parallele zu den Männern: Genau wie Joshua Kimmich und Kollegen gönnten sich auch Gwinn und Co. nur eine Feier mit gebremstem Schaum, weil größere Aufgaben warten. Sportdirektorin Bianca Rech hatte noch in Berlin das Feierverbot ausgesprochen: „Party wird es keine geben. Wir wollen uns hochprofessionell vorbereiten.“

Der Fokus liegt schließlich auf dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona (Samstag 18.15 Uhr, ZDF). Rech hofft auf eine „noch größere Saison“. Nur zweimal (2019 und 2021) sind die Münchnerinnen bislang unter die Top Vier im europäischen Vereinsfußball vorgestoßen. Zum Auftakt der Ligaphase erteilten die Katalaninnen dem FC Bayern eine Lehrstunde (7:1), aus der die Münchnerinnen ihre Lehren gezogen haben sollten. Mehr als 20.000 Tickets sind fürs Duell gegen die spielstärkste Vereinsmannschaft der Welt verkauft.

Der Klub rührt gerade noch kräftig die Werbetrommel, um jene 25.000 Anhänger zu übertreffen, die zum Viertelfinale gegen Manchester United kamen. Unabhängig von der Resonanz auf den Rängen: Es wird verdammt schwierig, das Triple zu realisieren, auch wenn Gwinn „Lust auf mehr verspürt“ – und Bühl bekundete, sie träume „schon lange vom Finale“.

Im anderen Halbfinale begegnen sich mit Titelverteidiger FC Arsenal und Rekordgewinner Olympique Lyon zwei weitere Marken, die erhebliche Investitionen tätigen. Realistischer ist für den deutschen Primus daher das Double. Am 14. Mai steigt in Köln das DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg, der nach einem 0:0 im Nachholspiel bei Werder Bremen in der Liga satte 15 Punkte im Hintertreffen liegt.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Produkt-Arrangement bestehend aus dem bunt gemusterten „feministaz“-Halstuch, einer gedruckten taz-Sonderausgabe und einem Smartphone, das die digitale taz-Titelseite mit einer lila Faust zeigt.

10 Wochen taz testen + feministisches Halstuch

Gerade jetzt ist die Sichtbarkeit solidarischer Stimmen wichtiger denn je – für Frauen und FLINTA* weltweit. Teste die taz jetzt und erhalten unser neues feministisches Halstuch als Prämie dazu.

  • Erhalte das exklusive Tuch als Prämie – so attraktiv kann Solidarität sein!
  • Lies 10 Wochen die taz: Montag bis Freitag digital, samstags die gedruckte wochentaz
  • Limitierte Stückzahl, schnell sein lohnt

taz zur Probe + Tuch für nur 29 Euro

Jetzt bestellen

0 Kommentare