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Die WahrheitKantz for Kanzler

Im Café Gum starren alle aufs Handy. Wenn Boomer so lange aufs Handy starren, muss etwas Besonderes sein. Und ja, es ist wohl auch so.

R aimund hielt sich Theos Handy dicht vor die Nase. „Du hast recht, Mann: Das ist Kantz“, sagte er. „Er ist halt auch dreißig Jahre älter geworden“, sagte Luis. „Und dann dieser wahnsinnige Rauschebart. Früher hatte er den nicht“, sagte Theo, und Petris, Wirt des Café Gum, passte wieder einmal genau den richtigen Augenblick ab, um uns eine neue Runde auf die Theke zu stellen.

„Die Spatzen, die auf ihm herumhüpfen, sind lustig“, sagte Raimund. „In den Kommentaren steht, sie hätten tief in dem Bart schon Nester gebaut“, grinste Theo: „Irgendwer hat den Hashtag ‚KantzTheFranz‘ eingerichtet.“ – „‚The Franz‘?“ – „Von Assisi.“ – „Ah, wegen der Vögelchen“, sagte Raimund. „Aber hat Franz von Asissi auch auf einer zwei Meter hohen Säule im Vorgarten seines Hauses gesessen?“ Er blickte erst Theo an, dann Luis, doch beide zuckten die Schultern und Theo meinte, sein Wissen über das Leben der Heiligen sei leider ziemlich rudimentär.

Wir schauten wieder aufs Display. „Der Rauschebart passt jedenfalls perfekt zu einem Religionsstifter“, sagte Raimund. Immer wieder wurde das Bild der Livecam von eingeblendeten Tafeln unterbrochen, auf denen seltsame Gebote standen. „‚Bleibet auf den markierten Wegen und springet nicht vom Beckenrand!‘“, las Raimund rätselnd vor: „‚Haltet die Bälle flach und bildet euch keine Schwachheiten ein!‘“ – „Zumindest ist das alles so nebulös, dass es Generationen von Exegeten beschäftigen könnte“, sagte Luis, und auch Theo nickte entschieden.

„Kuckt euch das an!“, sagte Raimund. Er wies auf die Zahl der Follower, die unter dem Livebild angezeigt wurde und inzwischen auf über hundert angewachsen war. „Stark“, sagte Theo sarkastisch und pfiff durch die Zähne. „Er hat ja schon immer davon geträumt, Anführer einer Massenbewegung zu sein.“

Aktion Freie Liebe

Er erinnerte an das Fiasko, das Kantz in den 1980ern mit seiner „Aktion Freie Liebe“ erlebt hatte, bei der nur zehn oder zwölf frustrierte Männer mitmachen wollten, aber keine Frauen, oder die idiotische Idee, unter dem Schlachtruf „Wecke das Tier in dir!“ um die Jahrtausendwende als Motivationscoach in die Welt hinauszuziehen und Jünger um sich zu sammeln. Wir hatten nie mehr von ihm gehört, aber Erfolg hatte er damit wohl nicht.

Ein Donnern zog unsere Aufmerksamkeit zurück zu Theos Handy. „Was macht ein Säulenheiliger bei Gewitter?“, fragte Raimund belustigt. „Standhalten!“, sagte Theo markig. Jäh fing der Regen an zu prasseln, Kantz riss die Augen erschrocken weit auf, und während die Säule im Wind hin und her schwankte und alle darauf warteten, dass sie krachend umfiel und der Säulenheilige zu Boden segelte, begann die Zahl der Follower in rasendem Tempo zu wachsen und der Hashtag „KantzForBundesfranzler“ wurde so beliebt, dass Kantz sich ernsthafte Chancen ausrechnen könnte, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre.

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Joachim Schulz

Joachim Schulz

Joachim Schulz wurde 1963 an der Nordseeküste geboren und in Regen, Wind und Nebel großgezogen. Er lebt mittlerweile in einer kleinen Welt in der hessischen Provinz, wo unablässig die großen Fragen des Lebens erörtert werden, und ist seit 1996 im Einsatz für Die Wahrheit.
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3 Kommentare

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  • Für Erfolg zu jung...

  • Hierzu noch ein hübscher



    "FAST-WAHRHEIT-Artikel":



    taz.de/Rentenreform/!6178483/

  • Getzt - Von meinem hohen Pidestal -



    Schlag ich nach beim heilige Symeon Stylites der Ältere (ca. 389–459 n. Chr.) - bling bling -



    & Aussem Jottes sei Homeoffice am Rhing 🙀



    Segne ich den Styliten doch locker gerne mal!



    Ja.„KantzForBundesfranzler“ tut echt frommen!



    Schlimmer als derzeit: “BundesBrilonKranzler“ -



    Kanns nun wahrlich - in echt nicht kommen •