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Die WahrheitDackel auf großer Fahrt

Der versponnene Krakenzüchter. Die etwas andere Fortsetzungs­geschichte (Teil 7). Heute: Putzi lebt und musiziert.

Spione lassen sich auch im Morgenlicht nicht beirren Foto: AP

Was bisher geschah: Heinz-Hermann beschäftigt sich mit seltsamen Dingen und mit Kraken und Spinnen. Und er geht Anrufen seines Vaters aus dem Weg, der ein Meisterspion war. Nur Dackel, Deckname Rupert Schulte, Heinz-Hermanns geheimnisvoller Auftraggeber, dringt immer durch. So auch in der verschlickten Hamburger Elbphilharmonie, wo Heinz-Hermann samt Käpt’n Tietsch gestrandet ist, um der sensationell geheimen Aufführung des sechsten Satzes des Schubert’schen Forellenquintetts beizuwohnen …

Ja, es hatte ein paar Jahrzehnte gut funktioniert. Heinz-Hermann war zum begnadeten, aber schwer depressiven Züchter von siebzig- oder dreibeinigen Spinnen geworden. Doch jetzt? Schluss damit, so Schluss wie Ende. Hier im Schlick von Hamburg, vor der beeindruckend feuchten Brackwasserkulisse der Elbphilharmonie, trennten sich ein für alle Mal die Wege von Heinz-Hermann und „Signore Krell“. Jener als näselnder Brite getarnte „Admiral Nelson“, sein alter Erzfeind aus dem obersorbischen Njeswačidło, zu sächsisch Neschwitz, hatte im vermeintlichen Moment seines Triumphes über Heinz-Hermann einen entscheidenden Fehler gemacht. Welchen, soll hier nicht verraten werden, nur so viel: „Signore Krell“ fiel im unterirdischen Musikantenstadl alldieweil mausetot um.

Daran hatte Putzi, der neunarmige Riesenoktupus mit den klimpernden Monsterohrringen, entscheidenden Anteil. Putzi mit seinen putzigen mannigfaltigen Giftdrüsen war nie implodiert, wie Heinz-Hermann lange Jahre es geglaubt hatte, Putzi hatte sich nur eine Zeitlang entmaterialisiert. Und nun wogte er wieder hier – in diesem hochmusikalischen Steuergeldtempel samt Entenmuscheln an den Wänden. Heinz-Hermann tat einen tiefseufzenden Atemzug, baute sich männleinhaft vor dem ihn begleitenden Käpt’'n Tietsch auf und fragte den hochdekorierten Seebären mit kräftiger Tenorstimme: „Und jetzt?“

Das geheime Zusatzprotokoll

Stille. Auch im Publikum rührte sich nichts. War es überhaupt anwesend? Käpt’n Tietsch bohrte sich großflächig in und an seiner weinroten Nase, dann hub er fachmännisch an. „Der sechste Satz des Schubert’schen Forellenquintetts, er soll beginnen!“ Da war es wieder, das Publikum, hier im großen Konzertsaal des tröpfelnden hanseatischen Musentempels. Es trampelte und trötete vor Begeisterung, es strampelte und hampelte, klatschte und johlte. Endlich war es so weit, das geheime Zusatzprotokoll zu Schuberts rauf und runter gespielten Forellen, es kam zur Aufführung: ja, der noch nie gehörte sechste Satz! Deswegen waren die Menschen sogar bis aus Mümmelmannsberg angereist und hatten gehörig Penunzen bezahlt.

An der vom TÜV-Andorra geprüften hydraulischen Wasserorgel, die auf der Pappmaché-Empore thronte, ließ Putzi nun seine neun – oder waren es gar zehn? – Krakenarme über die Manuale aus Königsberger Marzipan gleiten. Beim ersten Ritardando flutschten mindestens 15 Forellen aus diversen Orgelpfeifen aller Größen hinaus. Sie hatten wohl etwas gegen die von Maestro Schubert einst notierte allmähliche Verlangsamung des Tempos. Doch waren es wirklich und wahrhaftig leibhaftige Forellen, also Fische?

Gerade, als Heinz-Hermann der Klärung dieser Frage ernsthaft nachgehen wollte, klingelte sein portables Telefongerät. Er nahm, im Einklang mit seiner nicht vorhandenen Ratio, das Gespräch an. „Hallo, Heinz-Hermann? Hier ist Dackel, sag mal, wo bleibst du denn? Ich warte noch immer auf dich in der ‚Große Freiheit Nummer 7‘. Was is los?“ Heinz-Hermann schnappte nach Luft, schwer möglich in diesen kavernigen Katakomben. Mechanisch wiederholte er, was er schon einmal, nicht lang war es her, gefragt hatte: „Aah, Dackel, Deckname Rupert Schulte, mein geheimnisvoller Auftraggeber. Wie schaffen Sie es, am Telefon wie mein Vater zu klingen?“

Am anderen Ende der Leitung schepperte es gewaltig, dann ertönte eine so bleierne wie präzise Anweisung: “‚Große Freiheit Nummer 7‘, die Segelschule am Berliner Bundesplatz, nicht auf Sankt Pauli, du Krakenidiot! Also was ist, Heinz-Hermann, in genau sieben Stunden erwarte ich dich dort. Und zwar aufgetakelt …“

Fortsetzung demnächst

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24 Kommentare

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  • Nebenbei, wie verhalten sich eigentlich Forellen aus dem sechsten Satz zu zuvielarmigen Kraken?



    Und wieso Segelschule?



    Da kommt noch Einiges auf uns zu...



    Auf und zu?

  • ZACK – Weg ist sie, die Nemesis von Neschwitz. In TV-Dauerserien wie „Sturm der Liebe“ passiert sowas ganz schnell. Das muss so sein, damit keiner sich Gedanken macht, ob und was eigentlich geschieht. In „Dallas“ z. B. passierte andauernd immer ganz viel alles. Das ist dieser Drehbuch-Algorithmus, bei dem Heinz-Hermann immer mit muss. Heinz-Hermann, ein Getriebener, ein Gehetzter, den es in die Abgründe von Hamburgs großer Musiktruhe mit dem phänomenal niedrigen Klirrfaktor verschlagen hat. Doch vorher in Folge 5 beginnt in dieser Serie das etwas andere mit ihm. Gerade wollte er in sein Fischbrötchen beißen, fragt er sich: Was wird hier gespielt? Wer zieht die Fäden im Hintergrund?“ Will ihm der Dackel nochmal die Falle mit der Auftragsvergabe stellen, die dann gar nicht erfolgte? Warum lockt er ihn nach Berlin? Das ganze Labskaus ist noch kraus, da soll es plötzlich um die Bulette gehen? Wir werden sehen. Selbst entscheiden, Heinz-Hermann. Besser vielleicht zuerst in die „Rote Laterne von St. Pauli“. Wo der Dackel sich mit seinen Gespielinnen verlustiert. Oder zusammen mit Mathilde-Regine den roten Faden der Geschichte aufwickelt, den H.H. nie finden soll?

    • @Moon:

      A propos Musiktruhe:



      Ist Mathilda-Regine nicht vielleicht doch mit Freddy Quinn in Jenny Zylka's Cloneyzug auf der Hüpfburg in der Latrine?



      Mit 🤣 an @🌜🐑

      • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

        Auch das ist möglich. Hm...Ich bin ja jetzt noch verlegen darüber, dass ich die Mathilde-Regine schon in der Nähe einer Waldhütte unter der Erde sah. Ob dort in einer Kiste, das weiß ich nicht.



        Um´s Haar hätte ich unser aller Begehren: "Wir wollen Wir wollen Mathilde-Regine" damit verraten. Ich schäme mich.

        Das Mondschaf: "Mathilde-Regine mit George Cloney auf der Schiene." Super!

    • @Moon:

      Manches wird zu bunt getrieben.



      „Signore Krell“ ist uns geblieben:



      de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Krell



      Doch sehr bedauerlich, ihr Lieben,



      Der „Rote Faden" wurd' nicht fortgeschrieben:



      taz.de/Laubblaeser...d-Handys/!6036638/

      • @Mondschaf26:

        Na, da habe ich hier gleich drunter aber mal was los gelassen...Ich versuche es mal so, weil wir hier in der Musiktruhe sind:

        Procol Harum: "A Whiter Shade of Pale"

        www.youtube.com/wa...ID2Q&start_radio=1

        So wird´s gehen.

      • @Mondschaf26:

        Signore Krell - ! - Tatsächlich, der Typ bleibt uns leider erhalten. PUH.

        Das reizvolle an dieser Fortsetzungsgeschichte der etwas anderen Art ist ja, dass sie sich auch ein Stückchen selbst schreibt. Weil sie Reih um geht, gelingt es ihr scheinbar, sich den Menschenhänden zu entziehen, von denen sie gemacht wird. Keiner weiß von nichts wirklich. Heinz-Herman weiß von nichts und ich weiß von gar nichts. Sonst ist man als Leser mancher Geschichte ihren Gestalten ja etwas damit voraus, was vor sich geht. Hier ist es nicht zwischen den Zeilen, sondern wie zwischen den Händen, durch die sie geht so, dass der Geschichte in Gestalt von Heinz-Hermann plötzlich einfällt: Moment mal, bei bei so viel "Action" und wundervollen Szenen wie in der Musiktruhe, da muss doch noch was sein? Und die Geschicht muss sich das irgendwie selber erschaffen. Weil von den Autorinnen und Autoren kriegt sie das selber auch nicht gesagt. Sonst könnte sie ja was bei den Hinweisen finden, die die Autorenschaft der Leserschaft gibt. Aber die gibt´s nicht. Und da entwickelt H. H. so seine eigenen Gedanken. Die Geschichte kann sie *Die Wahrheit* werden lassen oder auch nicht. Man wird sehen. Ich bleibe dran.

  • Ohne Mathilda -Regine boykottiere ich die nächsten Folgen.



    So.

    • @ringelnatz2:

      Mathilda -Regine?



      Ist mit George Clooney auf der Schiene.



      taz.de/Die-Wahrheit/!6160049/



      Die Hüpfburg auf der Zuglatrine



      Entwickelte sich zur Lawine.



      www.gedichte7.de/fussball.html



      (Klar, dass ich so kein Geld verdiene,



      Wie ich die Phantasie bediene.)

      • @Mondschaf26:

        Supi!



        Bei der Hüpfburg.



        .. fiel mir Peter Rühmkorf wieder ein und so singe ich vor mich hin.



        ...Scheiße auf den Sofakissen läßt Gemütlichkeit vermissen“,..



        de.wikipedia.org/w...chei%C3%9Fe_(Lied)

        • @ringelnatz2:

          Herrlich. Rühmkorf und Wikipedia befassen sich mit den Reimen, die wir bereits in den 1960ern im Mannschaftsbus auf der Fahrt zu Auswärtsspielen gegrölt haben...



          Einer geht noch. Zurück zum Thema. Ich bin wieder am Zug:



          Scheiße auf den Bahngeleisen



          Nimmt uns nicht den Spaß am Reisen...

  • Hallo Käpt’n Tietsch! Haben Sie meine Mutti (102) gesehen? Sie wurde zuletzt am siebenten Arm von Putzi gesehen, mit dem sie wohl in der Pause in die Cafeteria ging. Falls Sie sie finden, bitte im Bällebad abgeben.

    • @Il_Leopardo:

      "Es trampelte und trötete vor Begeisterung, es strampelte und hampelte, klatschte und johlte."

      Wegen der "Zuhörerturbulenzen" an Bord der Philhamonia:

      Käpt´n Tietsch, seien sie Kapitän und Gentleman. Finden sie Signora Leopardo und geben sie ihr sicheres Geleit. Eile tut Not.

      • @Moon:

        Vielen herzlichen Dank für Ihren aufrüttelnden Appell. Mutti ist inzwischen heil zuhause angekommen.

      • @Moon:

        Muss es nicht heißen



        SIGNORA LEOPARDA?

        • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

          Und II leopardo

          Ich bin für Signora Leoparda. Das hat so was apartes.

        • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

          Schwierige Frage, die wir hier nicht lösen müssen. Nennen wir sie einfach Signora Panther. Da gibt es keinen Unterschied zwischen männlich und weiblich.

          • @Il_Leopardo:

            Einverstanden - obwohl,



            Panthero und Panthera wäre denkbar?

            • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

              Panthero. PantHero - Men in tights.



              de.wikipedia.org/w...en_in_Strumpfhosen

              • @Mondschaf26:

                Danke für den Hinweis auf die Strumpfhosenhelden.



                Vielleicht wird Heinz-Hermann ein solches Relikt nochmal als Überlebenshife brauchen für sein Treffen mit Rupert Schulte am Bundesplatz...

  • Sorry, aber es fehlt auch noch Dackel's großes Blutbild mit eigenem Krakenblut und



    Labskaus...

  • "Es trampelte und trötete vor Begeisterung, es strampelte und hampelte, klatschte und johlte."



    Der sechste Satz, er würde sich im Grab umdrehen - und -



    Wo bleibt, bitteschön, Mathilda-Regine?