: Einer, der nervt
Der Lehrer Max Heckel spricht mit seinen Schüler*innen über die AfD und wird vom Schulamt abgemahnt. Er klagt dagegen und könnte einen Präzedenzfall schaffen in der Frage: Wie neutral sollen Lehrkräfte sein?
Aus Arneburg und Stendal Anne Fromm (Text) und Harald Krieg (Fotos)
Nach einer Debatte über Bildungspolitik tritt Ulrich Siegmund, AfD-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt, ans Mikrofon. Es ist ein Oktobertag im Jahr 2025 im Magdeburger Landtag. In elf Monaten ist die Landtagswahl.
Siegmund, akkurat gegelte Haare, joviales Lachen, will noch etwas sagen zu einem Antrag, den seine Partei gerade ins Parlament eingebracht hat. Die AfD fordert ein striktes Neutralitätsgebot an Schulen und Siegmund will ein Beispiel bringen.
„In Stendal gibt es eine Schule“, erzählt er, „an der es einen extrem linken Lehrer gibt.“ Eine Mutter habe sich an seine Partei gewandt und erzählt, wie dieser Lehrer über die AfD rede. Und er persönlich, Ulrich Siegmund, will, dass das Konsequenzen hat. Die Partei habe eine Dienstaufsichtsbeschwerde auf den Weg gebracht, Siegmund spricht schnell, fast atemlos, nun will er wissen: „Wie ist der aktuelle Stand zu unserer Dienstaufsichtsbeschwerde?“
Antwort erhält Siegmund vom Bildungsminister, Jan Riedel von der CDU. Er sei in den Fall nicht involviert, aber er habe sich unterrichten lassen. Es sei korrekt, die Lehrkraft habe sich im Unterricht „eindeutig gegen die AfD positioniert“. Und er sagt: „Das Landesschulamt hat dies disziplinarisch eingeordnet.“
Da steht also der rechtsextreme Spitzenkandidat im Landtag und beschwert sich über einen Lehrer. Und der Bildungsminister antwortet: Der Lehrer wird abgemahnt.
Noch regiert die AfD nicht. Aber sie ist schon weit gekommen. Wie weit, das erzählt diese Geschichte aus Sachsen-Anhalt.
Der Lehrer, um den es geht, heißt Max Heckel. Er unterrichtet an einer Sekundarschule in Stendal, hauptsächlich Werken, aber auch Deutsch. Das Schulamt Halle hat ihn bestraft, weil er gegen die „Neutralitätspflicht“ verstoßen haben soll. Es wirft ihm vor, dass er seine Schüler*innen politisch überwältigt hat. Dass er seinen angeblich unpolitischen Werkunterricht genutzt habe, um seine Schüler*innen von seiner Meinung zu überzeugen.
Max Heckel bestreitet das. Er sagt, er habe nur seine Pflicht getan und über eine als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei aufgeklärt. Das gäben alle Vorschriften her, der angestellte Lehrer*innen wie er unterlägen. Er klagt nun gegen die Abmahnung. Auch das erzählt der Bildungsminister im Landtag. Und die AfD-Fraktion lacht.
An einem der ersten Frühlingstage dieses Jahres steht Max Heckel im Klostergarten von Stendal und ächzt. „Da kommt es jetzt, das Alter“, sagt er und grinst. Mit krummem Rücken schleppt er einen Sack Trockenbeton. Mehr als 30 dieser Säcke wird er heute schleppen, insgesamt eine Tonne. Heckel, 39 Jahre alt, Vollbart, selbstgedrehte Zigarette, breite Schultern, gießt heute das Fundament für ein 4 Meter hohes Fachwerkhaus. Wenn der Rücken mitmacht.
Vor drei Jahren hat er begonnen, mit Sechstklässlern Fachwerkhäuser zu bauen. Bis auf das Fundament machen die Schüler*innen alles selbst, verlegen Bodendielen, bauen ein Holzgerüst, verputzen Wände. Das war Heckels Idee. Er will, dass seine Schüler*innen verstehen, wozu man Rechnen können muss. Die Lokalzeitung berichtet, die Kids sind stolz.
Heckel ist das, was man einen engagierten Lehrer nennen könnte. In seiner Freizeit klappert er Bauunternehmer ab, damit sie Material für sein Schulprojekt sponsern. Nach dem Unterricht sucht er einen Ausbildungsplatz für zwei afghanische Schüler. Aber er ist auch einer, der seine Vorgesetzten nervt, weil er findet: Für die Verteidigung der Demokratie kann es nur einen Weg geben. Und der hat mit Neutralität nichts zu tun.
Der Schultag, der Heckel bis heute beschäftigt, ist nun ein gutes Jahr her. Im März 2025 war das, eine Woche nach der vorgezogenen Bundestagswahl. Heckel unterrichtete in einer sechsten Klasse, elf und zwölf Jahre sind die Schüler*innen. Am Ende des Unterrichts beim Aufräumen fragen zwei Schüler Heckel, ob er die AfD gewählt habe. So erzählt es Heckel, so geht es auch aus Schriftsätzen des Landesschulamts hervor.
Heckel verneint, die Schüler fragen nach. Auf seinem Laptop zeigt er ihnen mehrere Quellen, darunter den Bericht von Correctiv über das Geheimtreffen von AfD und Rechtsextremen in Potsdam, eine Bundestagsdebatte zu diesem Treffen und eine Grafik zur Steuerpolitik der AfD.
Die AfD hat die Bundestagswahl in Stendal mit großem Abstand gewonnen, gut 37 Prozent der Zweitstimmen bekam sie hier. Ähnlich fielen die Ergebnisse der U-18-Wahl an Heckels Schule aus. Er ahnt also, wie seine Sätze über die AfD bei seinen Schüler*innen und deren Eltern ankommen. „Aber gerade deshalb spreche ich mit ihnen so deutlich“, sagt Heckel. „Ich will, dass sie verstehen, dass die AfD eine Politik macht, die gegen ihre eigenen Interessen geht.“
Rund ein Viertel seiner Schüler*innen habe Migrationshintergrund, sagt Heckel, nicht wenige beziehen Bürgergeld. Viele seien auf unterschiedliche Art beeinträchtigt, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Autismus, ADHS. Heckels Schule bereitet sie auf den Haupt- und Realschulabschluss vor. Wie überall in Sachsen-Anhalt fehlen auch hier Lehrer*innen. Deswegen wurde der Sozialkundeunterricht an seiner Schule gestrichen. Der Unterricht, der für politische Bildung vorgesehen ist.
Heckel beendet seine spontane Erklärung zur AfD mit einem Satz, der die Partei anstacheln wird. Er sagt: Es stehe jedem frei, die AfD zu wählen. Aber wer sie wähle, müsse „sehr reich, frei von Moral oder nicht bei klarem Verstand sein“.
Es ist der erste Fall dieser Art
Heckel ist in Sachsen-Anhalt ein bekannter Mann. Er ist Frontmann der Folkband Nobody Knows, die seit 25 Jahren auf so ziemlich jedem Stadtfest in Sachsen-Anhalt spielt. Seinen Hof im Norden außerhalb von Stendal hat er umgebaut zu einem Veranstaltungsort. Dort organisiert er Kinoabende, Kaffeeklatsch zum Muttertag und Kinderfeste. Selbst der CDU-Bürgermeister sagt, wie froh er ist, dass Heckel sich so für die Gemeinde engagiert.
Seine Bekanntheit nutzt Heckel auch für politische Statements. In der Coronazeit kritisierte er öffentlich, dass Sachsen-Anhalt zum Land der „Schwurbler und Querdenker“ geworden sei. Mit seiner Band näht er in dieser Zeit Masken mit dem Aufdruck „FCK AFD“. Ein- bis zweimal, erzählt er, sei er damals mit einem „FCK AFD“-T-Shirt in der Schule gewesen. Seine Schulleiterin habe ihn gebeten, das zu lassen. Er habe das verstanden, sagt er heute, er wolle seiner Schule ja keinen Ärger machen. Heckel hat zu Ernst Jünger promoviert, einem Wegbereiter des Nationalsozialismus, im Gespräch zitiert er Karl Marx und Kurt Tucholsky. Linksradikal sei er nicht. Seine politische Richtung sei, dass er „Demokratie gut und Rassismus kacke“ finde.
Sein Eindruck ist, dass viele die AfD unterschätzen. Das nervt ihn. Die aktuelle Regierung in Sachsen-Anhalt hält er für „Technokraten“, seine Kirche für zu feige, um sich der AfD entgegenzustellen. Er ist enttäuscht von Kolleg*innen, die ihm nicht den Rücken stärken. Das sagt er ihnen allen auch und macht sich damit nicht nur Freund*innen. Bei seinen Schüler*innen hingegen sei er beliebt, erzählen Heckels Kolleg*innen. Weil er sie ernst nehme und weil sie wissen, dass sie mit ihm politisch diskutieren können.
Vier Wochen nachdem die Schüler Heckel nach seiner Wahlentscheidung befragt haben, erhält er Post vom Schulamt. Er habe gegen die „Neutralitätspflicht“ verstoßen, heißt es da. Heckel habe sich nicht „paritätisch“ mit den verschiedenen Parteien auseinandergesetzt. Heckel habe seine Schüler*innen nicht zur Meinungsbildung befähigt, sondern sie von seiner eigenen überzeugen wollen. Deswegen „wird beabsichtigt, Ihnen eine Abmahnung auszusprechen“.
Diesem Schreiben werden weitere folgen. Das Schulamt wird argumentieren, das Thema AfD sei zu komplex für den Werkunterricht. Heckel hätte die Frage, ob er die AfD gewählt habe, beantworten können, aber nicht weiter ausführen sollen. Es wird auch schreiben, ohne die didaktische Vorbereitung habe Heckel das Thema der „sog. Remigration“ nicht „mit der gebotenen sachlichen Tiefe kontrovers“ diskutieren können. Als sei die in rechten Kreisen beliebte Idee der Massenausweisungen von Menschen mit Migrationsgeschichte ein Thema, das sich mit einem Pro und Contra diskutieren ließe.
Bevor das Landesschulamt die Abmahnung ausspricht, wird Heckel persönlich angehört vom Lehrerbezirkspersonalrat. Das Gremium vertritt Lehrer*innen in personalrechtlichen Angelegenheiten, neunzehn Kollegen sind in ihm vertreten. Nach dem Gespräch mit Heckel empfehlen sie, die Abmahnung nicht auszusprechen. Doch das Schulamt entscheidet anders.
Es ist das erste Mal, dass das Schulamt in Halle einen Lehrer abmahnt, weil er mit einer Aussagen über die AfD gegen das Neutralitätsgebot verstoßen haben soll. Auch im Rest Deutschlands dürfte das bisher kaum vorgekommen sein. Die Bildungsgewerkschaft GEW kennt keinen Fall, antwortet sie der taz auf eine Anfrage, Jurist*innen und Expert*innen für politische Bildung ist ein solches Vorgehen ebenfalls unbekannt.
Auch deswegen, sagt Max Heckel, klagt er gegen die Entscheidung. Er will, dass ein Gericht klärt, wie weit Lehrer*innen gehen dürfen. Seine Klage wird vor dem Arbeitsgericht verhandelt, es wird um einen Verwaltungsakt gehen. Den Kern des Prozesses bildet aber die Frage: Was bedeutet Neutralität angesichts einer Partei, die die liberale Demokratie abschaffen will?
Die AfD hat die Neutralität zum Kampfbegriff gemacht. Sie greift damit Schulen, Schulleiter*innen und Lehrer*innen an, immer mit dem Argument, die AfD müsse wie jede andere Partei behandelt werden, Kritik an ihr gehöre nicht in den Unterricht.
Spricht man mit Lehrer*innen in Sachsen-Anhalt, hört man die Unsicherheit. Ein Schulleiter erzählt, dass er dieses Jahr kein Wahlforum in seiner Schule abhalten möchte. Zu viel Risiko, dass die AfD Stress macht. Auch Politikdidaktiker berichten, dass sich manche Lehrer*innen mittlerweile zurückhalten aus Angst vor Konflikten. Die Einschüchterung der AfD wirkt.
Wie politische Bildung funktioniert, definiert der Beutelsbacher Konsens. Er wurde 1976 von Politikdidaktiker*innen festgeschrieben und enthält drei Grundsätze: Erstens, Schüler*innen dürfen nicht überwältigt werden, also nicht politisch indoktriniert. Zweitens, Positionen, die in Wissenschaft und Politik kontrovers sind, müssen auch im Unterricht als kontrovers debattiert werden. Drittens, Schule soll Schüler*innen in die Lage versetzen, die politische Situation und ihre eigenen Interessen zu analysieren. Von Neutralität steht nichts im Beutelsbacher Konsens.
Die Frage ist: Hat Max Heckel seine Schüler politisch überwältigt?
Das Schulamt Halle möchte das laufende Klageverfahren nicht kommentieren. Auch die Direktorin von Heckels Schule will sich zu dem Fall nicht äußern.
Als die taz den CDU-Bildungsminister Jan Riedel anfragt, meldet der sich direkt zurück. Vom Rücksitz seines Dienstwagens aus ruft er an, zwischen zwei Terminen. Man merkt, dass ihn die Angriffe der AfD auf das Bildungssystem umtreiben. Den Fall Heckel kenne er nicht gut genug, um ihn detailliert zu bewerten, sagt er. Der Rechtsstreit verläuft zwischen dem Lehrer und dem Landesschulamt, der Minister ist nicht involviert. Aber er lässt sich auf ein allgemeines Gespräch über politische Bildung an Schulen ein.
Bis vor einem knappen Jahr war Minister Riedel selbst noch Lehrer, unter anderem für Geschichte. Er hat an Gymnasien unterrichtet und zehn Jahre lang eine Schule in Halle geleitet. Er war Vorsitzender einer Expertenkommission zur Weiterentwicklung des Schulwesens in Sachsen-Anhalt. Im Sommer 2025 wurde er Bildungsminister. Als er im Herbst im Landtag gegenüber Ulrich Siegmund Stellung zum Fall Heckel bezieht, ist er seit vier Monaten im Amt.
Die Pläne der AfD im Bildungswesen hätten ihn entsetzt, sagt Riedel der taz. Im Wahlprogramm der AfD heißt es zum Beispiel, im Geschichtsunterricht solle mehr Deutsches Reich gelehrt werden. Vor der Schule solle die Deutschlandflagge wehen, „Pseudo-Demokratie“ an Schulen abgeschafft werden. „Ich entdecke da Geschichtsrevisionismus und Menschenverachtung“, sagt Jan Riedel. „Das beunruhigt mich zutiefst.“ Er sei sich nicht sicher, ob alle in Sachsen-Anhalt verstanden hätten, was für ein Kulturbruch es wäre, wenn die AfD über die Bildungspolitik bestimmen würde.
Riedels Ministerium hat gerade einen neuen Erlass herausgegeben, der definiert, wie Lehrer den Beutelsbacher Konsens anzuwenden haben. Darin heißt es, die kritische Auseinandersetzung in der Schule mit Rassismus, Diskriminierung und Angriffen auf die demokratische Grundordnung seien die „zentrale Aufgabe vom schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrag“. Der Erlass hält auch fest, dass bei Parteien, die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft seien, „ein besonderer Aufklärungsauftrag“ bestehe. Und dass Schule „über die Instrumentalisierung des Neutralitätsgebots durch antidemokratische Kräfte“ aufklären müsse.
All das, könnte man annehmen, hat Max Heckel in seinem Unterricht getan.
Allerdings schreibt der Erlass auch vor, dass Schule „parteipolitische Neutralität“ zu wahren habe.
Jan Riedel sagt, mit dem Erlass habe sein Ministerium Lehrerkräften und Schulleitungen Sicherheit geben, aber auch Mut machen wollen. „So ein Erlass ist ja auch eine Aufforderung.“ Eine Aufforderung an Lehrkräfte, selbstbewusst für die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten – solange sie sich parteipolitisch nicht festlegen. „Wenn ein Lehrer mit einem Anti-AfD-T-Shirt in die Schule kommt, dann geht mir das auch zu weit“, sagt Minister Riedel, ohne damit Max Heckel konkret meinen zu wollen.
Riedel findet es prinzipiell richtig, dass Verstöße gegen den Beutelsbacher Konsens und gegen das parteipolitische Neutralitätsgebot sanktioniert werden. „Wenn es eine Beschwerde gibt, dann muss eine Verwaltungsbehörde sie prüfen, und zwar unabhängig und nicht überlagert von politischen Interessen.“ Recht und Gesetz müssten für alle gelten.
Man kann auch anders argumentieren. Die AfD in Sachsen-Anhalt ist gesichert rechtsextrem. Sie macht kein Geheimnis daraus, was sie will, wenn sie an die Macht käme. In Umfragen stand sie zuletzt bei 41 Prozent. Gerade deshalb ist es die Aufgabe von Lehrer*innen, vor dieser Partei zu warnen. So sieht das Andreas Petrik.
Er ist Professor für Politikdidaktik an der Uni Halle. Er bildet angehende Politiklehrkräfte aus und kennt den Fall von Max Heckel. Anders als der Bildungsminister meint Petrik konkret diesen Fall, wenn er sagt: „Eine Neutralitätspflicht, so wie das Schulamt sie definiert, gibt es nicht für Lehrer.“ Lehrkräfte seien dem Grundgesetz verpflichtet und damit per se nicht neutral. Es stimme zwar, dass sie vor ihren Schüler*innen nicht Werbung für oder gegen eine Partei machen dürfen. „Aber das hat Max Heckel nicht getan.“ Wenn Schüler*innen ihren Lehrer so spontan ansprechen, wie bei Heckel, dann könne man nicht erwarten, dass der Lehrer den Gesamtüberblick über alle Parteien gebe.
Andreas Petrik steht selbst im Fokus der AfD. Seine Professur und sein Engagement für Schulen ohne Rassismus hat die Partei mehrfach angeprangert. Seinen Studierenden rät er, Gewerkschaftsmitglied zu werden oder eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Wenn die AfD die Macht übernähme, müsse der Rechtsstaat die Lehrkräfte verteidigen.
Petrik will im neuen Semester den Fall von Max Heckel in seine Vorlesung aufnehmen, verbunden mit dem Aufruf „Seid wie Max“. Sachsen-Anhalt brauche solche Lehrer, sagt er.
Man kann darüber streiten, ob das, was Max Heckel gesagt hat, schon ein Aufruf war, die AfD nicht zu wählen, oder nur seine eigene Meinung über eine gesichert rechtsextreme Partei. Ob Heckel zu emotional oder verkürzt formuliert hat. Aber rechtfertigt all das eine Abmahnung?
Eine Abmahnung ist nicht das schärfste Instrument im Arbeitsrecht, aber harmlos ist sie auch nicht. Sie gilt als gelbe Karte – noch ein Verstoß, und der Lehrer kann seinen Job verlieren.
Der Fall von Max Heckel erregt viele in Sachsen-Anhalt. Für einen Sprecher der GEW ist die Abmahnung in keiner Weise nachvollziehbar. Kolleg*innen von Heckel sind entsetzt. Andreas Petrik fürchtet, dass Entscheidungen wie diese seine Lehramtsstudierenden einschüchtern.
Dass das Schulamt Heckel abgemahnt hat, könnte daran liegen, dass es nicht die erste AfD-Beschwerde über ihn war. Im Jahr 2021 hatte die AfD ihn schon einmal angegriffen. Heckel hatte mit seinen Schüler*innen über den Islam gesprochen.
Die AfD warf ihm vor, er „propagiere“, dass der Islam zu Deutschland gehöre und „agitiere“ gegen die AfD. Als Beleg nannte sie die „FCK AFD“-Masken, die seine Band genäht hatte.
Die AfD reichte damals eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein und eine kleine Anfrage im Landtag. Bei Facebook veröffentlichte sie einen Beitrag mit dem Titel: „Genug ist genug. AfD-Fraktion geht gegen linkslastigen Lehrer vor“, dazu ein Foto seiner Schule.
Das Schulamt und der Landtag haben die Beschwerde damals abgewiesen, aber die Folgen für Heckel waren enorm. Er erhielt Drohanrufe, Morddrohungen per Mail und anonym im Netz. Einige kann man dort noch nachlesen.
Im Oktober 2025, ein halbes Jahr nach der umstrittenen Unterrichtsstunde, verhandelte das Arbeitsgericht Magdeburg zum ersten Mal über Heckels Klage gegen die Abmahnung. Das Schulamt hat ihm angeboten, sie nach einem halben Jahr aus seiner Personalakte zu löschen. Heckel aber reicht das nicht. Er will, dass das Schulamt die Abmahnung zurücknimmt.
Im Frühjahr 2026 sitzt Max Heckel auf einer Bank im Klostergarten von Stendal und dreht sich eine Zigarette. Er ist fertig mit dem Betongießen. Wenn der getrocknet ist, kann er mit seinen Schüler*innen weiterarbeiten am Fachwerkhaus.
„Diese Klage kotzt mich wahnsinnig an“, sagt Heckel. „Aber es geht nicht um mich. Ich will, dass festgestellt wird, dass Lehrer solche Sätze nicht nur sagen dürfen, sondern sagen müssen.“ Wenn er in der ersten Instanz verliert, sagt er, geht er in die nächste.
Für die Hauptverhandlung hat das Gericht einen Termin im November angesetzt, nach der Landtagswahl. Vielleicht stellt die AfD dann den Kulturminister.
Heckel hat eigentlich immer eine Antwort parat. Wenn man ihn fragt, wie er auf die Wahl blickt, zögert er aber. „Wenn ich ehrlich wäre, müsste ich schon sagen, dass ich Angst habe. Es wäre doch verrückt, keine zu haben.“ Aber, schiebt er schnell hinterher, es wäre auch verrückt, sich diese Angst ständig vor Augen zu führen.
Also macht Max Heckel das nicht. Und baut weiter an einem Fachwerkhaus in Sachsen-Anhalt.
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