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Die WahrheitEinen Valentin kastrieren

Boshaftigkeiten rund um den Valentinstag haben Tradition, es ging auch früher nicht stets nett zu. Die alten Römer trieben es besonders stumpf.

V origen Samstag war Valentinstag. Da es an Wochenenden in Irland keine Postzustellung gibt, bekam niemand eine Valentinskarte. Das war vielleicht auch gut so. Nicht jede Liebesgeschichte nimmt nämlich ein märchenhaftes Ende. Die Tierschutzorganisation Galway Society for Prevention of Cruelty to Animals will das ausnutzen. „Manchmal klappt es einfach nicht, und loszulassen kann schwieriger sein, als wir erwarten“, heißt es auf deren Webseite.

Um etwas Geld in die klamme Kasse zu spülen, bietet man einen besonderen Service an. „Wenn Sie nach einem symbolischen Schlussstrich unter ihre Beziehung suchen und gleichzeitig etwas Gutes tun wollen, lassen Sie ihren Ex kastrieren“, empfehlen die Tierschützer. Das ist allerdings auch in Irland verboten. Deshalb schränkt man sicherheitshalber ein: „Für 30 Euro benennen wir einen streunenden Kater nach Ihrem Ex und kastrieren ihn.“

Das helfe, die Überpopulation zu reduzieren und das Leben der streunenden Katzen zu verbessern. Und außerdem: „Das ist therapeutisch für Sie!“. Wenn man aber dazu noch nicht bereit sei, könne man für fünf Euro einen sanfteren Abschluss erwägen und einer Katze einer Parasitenbehandlung im Namen des Ex-Partners spendieren.

Die Boshaftigkeiten rund um den Valentinstag haben durchaus Tradition, es ging auch früher nicht immer nett zu. Die Römer feierten am 15. Februar das Fest der Lupercalia – vom lateinischen lupus für „Wolf“ und calidus für „heiß“: das heiße Wolfsfest. Die Männer opferten eine Ziege und einen Hund und peitschten junge Frauen mit den Häuten der Tiere aus. Sie glaubten dumpf und stumpf, dass diese dadurch fruchtbar würden.

Außerdem war es im alten Rom Sitte, dass Mädchen an diesem Tag eine Lotterie veranstalteten. Sie zogen die Namen der jungen Männer, die sie auf Zettel geschrieben hatten, aus einem Hut und hefteten sie sich an die Toga. Dann kamen die Jungen in den Saal und suchten das Mädchen, das ihren Namen trug.

Was dann geschah, war für spätere Pfaffen eine Horrorvorstellung, und sie bogen sich deshalb, wie so oft, den heidnischen Brauch in ihrem Sinne zurecht. Sie zwangen Mädchen, an diesem Tag die Namen von Heiligen auf die Zettel zu schreiben. Der Heilige, den jene aus dem Hut zogen, sollte ihnen als Vorbild dienen.

Papst Gelasius I. verbot im Jahr 494 die Feier der Lupercalia. Stattdessen begannen die Menschen, den Valentinstag zu feiern, den Gelasius 496 kurz vor seinem Tod unters Volk brachte. Im Kirchenkalender ist der 14. Februar der Gedenktag des Heiligen Valentin, offenbar wurden an dem Tag im Laufe der Zeit zwei oder drei Valentins hingerichtet. Auf welchem der Märtyrer der Feiertag basiert, ist ungewiss.

Jedenfalls machte der Dichter Geoffrey Chaucer den Valentin dann noch im Spätmittelalter populär. In seinem Gedicht „Parlement of Foules“ behauptete er, dass „Seynt Valentynes Day“ der Tag sei, an dem die Vögel ihre Paarungszeit beginnen. Chaucer war eben Dichter, und kein Ornithologe.

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Ralf Sotscheck
Korrespondent Irland/GB
Geboren 1954 in Berlin. 1976 bis 1977 Aufenthalt in Belfast als Deutschlehrer. 1984 nach 22 Semestern Studium an der Freien Universität Berlin Diplom als Wirtschaftspädagoge ohne Aussicht auf einen Job. Deshalb 1985 Umzug nach Dublin und erste Versuche als Irland-Korrespondent für die taz, zwei Jahre später auch für Großbritannien zuständig. Und dabei ist es bisher geblieben. Verfasser unzähliger Bücher und Reiseführer über Irland, England und Schottland. U.a.: „Irland. Tückische Insel“, „In Schlucken zwei Spechte“ (mit Harry Rowohlt), „Nichts gegen Iren“, „Der gläserne Trinker“, "Türzwerge schlägt man nicht", "Zocken mit Jesus" (alle Edition Tiamat), „Dublin Blues“ (Rotbuch), "Mein Irland" (Mare) etc. www.sotscheck.net
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