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EEG und Katherina Reiche Ein Zeitdruck ohne Not

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Es ist unklar, warum die Wirtschaftsministerin beim EEG-Folgegesetz Zeitknappheit erzeugt. Der Schaden ist jetzt schon groß.

N un passiert genau das, wovor die Energiebranche und die Verbände der Erneuerbaren schon seit Langem warnen: Es ist ein extremer Zeitdruck entstanden, um die Finanzierungsgrundlage für neue Wind- und Solaranlagen zu erhalten. Ursprünglich sollte der Bundestag das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an diesem Freitag verabschieden.

Aber Union und SPD stecken in den Verhandlungen über das komplexe Regelwerk und das Schwestergesetz für den weiteren Netzausbau fest. Die Zeit drängt, denn das Gesetz muss von der EU-Kommission bis zum Jahresende genehmigt werden. Geschieht das nicht, droht ein großflächiger Finanzierungsstopp für neue Erneuerbaren-Projekte.

Die Ver­hand­le­r:in­nen trifft keine Schuld an der Verzögerung. Es ist richtig, dass sie sich ausreichend Zeit nehmen für die komplizierte Materie mit ihren unzähligen Wechselwirkungen. Schließlich geht es um nicht weniger als die Zukunft der deutschen Energiewende. Und damit um die Frage, ob Ver­brau­che­r:in­nen und Wirtschaft in Zukunft bezahlbaren Strom bekommen – und ob die Klimaziele erreichbar sind.

Verantwortlich für den Zeitdruck ist Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Sie weiß seit ihrem Amtsantritt, dass das bisherige EEG ausläuft und ein neues Gesetz nötig ist, legte aber erst in diesem Sommer einen Entwurf vor. Ohne Not hat sie ihn mit einem weiteren hochumstrittenen Vorhaben verknüpft, dem Netzanschlusspaket. So will sie Verhandlungsmasse schaffen, um ihre energiewendefeindlichen Vorhaben durchzusetzen, etwa das Ende der Förderung von Dach-Solaranlagen oder schlechtere Finanzierungsbedingungen für Windräder.

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Der entstandene Zeitdruck kommt Reiche entgegen. Vielleicht steckt dahinter Kalkül, weil die Ministerin glaubt, so leichteres Spiel mit ihren Wi­der­sa­che­r:in­nen zu haben. Denn die An­hän­ge­r:in­nen der Energiewende sind erpressbar: Sperren sie sich gegen Reiches Verschlechterungen, kann die Ministerin ihnen die Schuld zuschieben, wenn das EEG nicht früh genug den Bundestag passiert, damit das EU-Genehmigungsverfahren anläuft. Deshalb wäre es richtig – wie jetzt gefordert wird –, die EU-relevanten Teile abzukoppeln und über den Rest in Ruhe zu beraten.

Es ist Handwerk

Vielleicht hat die Ministerin die Sache aber auch nicht mit Absicht verschleppt, sondern hat es nicht eher geschafft. Nur: Es gehört zum politischen Handwerk von Minister:innen, kompromissfähige Gesetzentwürfe rechtzeitig vorzulegen. Dieses Handwerk beherrscht Reiche nicht. Etliche Unternehmen aus der Energiebranche sind wegen der Verzögerungen in der Bredouille. Schon jetzt ist der Schaden groß, weil In­ves­to­r:in­nen und Firmen nicht wissen, wie es ab dem 1. Januar weitergeht, und Projekte nicht anpacken. Dabei geht es um die mittelständische Wirtschaft, die Kernklientel der Union.

Besser kann Reiche der Welt kaum zeigen, dass sie die Falsche für den wichtigen Job der Wirtschaftsministerin ist.

Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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8 Kommentare

  • sollndas

    Wo ist die Nachricht? Dass Frau Reiche angeblich alles vermasselt, was mit erneuerbaren Energien zu tun hat, ist dem erfahrenen taz-Leser doch sowieso schon klar.

    • Perkele

      @sollndas:

      Dieses Thema gehört in die Schlagzeilen aller Medien, so oft wie irgend möglich. Das Handeln dieser Lobbyprinzesssin ist inzwischen nicht mehr nur ein Skandal, das ist schon kriminell, unehrlich und ganz und gar nicht christlich. Wir sollten gegen solch üble Machenschaften auf die Straße gehen.

      • sollndas

        @Perkele:

        Klar, auf die Straße gehen, und schon sind die 600 Milliarden für den Netzausbau da. Siehe Die Zeit vom 15.10.26, Seite 24:



        "Gleichzeitig treibt der Netzausbau schon jetzt die Kosten für die Energiewende in die Höhe. In den kommenden Jahren summieren sich die Ausgaben für den Ausbau auf voraussichtlich 600 Milliarden Euro - finanziert durch Steuerzahler und Stromkunden."



        Wenn Sie einen weniger verschwenderischen Umgang mit dem Geld von Stromkunden und Steuerzahlern als "kriminell" bezeichnen wollen, so dürfte das tun; das dürfte sich noch im Rahmen einer freien Meinungsäußerung bewegen.

  • Perkele

    Diese Dame ist böse. Sie handelt in vollem Bewusstsein, der Republik und den Menschen hier großen Schaden zuzufügen. Und sie ignoriert die Abhängigkeit von unzurechnungfähigen Herrschern wie Putin oder Trump. Sie folgt ausschließlich den Aufträgen der Fossil-Lobby. Die Interessen der hier lebenden Menschen spielen für sie überhaupt keine Rolle.

  • Christine_Winterabend

    Zum Thema Reiche gibt es längst genug Fragen und auch genug Antworten. Wenn das hier noch eine demokratische Gesellschaft ist, sind wir als Wähler ihr Arbeitgeber. Sie handelt ganz offensichtlich gegen unsere Interessen und die unserer Kinder, verhält sich ganz offensichtlich illoyal, schadet der Wirtschaft, gefährdet die Umwelt und gibt unsere Steuergelder außerhalb unserer Strukturen und nicht in unserem Sinne und aus. Wenn ich da einen gewissen Vorfall mit einem Pfandbon denke, wird mir bei dem Vergleich übel. Der Schaden ist längst groß genug, also höchste Zeit für den blauen Brief.

  • nutzer

    "Es ist unklar, warum die Wirtschaftsministerin beim EEG-Folgegesetz Zeitknappheit erzeugt."

    "Die Zeit drängt, denn das Gesetz muss von der EU-Kommission bis zum Jahresende genehmigt werden. Geschieht das nicht, droht ein großflächiger Finanzierungsstopp für neue Erneuerbaren-Projekte."

    "Verantwortlich für den Zeitdruck ist Wirtschaftsministerin Katherina Reiche."

    dass Reiche dies aus "unfähigkeit getan hat, wie hier im Artikel angedacht, ist bestenfalls eine wohlwollende Interpretation...

  • Frank Költerhoff

    Katharina Reiche ist eine absolute Fehlbesetzung. Schon als Staatssekretärin unter Altmaier hat sie ihr Unwesen getrieben und ist danach gleich in die Energiewirtschaft gewechselt. Dann gleich vom Führungsposten von Westenergie, einer Tochtergesellschaft von Eon, auf den Posten der Bundeswirtschaftsministerin. Jetzt läßt sie sich die Bedingungen von der fossilen Energiewirtschaft diktieren und erzählt unwahre Geschichten, ob bewußt als Lüge oder aus reiner Unwissenheit? zB. das die Kosten der Redispatch Maßnahmen ca 3 Milliarden Euro jährlich betragen würden, dabei fallen dafür grad mal 400 bis 500 Millionen an, der Großteil von ca 2,5 Milliarden geht für das Hochlaufen der Gaskraftwerke im Süden der Republik (Söder läßt grüßen) drauf, da unter Seehofer die 'Monstertrassen' verhindert wurden. Schon jetzt drohen Insolvenzen bei Firmen der Erneuerbaren Energien. Ist das Dummheit oder Korruption? Ich hoffe, daß sie dafür, selbstverständlich im Rahmen einer Rechtsprechung, zur Rechenschaft gezogen wird,

  • Sandro Heitz

    Es bleibt nur eine Schlussfolgerung, wenn man sich Frau Reiches Handeln betrachtet: sie ist eine Leugnerin des Klimawandels und versucht fossile Brennstoffe im Energiemix so umzusetzen, dass nachfolgende Regierungen keine oder nur extrem teure Ausstiegsmöglichkeiten haben.