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Elif Eralp und Manuela Schwesig Weiblicher Wahlsieg

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Die Spitzenkandidatinnen Schwesig und Eralp haben erkannt, was es heute braucht: soziale Ansprache und ein Gefühl für die Nöte der Menschen.

E ines lässt sich vom vergangenen Wahlsonntag festhalten: Das Rennen haben zwei Frauen gemacht. Und das trotz aller Unwägbarkeiten, die mit der Bildung der beiden Landesregierungen in den kommenden Wochen einhergehen. Und das trotz der viel zu hohen AfD-Ergebnisse nun auch in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Wann schon einmal konnte eine Spitzenkandidatin der Linkspartei ihren Wahlsieg so bejubeln wie Elif Eralp in Berlin? Eralp – erst seit 2021 im Abgeordnetenhaus – hat es geschafft, das Wahlergebnis ihrer Partei mehr als zu verdoppeln und damit das beste Ergebnis der Berliner Linkspartei einzufahren.

Manuela Schwesig ist in Mecklenburg-Vorpommern Ähnliches gelungen, auch wenn die AfD in dem Flächenland stärkste Partei wurde: Schwesigs „Aufholjagd“, mit der sie aus den 19 Prozent Zustimmung für die Sozialdemokraten noch vor einem Jahr bis zum Sonntag über 35 Prozent machte, rettet sowohl die Landes-SPD als auch Mecklenburg-Vorpommern vor einem Desaster, so wie es anderswo und vor allem im Bund zu konstatieren ist.

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Das Konzept der beiden komplett unterschiedlichen Politikerinnen ist offenbar aufgegangen: Eralp in Berlin mit einer knallharten Ansage für Vergesellschaftung und gegen zu hohe Mieten, Schwesig im Norden mit einer knallharten Absage an das Regierungsprogramm von Merz, Klingbeil, Bas. Eines aber eint beide Frauen: Sie haben sich offen für die Probleme der Menschen gezeigt, soziale Kompetenz bewiesen.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

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Damit ist nicht die als nach wie vor „typisch weiblich“ eingestufte Fürsorgebereitschaft gemeint, sondern das Verständnis für die Nöte der Menschen. Und doch waren es eben zwei Frauen, die erkannt haben, wie wichtig eine solche Ansprache ist. Wann hat man Ähnliches von Männern wie Friedrich Merz gehört? Statt sich an den anderen Parteien, vor allem an der AfD abzuarbeiten, haben Eralp und Schwesig mit eigenen Themen durchgezogen. Die soziale Frage ist längst so feministisch, wie sie universell ist.

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Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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14 Kommentare

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  • Rohek

    Nöte der Menschen ansprechen, sich nahbar und empathisch zeigen, hat zuletzt in Sachsen Anhalt auch ganz gut geklappt. Ich weiß nicht allzu viel über Simson-Siggi aber ein Sieg für den Feminismus war das nicht.

  • Herbarius Zunichten

    Weil sie Frauen sind, haben sie ein Gefühl für den Nöte der Menschen und zeigen soziale Kompetenz



    Ich glaube, ich habe schon lange nichts mehr so schlichtes stereotypes über weibliche Politiker gelesen.



    Ich dachte echt über sowas wären wir hinaus und könnten endlich akzeptieren, dass auch Frauen in Spitzenpositionen Machtmenschen sind.

  • Jalella

    Weiblicher Wahlsieg. Mist. Da haben wir's wieder. Ich bin einfach zu emanzipiert. Ist mir gar nicht aufgefallen, dass das alles Frauen sind. Einfach weil es mir egal ist. Und sollte es so nicht sein? Müssen wir uns ständig darüber unterhalten, ob dieser oder jener Posten von einer Frau besetzt ist? Das verstellt den Blick darauf, was es für Personen sind.

    Ich freue mich auch, dass Schwesig so stark wurde, damit die AfD nicht an die Macht kommt. Aber ich habe deswegen noch lange nicht ihre Nord Stream 2 Lobby-Mauscheleien vegessen. Und auch dabei ist es egal, ob sie eine Frau ist. Ich habe auch die Machenschaften der vielen Männer in der Geschichte nicht vergessen.

  • Fran Zose

    Grundsätzlich ist der Autorin zuzustimmen, wenn sie konstatiert, dass die beiden die Nöte, sprich die Ängste der Wähler adressiert haben; sei es das Eintreten für die Rente mit 63 oder die Vergesellschaftung. Soweit, so schlecht bzw. populistisch. Denn Versprechungen alleine sind noch keine Lösung der Probleme. Diese bleiben bestehen. Sich der Bereitschaft einer Rentenreform zu verweigern löst nicht das Problem, dass eine Reform notwendig ist, will man die Rente zukunftssicher machen. Eine Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen, so sie überhaupt umgesetzt werden kann, schafft nicht eine Wohnung zusätzlich. Insofern gilt das, was die Autorin bei den beiden positiv hervorhebt auch für die AfD. Diese benennt auch ganz klar Ängste ihrer Wählerschaft vor Migration ohne wirkliche Lösungen anbieten zu können und hat damit Erfolg. Ich finde es daher eher bedenklich, dass mit Realitätsverweigerung Wahlerfolge eingefahren werden können und sehe keinen Grund das zur bejubeln, nur weil es ausnahmsweise nicht die Rechten sind, welche das populistische Spiel betreiben.

    • My Sharona

      @Fran Zose:

      Nun ja, die Projekte/Kernbotschaften der beiden Wahlsiegerinnen sind eben nicht spaltend, nicht aufhetzend, nicht menschenfeindlich. Diesen Unterschied zur AfD sollte man sehen können. Ne Schande, wenn man's nicht kann.

      • Fran Zose

        @My Sharona:

        Um es deutlich zu sagen: Ich sehe den Unterschied schon, insbesondere in Bezug auf Schwesig und ich lehne die AfD ab und halte deren Ergebnisse für absolut katastrophal für dieses Land. Nichtsdestotrotz muss der Hinweis erlaubt sein, dass die Mechanismen die hier zum Erfolg auf linker Seite geführt haben denen einer AfD nicht unähnlich sind in Sachen Populismus und deswegen kritisch hinterfragt werden sollten. Aber es liegt wohl im System, dass man mit einfachen Lösungen und dem Versprechen, dass alles anstrengungslos gut wird eher Stimmen gewinnt, als wenn notwendige, aber schmerzhaft Reformen im Programm hat. Nur ist es am Ende so, dass gebrochene Versprechen am Ende zu noch mehr Frust führen werden.

        • My Sharona

          @Fran Zose:

          "einfachen Lösungen und dem Versprechen, dass alles anstrengungslos gut wird" - Sie halten das Durchkämpfen eines Vergesellschaftungsprojektes für "anstrengungslos"?



          Zu den "Mechanismen" des Populismus: Da sind wir wieder beim von mir erwähnten Unterschied ums Ganze: Rechter Populismus ist zerstörerisch, aufhetzend, menschenfeindlich, oft auch schlicht doof. Linker Populismus spitzt zu (vielleicht manchmal zu sehr, das kann sein) und bringt auf den Punkt. Und ja, bevor Sie fragen: manchmal ist er auch ein bisschen doof.

  • Sole Mio

    Es wird spannend werden welche Auswirkungen beide Ergebnisse und die wohl kommenden Koalitionen mit sich bringen.

    Die Bilder der Wahlparty der Linken mit diesen kriminellen Personen machen mich sehr nachdenklich.

    • Il_Leopardo

      @Sole Mio:

      Über die (vielen) kriminellen Personen, die sich bei der AfD so tummeln, verlieren Sie lieber kein Wort - eh?

      • Sole Mio

        @Il_Leopardo:

        Die gibt es dort auch haufenweise!



        Und keine davon hat etwas in Parteien zu suchen

    • Jalella

      @Sole Mio:

      Das ist gut. Dann ist sicher Zeit dafür, mal zu schauen, was tatsächlich dahinter steckt. Z.B. dass es keine Wachen gab, wer da rein kommt, und dass die entsprechenden Personen auch gleich wieder rausgeworfen wurden, nachdem man sie erkannt hat.

      taz.de/Berliner-Linke/!6214991/

      www.zeit.de/politi...ie-linke-neukoelln

      Und wer hat sich so bei der AfD-Wahlparty rumgetrieben? Hat die Presse da was berichtet? Würde man da vielleicht einschlägige Neo-Nazis finden? Denn die haben gute Beziehungen zu denen. Zu sehen hier z.B.:

      youtu.be/7TeNjo5AoqI

      Das macht MIR ehrlich gesagt erheblich mehr Angst.

      Aber das eine kommt vor einem Millionen-Publikum um 19:00 in "heute" (vom 21.09.) völlig falsch dargestellt und das andere muss man sich zusammensuchen als Information. Komisch oder?

      • Sole Mio

        @Jalella:

        Da gebe ich Ihnen teilweise recht. Nur dass Politiker sich mit Ihnen abbilden lassen und hinterher sagen ich weiß gar nicht wer das war, das hat schon ein „Geschmäckle“. Auch sich WhatsApp Nachrichten zu schreiben und hinterher ebenfalls nicht gewusst haben zu wollen mit wem man da schreibt ist schon seltsam.

        Und nun die AFD, die keiner hier will, als Referenz zu nehmen, ist sicherlich keine gute Idee

  • Querbeet

    "Statt sich an den anderen Parteien, vor allem an der AfD abzuarbeiten, haben Eralp und Schwesig mit eigenen Themen durchgezogen. "

    Aha. Ich sage dazu mal nur "Frau gegen Blau".

    • sahib

      @Querbeet:

      Dann erwidere ich: "Frau für MV"!