Die liebe Verwandschaft: Herzliche Grüße zum Opferfest
Zum muslimischen Opferfest wird Osman so mit Grüßen überschüttet, dass er gar nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht.
M erhaba, mein lieber Neffe Osman. Hier ist dein Onkel Ömer. Wie geht es euch? Osman, morgen beginnt endlich das Opferfest. Übrigens, wie hoch war die Geldstrafe letztes Jahr, weil das Gesundheitsamt dich beim Hammelschlachten auf dem Balkon erwischt hat? Warte mal, deine Tante Ülkü singt in der Küche laut vor sich hin und bittet mich ständig, euch ganz liebe Grüße zu übermitteln. Hast du gehört: Tante Ülkü sendet euch recht herzliche Grüße.
Ich weiß, ich weiß, du willst sie sicherlich zurückgrüßen, aber vorher, bevor ich es – Gott behüte – vergesse, muss ich dir sagen, dass deine beiden anderen Tanten, Vielfraß-Güllü und Vieltratsch-Zilli, dich und deine Familie ebenfalls ganz herzlich grüßen. Ihre Männer, der Steinkopf-Nurettin und der Plattfuß-Tacettin, haben auch dicke Grüße für euch bestellt.
Auch eure Cousins, der Macho-Nurullah und der Hasenfuß-Abdullah, grüßen euch. Die Kinder von Macho-Nurullah, Stur-Nebati, Faul-Zekai und Luder-Rubayi, küssen euch respektvoll die Hände. Von Hasenfuß-Abdullahs Kindern Dünn-Rukiye, Zwerg-Ulviye und Tölpel-Şaziye soll ich euch tausend Grüße und Küsse senden.
Deine Schwäger Nichtsnutz-Ali, Langschläfer-Veli und der Drückeberger-Nuri wünschen euch ebenfalls alles Gute. Ach ja, ich darf es auf keinen Fall vergessen: Unser lieber Dorfvorsteher Süßholzraspler-Hüsnü und seine Frau Alleswisserin-Zühtü haben euch auch ganz besondere Grüße bestellt.
Eine besondere Portion Küsschen
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Osman, du weißt doch sicher, warum Zühtü, die dritte Ehefrau unseres Dorfvorstehers Hüsnü, einen männlichen Vornamen trägt, nicht wahr? Vielleicht weißt du es doch nicht. Nun, ich weiß es eigentlich auch nicht so genau. Aber deine Tante sagt, weil Zühtü die zwölfte Tochter war und ihre Eltern sich eigentlich endlich einen Jungen gewünscht hätten.
Ach ja, fast hätte ich's vergessen: Unsere Nachbarn, der Hirte-Kemal und Baum-Cemal, senden ebenfalls die allerbesten Wünsche nach Alamanya. Von Hirte-Kemals Frau Tausendfüßler-Zeliha soll ich deiner Frau Eminanim auf beiden Wangen mit viel Spucke eine besondere Portion Küsschen verschicken – natürlich auch von deinem guten Freund Mahmut …
Äh, du fragst dich sicher, von welchem Mahmut, nicht wahr? Du hast recht. Wir haben ja drei Mahmuts im Dorf: Politiker-Mahmut, Truthahn-Mahmut und Klappmesser-Mahmut. Ich meine den Truthahn-Mahmut, von dem soll ich dich herzlich grüßen. Der Politiker-Mahmut und der Klappmesser-Mahmut sind vor drei Tagen böse aneinander geraten … genauer gesagt, der Klappmesser hat dem Politiker mit einem Klappmesser … Klack …“ – Die Verbindung ist weg.
„Osman, was war das denn für ein merkwürdiges Gespräch? Du konntest ja nicht mal ein einziges Wort sagen. War das wieder so ein unverschämter Werbeanruf?“, fragt meine Frau neugierig.
„Nein, nein, das war mein Onkel Ömer. Entweder sein Akku hat schlapp gemacht oder seine Stimme oder seine Lungen. Vermutlich wollte er uns ein frohes Opferfest wünschen, ist aber unter der immensen Gruß-Last selbst zum Opfer geworden.“
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