Bremer CDU stellt anonyme Anzeige: Der unverhoffte Ruhm eines unbekannten Parteisoldaten
Anonym hat der Bremer CDU-Fraktionsgeschäftsführer Anzeige gegen die Wirtschaftssenatorin erstattet. Direkte Folge: Jetzt kennen alle seinen Namen.
J etzt ist schon wieder nichts passiert. Steigen Sie da noch durch?
In Bremen ist herausgebrannt, dass der Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag – angeblich ohne das Wissen seines Arbeitgebers – anonym eine Strafanzeige gegen die Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) erstattet hat, mit der er sie bezichtigt, widerrechtlich digitale Akten vernichtet, beziehungsweise deren illegale Löschung in Auftrag gegeben zu haben, die in den Ermittlungen um die – möglicherweise überhöhten! – Ruhestandsbezüge eines ehemaligen Staatsrates … also ich bin raus.
Die Unionsfraktion hatte doch um das Thema bereits einen der langweiligsten Untersuchungsausschüsse seit jeher konzipiert, der nach dem wenig verhohlenen Willen seiner Urheber die Landesregierung – oder wie sie im CDU-Jargon heißt: den „Senat Bovenschulte“ – als korrupte Selbstbedienungstruppe darstellen soll, aber zugleich droht, zum schlechten Ruf des Parlaments beizutragen. Weil er den Anschein erweckt, dass sich die Mitglieder der Bürgerschaft mit Nichtigkeiten auseinandersetzen, statt die zahlreichen echten und großen Probleme des Landes zu bearbeiten …
Und nun wollen die Christdemokraten also parallel dazu die Justiz bemühen, ohne als solche erkennbar zu werden?
Sie sind ja tapfer! Es ist jedenfalls alles superaufregend – und verwickelt. Zwar kein Mord, auch kein Totschlag – sondern nur eine von den Kosten des mit der Aufklärung betrauten Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) deutlich überschrittene maximale Schadenssumme eines wohl gar nicht feststellbaren Schadens. Aber wer sagt denn, dass Krimis immer blutig sein müssen und grausam.
Verwickelt reicht schon. Und auf die Intelligenz der Intrigant*innen kommt es dabei auch nicht an. Manchmal ist es ja sogar lustig, wenn Leute blöd sind: Er habe die Ermittlungsarbeit nicht durch seine Funktion bei der CDU politisieren wollen, hat der Fraktionsgeschäftsführer dem Weser-Kurier seine Heimlichkeit erklärt. Ist das nicht irre?
Der Mann ist seit 2021 im Amt. Bis auf ein Schülerpraktikum in Hameln hat er seinen gesamten beruflichen Werdegang an die Bremer CDU geknüpft. Erst Praktikant, hat er sich über die Stationen studentische Hilfskraft, Mitarbeiter und so weiter bis zum Geschäftsführer von Fraktion und Partei hochgedient, der in ihrem Dunstkreis offenbar nach Gutdünken schalten und walten kann.
Und das in so brisanten Angelegenheiten! Wiebke Winter, die Fraktionsvorsitzende, soll von nichts eine Ahnung gehabt haben! Auch Parteichef Heiko Strohmann nicht! Und dabei ist der junge Mann so unauffällig geblieben, dass er bis Dienstag völlig unbemerkt hätte den Tod des unbekannten Parteisoldaten sterben können.
Obacht: Der Mann heißt Tobias Hentze
Jetzt aber ist, weil er der Staatsanwaltschaft gegenüber seinen Namen verschwiegen hat, publik geworden, dass er Tobias Hentze heißt. Für so viel Aufklärung hat der PUA also schon mal gesorgt, wenn auch zugegebenermaßen nur in seinen Randbereichen. Kommt da noch mehr?
Mustafa Güngör, Chef der Bürgerschafts-SPD, sieht den bestehenden PUA durch Hentzes Anzeigeverhalten fast resignativ in ein „noch zweifelhafteres Licht“ gerückt. Die Doppelspitze der Grünen-Fraktion, Solveig Eschen und Emanuel Herold, befindet, die Nachricht von der klandestinen Anzeige verdeutliche noch einmal, dass sich hinter dem gesamten Aufriss um die Ruhestandsbezüge eine Kampagne verberge. Die bewerten sie dabei als „mehr oder weniger schlau ausgeklügelt“.
Mehr oder weniger schlau – das ist doch wenigstens einigermaßen lustig gesagt. Es ist eine der Situation völlig angemessene Pointe. Also hierfür ein offizielles Humorsternchen. Wird auf Wunsch auch als Smiley ausgeliefert.
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