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Energiewende in Schleswig-HolsteinSchuby macht Platz für riesige Datenmengen

In Schleswig-Holstein entstehen mehrere Rechenzentren. Mit der Abwärme könnte man etwa Häuser heizen. Aber alle Standorte sind auf der grünen Wiese.

Im nordfriesischen Langenhorn hat der Gemeinderat den Beschluss gerade noch einmal vertagt. In Schuby aber ist die Entscheidung bereits gefallen: In dem Ort bei Schleswig soll ein „Energiepark“ mit Rechenzentren und Stromspeichern entstehen. Es ist nicht das einzige Projekt dieser Art in Schleswig-Holstein. Eine Hoffnung für das Land oder eine vertane Chance?

Das erste klimaneutrale Industrieland will Schleswig-Holstein werden, mit diesem Versprechen ist die Regierung aus CDU und Grünen jedenfalls angetreten. Denn das Land zwischen Nord- und Ostsee hat einen großen Vorteil: Es gibt billige Energie im Überfluss. Entstehen könnten sogenannte Net Zero Valleys, Regionen, in denen Stromproduktion und energieintensive Betriebe nebeneinander liegen.

„Schleswig-Holstein hat in der ersten Halbzeit der Energiewende richtig gut gespielt“, sagte Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne), als er im November 2025 gemeinsam mit Ver­tre­te­r:in­nen von Stromnetz- und Energie-Unternehmen ein Strategiepapier vorstellte. Der Ausbau von Energienetzen sei ein „harter Standortvorteil“, mit dem das Land seine Rolle als „Energiewende-Vorreiter voll ausspielen“ könne. Wichtig sei, dass „große Verbraucher wie Industrie oder Rechenzentren eine reale Chance auf Netzanschluss haben“.

Große Hoffnungen ruhten auf dem schwedischen Unternehmen Northvolt, das eine Giga-Fabrik für E-Auto-Batterien bei Heide errichten wollte. Das Unternehmen ging pleite, aber die Mischung aus billigem Bauland und günstigem Windstrom, die den Standort für Northvolt attraktiv machte, besteht weiterhin.

Es geht um Milliardeninvestitionen

So sind zurzeit mehrere große Rechenzentren in Planung. Die Gemeinden erhoffen sich Steuern – in Schuby hätten die Investoren von einer Summe im zweistelligen Millionenbereich gesprochen, sagte Bürgermeisterin Petra Schulz (SPD) dem NDR – und das Land sieht die Chance auf mit Wind und Sonne betriebene Industrieparks. Es geht um Milliardeninvestitionen, die zudem ohne öffentliche Fördermittel auskommen sollen.

„Klar ist, dass wir als Land die Wertschöpfung in Schleswig-Holstein behalten wollen“, sagte Innenministerin Magdalena Finke (CDU) zum geplanten Rechenzentrum in Schuby. „Insoweit stehen wir solchen Vorhaben sehr offen gegenüber.“

Wir können solche Zentren mit sauberer Energie versorgen

Tobias Goldschmidt (Grüne), Umweltminister von Schleswig-Holstein, über den immensen Stromverbrauch der Rechenzentren

Der „Energiepark Schuby“ soll auf grünen Wiesen entstehen, in der Nähe eines Umspannwerks und rund zwei Kilometer außerhalb des 3.000-Einwohner:innen-Ortes. Zum Energiepark gehören zum einen Energiespeicher. Auf einer Skizze der Münchner Betreiberfirma Eco Stor ist ein Feld voller weißer und grauer Kästen zu sehen, in denen Wind- oder Solarstrom gespeichert werden kann. Neben den Speichern sollen gleich mehrere Rechenzentren gebaut werden. Wer die betreiben wird, sei noch unklar, so Bürgermeisterin Schulz.

Regionale Arbeitsplätze werden allerdings kaum entstehen, dafür wird aber der Stromverbrauch für den Betrieb gewaltig sein: Die Rede ist von 1.400 Megawatt (MW). Kein Problem, meint Umweltminister Goldschmidt: „Wir können solche Zentren mit sauberer Energie versorgen.“

Umweltschützer warnen vor „überdimensionierten Anlagen“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt aber vor den „überdimensionierten Anlagen“. Vor allem, weil zurzeit mehrere Großanlagen parallel vorangetrieben werden: Neben Schuby und Langenhorn gibt es auch Pläne für Busdorf bei Schleswig.

Zusammen hätten diese Parks eine Anschlussleistung von 1.900 MW, hat der BUND berechnet. Der Wert entspreche der Zubaurate für erneuerbare Energien in Schleswig-Holstein von mehr als einem Jahr, zudem verschlingen die Anlange zusammen gut 100 Hektar Fläche.

Und, die größte Kritik: Die Zentren erzeugen Abwärme, die einfach in der Umwelt landet und damit langfristig den Klimawandel noch verstärkt. Dabei ließe sich mit der Wärme vieles anfangen, Häuser heizen etwa. Doch alle geplanten Standorte liegen in dünn besiedelten Regionen, zu weit weg für Wärmenetze.

Rechenleistung und Abwärme zusammen denken

Dabei ist es möglich, Rechenleistung und Abwärme-Nutzung gemeinsam zu denken und zu planen. In Rellingen im Hamburger Speckgürtel etwa betreibt der Hamburger Cloud-Service-Provider „x-ion“ das Zentrum „dataR“, das seine 632 Serverschränke mit Wasser statt Luft kühlt – allein das spart Energie – und die Abwärme für die Heizung naher Wohngebäude und einer Schule nutzt. Der Kreis Pinneberg lobt den Bau als „Deutschlands modernstes und zugleich energieeffizientes“ Rechenzentrum, der Betrieb soll in diesem Jahr starten.

Bereits seit 2024 nutzten die Stadtwerke Norderstedt die Abwärme ihrer Rechenzentren und heizen damit „mehr als 1.000 Wohnungen à 80 Quadratmeter, das sind stolze zehn Prozent des städtischen Wärmebedarfs“, so der Projektleiter Robert Roß.

Kann das auch bei Rechenzentren auf der grünen Wiese klappen? Oder braucht es weitere Firmen, die sich rund um die Energieparks ansiedeln und die Abwärme nutzen? Doch was heißt das für die benachbarten Orte? Das alles sei ungeklärt, sagt Gerd Simon vom Landesvorstand BUND Schleswig-Holstein: „Was als Zukunftsprojekte verkauft wird, wirft in Wahrheit grundlegende Fragen auf.“

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