Brasiliens fossile Wirtschaft: Ölfund im Amazonasbecken
Der Erdölkonzern Petrobras hat neue Erdölvorkommen gefunden. Brasiliens Präsident Lula da Silva feiert den Fund als Garant für mehr Souveränität.
Foto: Agencia Petrobas/afp
Jetzt ist es offiziell: „Wir haben Öl gefunden“, verkündete die Vorsitzende des halbstaatlichen Erdölkonzerns Petrobras, Magda Chambriard, am Montag bei einem Treffen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva. Schon am Freitag waren erste Verdachtsmomente entstanden. Am Montag war der Staatschef selbst in den äußersten Norden Brasiliens nach Amapá gereist, um sich die Sache auf dem Sondenboot „NS 42“ anzusehen.
„Das hier ist unser Pass in die Zukunft“, jubelte der Präsident mit ölverschmierten Händen. Er verglich den Fund mit den riesigen Vorkommen im Présal, die gegen Ende seiner ersten Amtszeit entdeckt wurden. Brasilien könne sogar den USA Erdöl anbieten, falls sie den Hormus-Kanal wieder schließen wollten, sagt Lula weiterhin. Noch sei nicht abzusehen, welche Mengen an Erdöl in mehr als 2.800 Metern Tiefe vorhanden seien, wiegelte hingegen die Petrobras-Vorsitzende gegenüber der Tageszeitung Folha de São Paulo ab.
Fündig geworden ist das Unternehmen im Bohrloch Morph, an dem im Januar bei einem Unfall bis zu 18.000 Liter Bohrflüssigkeit ausgelaufen waren. Daraufhin wurden die Bohrungen für 30 Tage unterbrochen. Die endgültige Tiefe von Morph soll erst in zwei Wochen erreicht sein.
Petrobras hat in der Region des sogenannten Blocks 59 außerdem Genehmigungen für Testbohrungen an drei weiteren Stellen beantragt. Diese seien notwendig, um das gesamte Ausmaß des Vorkommens einschätzen zu können. Die Umweltbehörde Ibama lehnt weitere Bohrungen nicht kategorisch ab, verlangt aber zusätzliche Daten, um über die Anträge zu entscheiden.
Brasilien soll Top-Erdölproduzent bleiben
Brasilien produziert zurzeit 80 Prozent seines Erdöls im Présal, wo voraussichtlich gegen 2035 die Spitzenproduktion erreicht sein wird. Danach brauche das Land neue Reserven, um den Rankingplatz als einer der zehn größten Erdölproduzenten der Welt nicht zu verlieren, so die Petrobras-Chefin. Zur geplanten Energiewende und der Abkehr von den Fossilen sagte Lula: „Ich verleugne meinen Kampf nicht, dass wir eines Tages keine fossilen Brennstoffe mehr brauchen. Brasilien wird weiterhin ein Land der Innovation bei Biotreibstoffen sein.“
Doch momentan steht das Öl im Vordergrund. Der Minister für Energie und Bergbau, Alexandre Silveira, nennt den Fund eine „historische Entdeckung“, einen wichtigen Schritt Brasiliens auf dem Weg zur Energiesouveränität.
Lula stellt das Vorkommen sogar als Garant für die Souveränität des Landes hin: „Ein Land, das Öl in dieser Qualität hat, wird niemandem erlauben, sich einzumischen“, sagte er und versprach, Kritiken vorwegnehmend: „Wir kümmern uns weiterhin um die Umwelt.“
Wissenschaftler haben kürzlich errechnet, dass bei einem eventuellen Unfall ausfließendes Öl entgegen der Angaben des Konzerns durchaus die brasilianische Küste erreichen würden. Soziale Folgen sind jetzt schon spürbar: Die BBC zeigte bereits zu Beginn des Jahres, wie Immobilienspekulation und ungeordnete Besiedlung in der dem Bohrgebiet am nächsten gelegenen Stadt Oiapoque zugenommen haben.
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