Die Wahrheit: Ballade von der Baumliebe
Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Heute darf sich die geneigte Leserschaft an einem Poem über das ewig Eberige erfreuen.
Der Eberhard, der Eberhard,
der war in einen Baum vernarrt,
in eine Eberesche.
Er band ihr Schleifchen um den Stamm
und schmückte sie mit einem Kamm
und Spitzenunterwäsche.
Die Eberesch, die Eberesch,
die fand den Eberhard sehr fesch
und wollte mit ihm gehen.
Doch da sie tief im Erdreich stak
und Wurzelwerk nicht wandern mag,
so musst sie bleiben stehen.
Das Eberschwein, das Eberschwein
kam rottverloren, ganz allein
aus seiner Single-Suhle
und sah voll Gram, wie Eberhard
die Eberesch, die seiner harrt,
zerlegt zum Schaukelstuhle.
Ach, Pflanzenschwester, grunzt es dumpf,
den Rüssel auf dem Eschenstumpf,
so ist die Menschenliebe.
Sie schmücken und erregen dich,
sie töten und zerlegen dich
aus lauter, lauter Liebe.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert