Coronamutation bei Nerzen: Ein Desaster und ein Skandal

In Dänemark werden aus Angst vor einer Coronamutation 17 Millionen Nerze getötet. Skanda­lös ist nicht die Notschlachtung, sondern die Zucht an sich.

IEin Nerz umgeben von herbstlichen Blättern

Schlechte Chancen für Nerze: Die einen werden in Pelzfarmen getötet die anderen stehen kurz vor dem Aussterben Foto: S. Meyers/Imago

Die Kritiker der Coronamaßnahmen hätten unter Nerzen in Dänemark derzeit sicherlich einen guten Stand. In über 200 der rund 1.200 Pelztierfarmen des Landes wurde das Virus nachgewiesen. Dort mutierte es in den Tieren und ist in mindestens 12 Fällen wieder auf den Menschen übergesprungen. Die Folgen könnten verheerend sein: Da alle in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe auf die alte Form des neuartigen Virus zielen, könnten sie bei der noch neueren Mutante wirkungslos bleiben – die sich dann wieder ungebremst ausbreiten könnte.

Deshalb hat die dänische Regierung nun ganze Regionen in Jütland unter einen strengen Lockdown gestellt und das Todesurteil über die dort gehaltenen Nerze gefällt. Alle 17 Millionen Tiere werden vergast und dann verfeuert. Ein Tierschutzskandal?

Ja, aber nicht wegen der unvermeidbaren Notschlachtung, sondern weil die Nerze überhaupt in Massentierhaltung gezüchtet werden. Die Haltungsbedingungen in weitgehend nackten Käfigen in viel zu großer Dichte sind nicht nur alles andere als artgerecht, sie begünstigen auch die Ausbreitung von Krankheitserregern wie eben dem Coronavirus.

Tierschützer stoßen sich schon lange an diesen Pelztierfarmen. „Tierbefreier“ allerdings hielten es über Jahrzehnte für eine gute Idee, dort immer wieder einzubrechen und die Nerze freizulassen. Doch die auf Farmen gezüchtete Art ist der Amerikanische Nerz. Er ist größer und robuster als sein europäisches Pendant, das daher in freier Natur zunehmend von den Eindringlingen verdrängt wird.

Leider mangelt es Mardern zudem an Problembewusstsein in Sachen Look­ism. Die Girls des Europäischen Nerzes stehen auf die Machotypen aus Übersee und paaren sich lieber mit ihnen als mit den Schwächlingen aus der Alten Welt. Da die beiden Arten aber miteinander gar nicht fruchtbar sind, steht der Europäische Nerz inzwischen kurz vor dem Aussterben.

Ein Desaster in alle Richtungen also. Während Bild-Chef Julian Reichelt über die bösen Chinesen mit ihren unverantwortlichen Tiermärkten hetzt, haben wir in Europa einen nicht minder wirkungsvollen Infektionsherd geschaffen.

Womöglich kann Donald Trump dann bald vom dänischen statt vom chinesischen Virus twittern. Das allerdings vom Amerikanischen Nerz stammt – der in Europa für die Nachfrage nach Pelzen vor allem auf dem chinesischen Markt gezüchtet wird. Es läuft einfach nicht rund zwischen Mensch und Nerz.

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