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Elon Musks Alternative zu WikipediaDer Kampf um die digitale Deutungshoheit

Stella Lueneberg

Kommentar von

Stella Lueneberg

Grokipedia, Elon Musks Gegenentwurf zu Wikipedia, ist ein Sammelbecken für rechte Fake News. Die KI-Inhalte infizieren das gesamte Netz.

Das Weltbild von Musk findet immer perfidere Wege, uns zu erreichen Foto: Manuel Orbegozo/reuters

E s ist schon abgedreht, einer der besten Plattformen des Internets, Wikipedia, vorzuwerfen, sie sei von linken Aktivisten kontrolliert. Aber dann eine alternative Enzyklopädie zu gründen, die von einer künstlichen Intelligenz geschrieben wird, ist eine Art geistiger Kurzschluss, wie man ihn bei Tech Bros wie Elon Musk öfter beobachtet.

Das sogenannte Grokipedia wird vollends von dem Chatbot Grok von Musks Firma xAI gesteuert. Ja, das ist die KI wegen, der viele generierte Nacktbilder von realen Personen online kursierten.

Mit mittlerweile rund sechs Millionen Artikeln bietet Grokipedia nur ein Zehntel der Einträge, die Wikipedia auffährt. Im Herbst 2025 ist die Plattform mit dem Ziel online gegangen, „die ganze Wahrheit“ zu teilen, so Musk. Der NDR hat in einem Faktencheck nun herausgefunden, was das heißt: dass neben seriösen auch Quellen von Facebook oder Reddit Posts benutzt werden, um aus Meinungen „Fakten“ zu generieren.

Andere fanden heraus, dass auch rechtsextreme Seiten und Portale für Verschwörungstheorien die Quelle für Einträge sind. Wer Wikipedia zu wahr findet, kann also dafür bei Grokipedia einen Mix aus rechter Schwurbelei und Desinformation finden.

Aber ein Hoch auf die Feedbackkultur von Grok: Fehler kann man melden. Die Hinweise liest die KI und entscheidet dann ohne Mensch, ob ausgebessert wird oder nicht.

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Zwar dystopisch, aber egal, solange es noch seriöse Alternativen gibt? So einfach ist es nicht. Die Fake News aus Grokipedia fangen an, sich in anderen Chatbots zu verteilen wie Bettwanzen. Erste Analysen zeigen, dass KIs wie ChatGPT und Gemini das Pseudo-Lexikon nutzen, um Antworten auszuspucken. Im Fall von ChatGPT etwa schon läppische 260.000 Mal.

Das Weltbild von Musk findet immer perfidere Wege, uns zu erreichen. Der Kampf um die digitale Deutungshoheit von Informationen wird im Zeitalter von KI immer relevanter werden – je nachdem, welche politische Agenda ihr Entwickler verfolgt. Dagegen wirken die menschlichen Irrtümer in Wikipedia-Einträgen fast niedlich.

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Stella Lueneberg
Freie Mitarbeiterin für das Meinungsressort. Studierte im Master "Politics, Economics and Philosophy" in Hamburg und in London. Schreibt für die taz besonders gerne über Innenpolitik und den Westbalkan.
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3 Kommentare

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  • Danke für diesen Artikel!



    Mehr davon!



    Leider muss ich vermehrt feststellen, dass die Nutzung von KI unkontrolliert weiter um sich greift.



    Immer mehr Privatpersonen greifen auf die leicht verfügbaren Antworten zu. Dass diese oft falsch sind, wird gar nicht erst hinterfragt.



    Das ist selbst gewählte Verdummung.



    Leider sehen wir, dass das politische Folgen hat.



    Wurden Worte wie „Lügenpresse“ vor 20 Jahren noch belächelt, setzt sich die Lüge mittlerweile gegen die Presse durch.



    So feiert eine Partei namens „afd“ bei den Arbeitern Erfolge, obwohl sie gar keine Politik für Arbeiter macht.



    Wikipedia hat nach eigenen Angaben mittlerweile sehr viel Arbeit mit Fake News, die KI generiert wird und von gedankenlosen Nutzern eingestellt werden. Ob die Nutzer wirklich gedankenlos sind, oder eine Strategie verfolgen, bleibt abzuwarten.



    Deutlich wird jedenfalls auch, dass kommerzielle Anbieter die hart erarbeiteten Fakten von Wikipedia nutzen um ihre KI kostenlos zu füttern.



    Es wäre eine gute Gelegenheit mal wieder 10 € für Wikipedia zu spenden, statt dafür drei T-Shirts bei Temu zu kaufen…

  • Musk, Trump, Thiel, Merz, Reiche ... haben eines gemeinsam: bereits ab der ersten Silbe ihrer Namen habe ich die Faxen dicke. Und alle den Namen folgenden Aussagen, Ideen und Vorschläge, stehen dem was richtig und zukunftsfähig ist, diametral gegenüber – immer! Das liegt wahrscheinlich an der Chiralität ihrer Doppelhelix, die ist bei diesen Menschen einfach in die falsche Richtung gedreht. Sorry, mehr gibt es zu Musks Grokipedia eigentlich nicht zu sagen. Schaden an unserer Demokratie wird dieser KI-Müll aber trotzdem anrichten.

    • @Mr. Spock:

      Der Schaden an der Demokratie ist beabsichtigt, weil die materielle Umschichtung von unten nach oben den Gierhälsen einfach zu langsam geht. Die wollen noch zu Lebzeiten ALLES haben und über ALLES bestimmen.



      Wenn das erreicht ist und sie sich dann gegenseitig die Köpfe einschlagen, werden "wir" das wohl nicht mehr mitbekommen.