EU-Kommission stellt Bahnstrategie vor: „Eine Reise, eine Fahrkarte, volle Rechte“
Brüssel will das Bahnfahren über Ländergrenzen hinweg einfacher machen. Der Plan hat viele Fans, aber ausgerechnet die Branche ist skeptisch.
Die EU will Bahnreisen in Europa vereinfachen. Künftig soll ein einziges Ticket reichen, um von einem EU-Land in ein anderes zu kommen. Außerdem sollen die Rechte der Bahnreisenden gestärkt werden. Dies hat die EU-Kommission in Brüssel angekündigt.
Bisher sind bei Bahnreisen ins europäische Ausland meist mehrere Fahrkarten nötig, die auf verschiedenen Portalen und Apps gekauft werden müssen. Länderübergreifende Preisvergleiche sind kompliziert, die Transparenz ist gering, und bei Verspätungen – wie sie vor allem in Deutschland immer wieder auftreten – ist die Haftung unklar.
All das soll sich ändern, verspricht EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas. Künftig gelte: „One journey, one ticket, full rights“ – eine Reise, eine Fahrkarte, volle Rechte. Wenn sein „Bahnreisen-Paket“ umgesetzt wird, könnten die Preise um fünf Prozent sinken, so Tzitzikostas. Zudem würden mehr Menschen mit dem Zug fahren.
Allerdings müssen sich die 27 EU-Staaten und das Europaparlament erst noch auf die Reform einigen. Danach dürfte es noch einmal ein bis zwei Jahre dauern, bis sie in Kraft tritt. Im kommenden Sommerurlaub wird es also nichts mehr, im nächsten wohl auch noch nicht.
Skepsis in der Bahnbranche
Die größte Hürde liegt ausgerechnet bei den Bahngesellschaften. Sie müssten ihre Reservierungssysteme öffnen, die Kundendaten weitergeben und die Preisgestaltung transparenter machen. „Es gibt keinen anderen Fall, in dem jemand verpflichtet wird, das Produkt der Konkurrenz zu verkaufen“, kritisierte der Chef des Verbands europäischer Bahnbetreiber, Albert Mazzola, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Die Deutsche Bahn begrüßte den Vorstoß aus Brüssel „im Grundsatz“. Allerdings müssten „faire Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsträger“ gelten. Die Bahn hat schon selbst in ein internationales Buchungssystem investiert, das den grenzüberschreitenden Fahrkartenkauf leichter machen soll. Bestehende Systeme müssten „angemessen berücksichtigt“ werden, heißt es.
Es gilt aber auch, alternative Routen zu berücksichtigen. So ist eine Bahnfahrt von Brüssel zum Europaparlament in Straßburg schneller mit der französischen SNCF als mit der Deutschen Bahn. Die beiden Staatsunternehmen machen sich Konkurrenz und dürften daher versuchen, bei den anstehenden Verhandlungen ihre Regierungen einzuspannen.
Das Europaparlament hat die Vorschläge der EU-Kommission begrüßt. „Mit der Bahn zu reisen, sollte genauso einfach sein, wie einen Flug zu buchen“, forderte die Grünen-Abgeordnete Lena Schilling.
„Wichtig ist, dass der Vorschlag der Kommission auch ländliche Räume miteinbezieht“, sagte der CSU-Parlamentarier Markus Ferber. Verbindungen von Berlin nach Paris seien prima, die Mehrheit der Europäer lebe aber fernab der Großstädte. Die EU-Kommission will daher auch den Busverkehr in die geplante Neuregelung einbinden.
Der europäische Verbraucherverband Beuc sprach sich für eine zügige Umsetzung aus. „Dieser Vorschlag kann dazu führen, dass sich die Verbraucher wieder ins Bahnfahren verlieben“, so Beuc-Direktor Agustín Reyna.
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