Die Wahrheit: Drei auf einen Schtreich
Schurken, die die Welt beherrschen wollen – heute: Carsten „Schnieko“ Schnieder, Patrick „Schnucki“ Schneider und Gordon „Gorgon“ Schnieder.
Im Sagenkreis des Deutschtums werde dereinst ein großes Durcheinander entstehen zwischen Kyffhäuser und Kaufhäuser, behauptete vor hundert Jahren Karl Kraus. Heute bewahrheitet sich seine Prophezeiung auf besondere Weise: Im Dunstkreis deutscher Politik entsteht gerade ein großes Durcheinander zwischen Carsten Schneider, Patrick Schnieder und Gordon Schnieder. Bundesumweltminister der Erste, Bundesverkehrsminister der eine der beiden anderen und bald rheinland-pfälzischer Ministerpräsident der andere der zwei von den dreien. So weit, so einfach!
Doch schon ein Blick auf die Biografien sorgt für Verunsicherung. Unzweifelhaft ist, dass alle drei nun mal geboren wurden. Bald danach haben wir Carsten Schneider aus Erfurt, der von 1982 bis 1984 die Grundschule in Birresborn besuchte und – halt, Birresborn liegt im Landkreis Vulkaneifel. Dort, wo die beiden Schnieders Stück für Stück geboren wurden, aber außer in Birresborn auch in Klettbach. Quatsch, Kyllburg. Schneider war es, er besuchte die Dorfschule Klettbach in Thüringen! Danach machte er in Erfurt Abitur und wurde Bankkaufmann, der in Nordkirchen an der Hochschule für Finanzen Steuerrecht und Finanzwirtschaft studierte.
Moment! Nordkirchen liegt doch in Nordrhein-Westfalen? Stimmt, es war Gordon Schneider, korrigiere: Schnieder, der dort nach dem Zivildienst, stop! Das mit dem Zivildienst war nun wieder Schneider, Jugendherberge Erfurt. Schnieder dagegen leistete Wehrdienst in Gerolstein und wurde – nein! Das war jetzt der andere Schnieder, der mit Patrick vorne. Gordon Schnieder ist der mit Daun, Heinrich-Hertz-Kaserne. Wofür der Hertz heutzutage seinen guten Namen hergeben muss! Aber egal.
Brüder im Geiste
Also: Gordon holte sich dann ein Finanzwirts-Diplom ab, sein Bruder ist der mit dem Studium „Public Policy“ in Erfurt. Erfurt, genau, das war nämlich Schneider, nicht der andere Schnieder. Der, also Schnieder, Patrick, studierte stattdessen Jura und ging ebenfalls in die öffentliche Polizei, Partei, nein, Politik, also in den Bundestag und dann aber gleich Minister.
Das heißt, zuerst nahm er es mit Recht und Gesetz schon etwas genauer und war Anwalt, während sein Bruder Patrick, Moment, das ist er selber, während Gordon erst im Finanzamt Köln-Altstadt einsaß und bald in die Verwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm in Nordrhein-Rheinland, Quatsch, Nordpfalz-Rheinraus, jetzt aber: Rheinland-Pfalz dahin ging, wo er herkam.
Um nun keine Verwirrung aufkommen zu lassen und straff die Tatsachen sprechen zu lassen: Alle drei gingen in die Politik, wie für den einen schon skizziert und zu seinem Ende geführt, und zwar zweimal CDU und einmal SPD. Schneider wollte nie etwas anderes sehen als die Politik und kümmert sich nun besonders um den vierspurigen Ausbau der A60 bis Bitburg, weil er als Verkehrsminister – stopp, das ist Patrick Schnieder. Sein Aufgabenfeld, das versteht sich wegen Straßenbau (Benzin!) und Schienenverkehr (Strom!), den Hauptverschmutzern der Welt, umfasst logisch Umwelt und Klima. Die Rede ist deshalb natürlich von Carsten Schneider! Also bitte aufpassen und mitdenken, nicht alles dem Autor überlassen.
Bleiben wir also bei Carsten Schnieder, genauer gesagt, gehen wir zu Gordon Schnieder, der wie sein Bruder einer der beiden CDU-Mitglieder in Rheinland-Pfalz ist, wie oben bereits angekratzt. Der hat Kommunalpolitik als Mitglied im Kreistag Bitburg-Prüm eingeübt, wurde dann wie er Generalsekretär seiner Partei im oben bezifferten Bundesland und war auch schön Bürgermeister im bereits präsentierten Birresborn beziehungsweise Ortsbürgermeister der Eifelgemeinde Arzfeld, teils der eine, der andere das andere. So.
Brüder mit Bohnen
Genau genommen natürlich umgekehrt, jener dort Ortsbürgermeister und dieser hier Bürgermeister, aber beide Fraktionvorsitzende beziehungsweise noch richtiger Fraktionsvorsitzender, der eine erbte das vom andern, bevor er als Vater dreier Kinder – beide Töchter echte „Puffbohnen“, sagt Papa Schniedel, also Schneidel, Herrgott, Carsten Schneider selbstverständlich – bevor er als haushaltspolitischer Sprecher im Thüringer Landesvorstand Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag und damit zum Ritter des Ritterordens vom heiligen Grab der SPD zu Mainz, nein, zu Berlin, Unsinn, zu Jerusalem … und zum Staatsminister für Ostdeutschland …?
Stop! Augenblick. Da ist was verrutscht! Das kommt davon, wenn man beim Schreiben immer an den Leser denkt statt an den Text. Und diese wie Uhu zusammenklebenden Funktionsträger und Variablen dann nicht auseinanderzerren kann. Konzentrieren Sie sich jetzt also bitte wieder auf diesen Artikel, damit Sie über die alle drei ganz im Bilde und restlos aufgeklärt sind, um über alles mitreden zu können.
Wir sind auch praktisch am Ende. Nur schnell noch ein bisschen was Menschliches nach so viel unmenschlich Politischem. Wer was, das ist die Frage an Sie, die Sie bis hier durchgehalten haben (bravo!). Thema: Freizeit, Hobby, die leeren Minuten, wenn alle Tagesordnungspunkte abgegrast sind, der Gegner vernichtet und das Wahlvolk eingeschlafen ist, man mit etwas Glück sogar Ruhe vor sich selber hat. Dann tut der eine angeln, lesen und radfahren, der andere macht wandern und kochen, der dritte orgelt im Kloster Himmerod mit der Orgel – oder umgekehrt.
Wer was? Das war, Sie erinnern sich zu Recht, die Frage, es war nicht die Antwort. Die ist nämlich wurscht – wie so vieles.
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