Die Wahrheit: Der Thekenroboter
Schreck in der Stammkneipe: Eine autonome Maschine soll die bewährten Trinkkräfte und Dauergäste ersetzen.
R aimund blieb stehen und drehte sich um, als er das Café Gum betrat. „Komm, die tun nix, das sind meine Freunde“, sagte er, und schon surrte ein kleines Gerät an ihm vorbei, das aussah wie ein Mini-Raumschiff auf Rädern.
„Was ist das denn?“, murrte Theo. „Bist du jetzt schon so alt und vertrottelt, dass du dir an der Haustür irgendeinen Scheiß andrehen lässt? Was willst du mit einem Wischroboter?“ Raimund zog eine Grimasse. „Ich hab mir gar nix andrehen lassen, du Heini, und ob es ein Wischroboter ist, weiß ich nicht. Das Teil folgt mir, seitdem ich den Goetheplatz überquert hab.“
„Drollig“, fand Luis, während der Roboter zur Yuccapalme hinüberfuhr und an ihr zu schnuppern schien, was wiederum Petris, Wirt des Café Gum, verdächtig fand. „Wenn er gleich das Bein hebt“, knurrte er, „fliegt er raus!“
Theo ging zum Fenster und schaute argwöhnisch zum Himmel. „Was, wenn der Bursche zu einer Killermaschinerie gehört? Wahrscheinlich hat auch der Ajatollah Dingsbums Besuch von so einem putzigen Sumseding gehabt, bevor ihm ein Marschflugkörper den Schädel spaltete.“ – „Du spinnst doch!“, sagte Luis, und Raimund meinte: „Lass ihn, er hat nur Angst, dass wir ihn durch so einen freundlichen R2D2 ersetzen, weil wir seine ewig schlechte Laune satthaben.“
Tausende Witze
„Hä?!“, fauchte Theo. „Was redest du für einen Scheiß?“ – „‚R2Bud – Ihr neuer Freund an der Theke‘“, zitierte Luis einen imaginären Werbeslogan: „,Verträgt bis zu fünf Liter Bier, hört ihnen stundenlang zu, kann über 4.000 Witze erzählen!'“
„Ihr habt sie doch nicht mehr alle. Wir sind seit 40 Jahren befreundet, uns verbinden tausende von Erlebnissen: Die Hausbesetzung in der Agnesstraße, der Volkszählungsboykott, die elende Pandemie, als das Gum wochenlang geschlossen war und wir uns auf ‚Teams‘ treffen mussten, um Thekenfeeling zu imitieren. Das kann man doch nicht einfach durch so einen seelenlosen Roboter ersetzen!“
„Phh“, machte Raimund: „Lebensgeschichten kann man programmieren. Mit einem Mausklick ist R2 einer von uns!“ – „Ihr seid doch irre! Vielleicht wird es wirklich von Trump oder Putin gesteuert. Oder Wolfram Weimer hört mit, und zwei Tage später werdet ihr expatriiert und nach Albanien abgeschoben. Ich … Ey, was ist denn da los?!“
Er blickte an sich hinunter. Der Roboter war unbemerkt herübergefahren und machte sich an einem Bein von Theos Barhocker zu schaffen. „Was macht er denn?“ – „Er sägt“, sagte Luis. „Hört man doch.“ – „Na bitte, da seht ihr’s! Trump oder Putin oder Weimer – einer von diesen Schurken will mich …“
Doch bevor er ausreden konnte, hatte Petris sich den Baseballschläger geschnappt, den er für eventuelle Nazibesuche unter der Spüle verwahrte, setzte mit einem Sprung über die Theke und erledigte den R2 mit einem trockenen Schlag. Denn wenn irgendwer das Mobiliar seiner Kneipe beschädigte, kannte er kein Pardon.
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