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Deutsche Bob-ErfolgeNoch drei Rumpelmedaillen

Der Eiskanal rettet mal wieder die deutsche Olympia-Bilanz. Das deutsche TV-Publikum hängt im Eiskanal fest. Gerade auf die Bobfahrer ist Verlass.

Kompletter deutscher Medaillensatz im Zweierbob: In der Mitte Gold-Gewinner Georg Fleischhauer und Johannes Lochner Foto: Michael Kappeler/dpa

Der Rumpelfußball wurde einst zu einer deutschen Marke, als Carsten Jancker, Jens Jeremies und Carsten Ramelow für die Nationalmannschaft kickten. Besonders stolz war man hierzulande nicht darauf. Ganz anders verhält es sich mit den Rumpelmedaillen, welche die deutschen Bobfahrer am Dienstag mit ihren schwer kontrollierbaren Gefährten ins Ziel brachten. Gleich drei deutsche Fahnen wurden bei der Siegerehrung des Zweierbob-Wettbewerbs hochgezogen. Der volle Medaillensatz!

Die deutschen TV-Journalisten am Eiskanal konnten ihre Begeisterung kaum in Zaum halten. Denn es rattern ja noch am Samstag und Sonntag die Viererbobs im Cortina Sliding Centre hinunter. Und dem geneigten Bob-, Rodel-, und Skeletonpublikum wurde schon mal in Aussicht gestellt, dass die Verteilung dieser olympischen Plaketten wieder zu einer rein deutschen Angelegenheit werden könnte.

Von den 20 deutschen Medaillen bei diesen Winterspielen (Stand Dienstagabend) sind 15 erschlittert worden. Das deutsche TV-Publikum hängt im Eiskanal fest, weil andernorts die Erwartungen niedrig hängen.

Wie in guten alten Zeiten erfreuen sich die Berichterstatter am technischen Knowhow made in Germany. Das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) hat mal wieder bestes Material abgeliefert. Nur beim Monobob sitzen Fahrerinnen und Fahrer aller Nationen in einem Einheitsmodell. Ansonsten heißt es: Medaillen durch Ingenieurtechnik. Denn mit Sprintkraft und Lenkkunst allein fährt niemand in die Medaillenränge.

Und so kann man sich herrlich in innerdeutschen Betrachtungen verlieren. Es wurde wirklich Zeit, dass Johannes Lochner mit seinem Anschieber Georg Fleischhauer auch mal Gold gewinnt, nachdem Francesco Friedrich schon Pyeongchang 2018 und Peking 2022 gewonnen hat. Ein wenig Abwechslung muss schon sein unter den deutschen Medaillengewinnern. Umso spannender wird es jetzt am Sonntag, welche vier Deutschen ganz oben aufs Treppchen dürfen.

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2 Kommentare

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  • Deutsche Sportler sind seit jeher im "Eiskanal" sehr gut oder "dominant". Es ist doch in Ordnung, das Leistungsniveau und die technische Expertise entsprechend hoch zu halten. Aber selbst hier wurde nicht das Optimum erreicht, wie das Abschneiden der "Rodel-Tobis" oder der vierte Lauf im Monobob der Damen (Fr. Nolte) gezeigt haben.



    "Das deutsche TV-Publikum hängt im Eiskanal fest, weil andernorts die Erwartungen niedrig hängen." Das stimmt nicht. Auch "anderenorts" war die Erwartungshaltung hoch, teils weil sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (Eishockey: "Die beste deutsche Mannschaft jemals.") geweckt wurde, teils weil die deutschen Athleten in ihren Disziplinen tatsächlich zur Weltspitze gehören. Dass ihnen gleich reihenweise die Nerven durchgingen und sie diesen Erwartungen nicht gerecht wurden, wäre eine Problematik, die angesichts der hohen öffentlichen Kosten bei geringer Rendite sich die Funktionäre an den Schaltstellen der Verbände zu stellen haben.



    Das geneigte Publikum ist eher von der nach Versagen regelmäßig zu erwartenden "Gesundbeterei" genervt.



    Fakt ist: Der dt. Spitzensport ist in den letzten ca. 10 bis 15 Jahren messbar erodiert, weitere Talfahrt absehbar.

    • @Vigoleis:

      "Fakt ist: Der dt. Spitzensport ist in den letzten ca. 10 bis 15 Jahren messbar erodiert, weitere Talfahrt absehbar."



      Andere werden besser u. die Sportförderung in Deutschland setzt am falschen Ende an.



      Kinder werden noch durch die Eigeninitiative der Eltern gefördert, aber im jungen Erwachsenenalter fehlt ausreichende Unterstützung.



      Der Fokus liegt zu stark auf den wenigen umsatzstarken Sportarten mit d. Attribut Massenkultur.



      Ein Beispiel:



      "Turnerin Emma Malewski hatte nach ihrem Abitur in diesem Sommer in Deutschland die Wahl: Entweder sie geht zur Bundeswehr oder sie beendet ihre sportliche Karriere. Die Schwebebalken-Europameisterin von 2022 in München will beides nicht - und entschied sich für die USA, weil die Rahmenbedingungen für Leistungssport dort besser sind als hierzulande.



      "Ich möchte nicht in die Bundeswehr und ich möchte auch nicht mit dem Sport aufhören", sagt Malewski, die nach ihrem größten Erfolg vor drei Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und nun auf dem Weg zurück in die Weltspitze ist.



      In den USA könne sie dank eines Stipendiums an der Clemson University im Bundesstaat South Carolina Sport und Studium miteinander verbinden."!



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