Datensammelwut in der Coronakrise: Privat ist privat

China, Israel und Südkorea überwachen Corona-Infizierte mittels Big Data. Das sollten wir in Europa sein lassen.

Verkäuferin von Unterwäsche sitzt zwischen BHs und schaut auf ihr Smartphone.

Gutes Versteck, hilft aber im Zweifelsfall nicht: nichtbetroffene Verkäuferin in Hongkong Foto: Kin Cheung/ap/dpa

Corona macht Angst. Denn keiner kann mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob wir diese Pandemie glimpflich überstehen. Es wäre ein Leichtes, jetzt zu fordern, alle verfügbaren, auch digitalen Maßnahmen zu ergreifen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Und damit die Bevölkerung gläsern zu machen. Technisch ist die Überwachung über Handydaten, Kreditkartensysteme oder andere digitale Technologien möglich.

Und weil es so einfach ist, kommt die flächendeckende Speicherung und Auswertung privater Daten ins Spiel. China, Südkorea oder Israel machen es derzeit vor, indem sie positiv Getestete per Handy orten und ihre Bewegung im öffentlichen Raum sichtbar machen. Zweifelhaft ist allerdings, wie sinnhaft eine solche Auswertung ist.

Sind die Informationen über Ortsangaben und Bewegungsprofile präzise? Wer soll sie erhalten? Was passiert nach der Auswertung? Und kann die vielseits propagierte Anonymität der Datenspender:innen gewährleistet werden?

Besser, als sich diesen Fragen zu widmen, ist es, die Verbreitung seriöser Informationen zu sichern und diese allen Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Dies ist die Aufgabe von Behörden. Wer Fake News bewusst verbreitet und entlarvt wird, wer die Coronakrise öffentlichkeitswirksam verharmlost, sollte dafür bestraft werden. Denn Fehlinformationen schüren mit Sicherheit Panik.

Der beste Schutz vor Covid-19 sind nach wie vor die Einhaltung von Hygienemaßnahmen und das Einschränken von Sozialkontakten. Auch Maßnahmen wie eine zeitweise Ausgangssperre helfen im Kampf gegen die Pandemie. Bis die Datenschutzgrundverordnung EU-weit verabschiedet werden konnte, hat es Jahre gedauert. Es ist Konsens in den europäischen Staaten, die Überwachung von Bürger:innen wohl abzuwägen und die informationelle Selbstbestimmung als hohes Gut zu erachten. Jetzt den mühsam errungenen Schutz unserer Privatsphäre aufzugeben, wäre der falsche Weg.

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Schreibt seit 2016 für die taz. Themen: Digitalisierung, Datenschutz, Entwicklungszusammenarbeit. Arbeitet im Regie-Ressort und setzt Inhalte für Print und Online.

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