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Die WahrheitSplitternackte Winterjacke

Wenn sich die Eiweiße im eigenen Gehirn ob der HITZE allmählich aufzulösen beginnen, dann beginnt sie erst richtig – die glorreiche Schreibzeit.

I ch bin nicht lernfähig und ein großer Freund noch größerer Hitze, also richtiger Hitze, bis zu dem Moment, wenn die HITZE sich dann tatsächlich einstellt. Wenn im Winter der Schneeregen um die Ecken pfeift und ich darüber nachdenke, warum Kälte eigentlich klirrt, kann ich mir nichts Schöneres vorstellen als Sonne, Sonne, Sonne. Warum nur ist es nicht möglich, Erinnerungen an das Frieren quasi im Tiefkühlfach des Herzens aufzubewahren, um sie im Sommer wieder herauszuholen? Umgekehrt wäre es nur fair, wenn sich der Eindruck maximaler HITZE irgendwie aufbewahren und sozusagen als Joker zum Einsatz bringen ließe, wenn ich mich im Januar auf irgendeinem Bahnsteig mal wieder in Jack Nicholson am Ende von „Shining“ zu verwandeln drohe.

Die Schwelle zwischen „schön warm“ und „viel zu heiß“ ist immer dann überschritten, wenn Cabriofahrer mit geschlossenem Verdeck durch die Gegend fahren, weil sie andernfalls in ihren Fahrzeugen gegrillt würden wie ein mit Kräuterbutter bestrichener Maiskolben. Auf dem Fahrrad oder Motorrad ist es immerhin möglich, sich vor Antritt der Fahrt bei saharischer Witterung eine Flasche mit Wasser über den Oberkörper zu schütten. Problematisch wird’s in der Mikrowelle einer Wohnung mit Südlage und geteertem Flachdach. Was tun? Leiden. Und eine Reihe pfiffiger Tricks zu Anwendung bringen, die natürlich alle nichts bringen.

So ziehe ich mir bisweilen meine gefütterte Winterjacke an und gucke „Lawrence von Arabien“ mit Peter O'Toole, während ich mehrere Tüten gesalzener Kartoffelchips verspeise. Das Gefühl, gleich im Anschluss splitternackt „In eisigen Höhen“ von Jon Krakauer zu lesen und dabei mehrere Tüten mit Eisbonbons zu futtern, ist einfach herrlich. Auch querlüfte ich die Wohnung nachts, wenn kein Windhauch geht, und halte tagsüber die Fenster geschlossen, was zwar Unterschied macht, mich aber dem Wahnsinn ein wenig näher bringt.

Wie ein Zombie auf Fentanyl

Bei Hitze kann ich gut arbeiten. Bei HITZE hingegen taumele ich wie ein Zombie auf Fentanyl von Zimmer zu Zimmer und spüre, wie sich die Eiweiße in meinem Gehirn allmählich aufzulösen beginnen. Dann verblöde ich langsam und bin zu keinem vernünftigen Gedanken, geschweige denn zum Schreiben eines kohärenten Textes mehr in der Lage – was aufmerksame Leserinnen oder Leser vorliegender Kolumne längst bemerkt haben dürften.

Leider hat Deutschland sich kulturell noch nicht mit dem Prinzip der „Klimaanlage“ angefreundet. Hier wird es Zeit, flächendeckend nachzurüsten. Zwar ist diese Kühltechnik nicht gerade ein Segen fürs Klima. Aber offenbar hat es das Klima nicht anders gewollt und soll dann halt mal sehen, wo es bleibt.

Nächste Woche ist Linderung in Sicht, da gehts endlich in den Urlaub. Gebucht habe ich im Frühjahr bei Nieselregen und Nachtfrost, fahre also wieder nicht auf die Färöer oder nach Grönland, sondern mit dem Motorrad durch Marokko. Hatte ich erwähnt, dass ich nicht lernfähig bin?

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Arno Frank Inlandskorrespondent

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5 Kommentare

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  • Mein Chef hat mir wegen der großen Hitze Homeoffice verordnet - er habe wegen meines fortgeschrittenen Alters eine besondere Verantwortung! Jetzt sitze ich hier in meinem unfreiwilligen Exil und traktiere ihn alle halbe Stunde mit neuen Erkenntnissen. Das hat er nun davon! Aber ich kann nicht anders: Die Hitze beflügelt mein Gehirn unglaublich - wahrscheinlich ist das eine Art Todeskampf, bevor, wie oben beschrieben, die Eiweiße endgültig schmelzen.

  • Die Lernfähigkeit stellt sich spätestens in Algeciras auf dem Rückweg ein...



    Gute Reise - und gehabt zu haben

  • Mit der Guzzi durch Marokko - ach du Otto!



    Das is ja zum Einschwingen schonn Stück drin



    Oder öde schnöde mit dem Zug 🚂 - bis hin.



    1973 - Putscht: 6 Wochen bis M‘amid gerutscht



    Da hatte es so satte haad - an die 54 Grad.



    Die blauen Wasser von Meski liefen da noch:



    Heut nur noch ein schnöder Fels mit Loch.



    Mersuga-Düne - rosa Bühne.

    🌊🌊🌊🌊& Casablanca milde -



    35 Grad Platz der Gehenkten (mit 🩸!!)



    & dann siehste



    40 ++ da simmer in der Wiste! 🙀🥵

    (lernfähig - weiße Klamotten - kl Tipp;)

    • @Lowandorder:

      Vielleicht auch mal drüber nachdenken warum die Einheimischen in wirklich heissen Gegenden, wie hier in Tunesien, innerorts fast durchweg ohne Helm und Leder unterwegs sind...



      Und weil wir gerade dabei sind spezielle Tunesien-Warnung an alle Biketouristen:

      Der Asphalt im gesamten Land ist spiegelglatt! Bitte sofort nach der Fähre in La Goulette VORSICHTIG ausprobieren, Grip auf trockener Strasse hier ist vergleichbar mit DE im Regen. Warum? Keine Ahnung (Rohmaterialien im Strassenbau, Hitze, Sonneneinstrahlung etc).

    • @Lowandorder:

      Sorry - ich vergaß - Wüste/Sand



      Niederdruck & am Draht - warme Hand!



      Dann wird sich‘s gau zeigen:



      Immer hübsch senkrecht bleiben.



      & btw in M‘amid mal schaun



      Lecker kochend heißer Pfefferminztee



      Bei den Tuareg-Fraun! & schee -



      Währung die Söhne des Windes



      Durch die Wüste 🏜️ ziehn 🦋



      (Schade - der Stunt-Fahrer aus was her -



      “ Lohn der Angst“ wohl nicht mehr.- im Souk -



      Mauretanischer Silberschmuck!;) 🙀