Entkriminalisierung von Schwarzfahren: U-Bahnfahren muss billiger werden
Wäre der ÖPNV nicht so teuer, würden weniger Menschen ohne Ticket fahren. Warum geht in Deutschland nicht, was andere Länder längst praktizieren?
E in Einzelfahrschein in Berlin kostet mittlerweile 4 Euro. Ja, richtig gelesen: 4 Euro! Egal, ob man U-Bahn oder S-Bahn, Bus oder Straßenbahn fährt. Fährt man nur vier Stationen, kostet eine Station mit der Bahn einen Euro. Die spinnt ja wohl, die BVG!
Die ganz Schlauen kommen jetzt sicher wieder mit ihrem Standardargument: Wenn du ein Viererticket kaufst oder eine Monatskarte oder das Deutschlandticket, wird es billiger. Stimmt, aber wenn man nichts davon braucht, ist es eben teuer. Viel zu teuer! Da wundert es nicht, dass (nicht nur finanziell schwächere) Menschen das Schwarzfahren zu ihrer persönlichen Challenge machen: Sie halten auf dem Bahnsteig nach den Kontrolleuren Ausschau, die Expert:innen unter den ticketlos Fahrenden erkennen die Kontrollettis rasch.
Die stehen in Dreier- oder Vierertrupps auf dem Bahnsteig, quatschen belangloses Zeug, und verteilen sich, nachdem sie gemeinsam in einen Waggon gestiegen sind, im gesamten Abteil. Außerdem haben sie unförmige Taschen vor dem Bauch. In der Bahn sind professionellen Schwarzfahrer:innen in steter Habachtstellung, insbesondere an den Haltestellen, dann springen sie – siehe oben – noch rasch raus.
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Wäre das Einzelticket nicht überteuert, gäbe es weniger Schwarzfahrer:innen – zumindest unter den nicht ganz Armen, ganz sicher! Selbst in New York zahlt man für die Subway 2,50 Dollar, in Luxemburg, Malta, der estnischen Hauptstadt Tallinn und im französischen Dunkerque fährt man kostenlos. In Melbourne in Australien kostet die Straßenbahn in der Innenstadt nichts. Der Autoverkehr in Melbourne hat sich dadurch reduziert, die ÖPNV-Nutzung hingegen verdoppelt.
Warum geht das nicht in Berlin und in anderen deutschen Großstädten? In Monheim, Erlangen und Augsburg versucht man es immerhin. In Tübingen fahren die Menschen am Samstag kostenfrei. Würde sich ein kostenfreier, zumindest aber ein günstiger ÖPNV bundesweit durchsetzen, würde sich das Land all die Verfahren gegen und Gefängniskosten für Schwarzfahrer:innen sparen. Und auch die Debatten darum sowieso.
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