Böden als Klimaretter: Eine Lösung für die Erderhitzung liegt uns zu Füßen
In unseren Böden schlummert ein bislang ungenutztes Potenzial: Im Kampf gegen die Erderwärmung könnten sie zur natürlichen Klimaanlage werden.
Die Wiederherstellung von degradierten Böden könnte einen kühlenden Effekt auslösen, der bis zu dreimal stärker ist als die durch Treibhausgase verursachte Erwärmung. Das zeigt ein Report der globalen Bodenschutz-Initiative Save Soil.
„Wenn es um Klimaschutz geht, schaut die Welt eigentlich nur auf die Energie- und Industriebranche“, erklärt Rico Rau, Politik- und Forschungsberater bei Save Soil. Die Politik konzentriere sich darauf, CO₂-Emissionen zu vermindern. Dieser Ansatz sei leichter zu verstehen und zu verwirtschaften als natürliche Prozesse. Obwohl eine Reduktion von Emissionen im Kampf gegen die Klimakrise absolut notwendig sei, würden andere wirkungsvolle Ansätze vernachlässigt – etwa gesunde Böden und Wasserkreisläufe.
Dabei haben diese ein immenses Potenzial. Ein intakter Boden kann Wasser wie einen Schwamm aufsaugen und an die auf ihm wachsenden Pflanzen abgeben. Durch die natürliche Verdunstung von bewachsenen Bodenoberflächen, auch Evapotranspiration genannt, entsteht ein kühlender Effekt. „Eine natürliche Klimaanlage“, erklärt Rau.
„Dem Boden wird das Leben entzogen“
Der Haken: Allein in Europa zählen bis zu 70 Prozent der Landflächen als degradiert. Dasselbe gilt für 52 Prozent der weltweiten Landwirtschaftsflächen. Wasser kann dadurch schlechter gespeichert werden. Es kommt zu Hitzewellen, Trockenheit, einem Rückgang der Bodenfeuchtigkeit und dadurch zu einem Verlust des natürlichen Kühlungsmechanismus.
Menschliche Eingriffe sind neben dem Klimawandel der Haupttreiber: „Durch die intensive Nutzung des Landes wird dem Boden das Leben entzogen. Dadurch wird er langsam aber sicher zu Sand.“ Eine vermehrte Wüstenbildung ist die Folge. Besonders der Mittelmeerraum habe damit zu kämpfen.
Durch Bodenschutz- und Regenerierung ließen sich gleich mehr als zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, erklärt Rau. Gesunde Böden sorgen nicht nur für einen lokalen Kühlungseffekt, sondern könnten auch CO₂ aus der Atmosphäre ziehen und so dem Klimawandel entgegenwirken. Gleichzeitig werde verhindert, dass degradierte Böden gespeichertes CO₂ freisetzen.
Um den Bodenschutz voranzutreiben, muss sich vor allem in der Landwirtschaft etwas bewegen: weg von konventionellen, hin zu nachhaltigen Praktiken. Letztere tragen ihrerseits zur Senkung von Emissionen bei. Mit diesem Wandel dürften Landwirt*innen allerdings nicht alleingelassen werden: „Es muss finanzielle und wirtschaftliche Anreize geben“, sagt Rau. Save Soil macht sich daher für einen Richtungswechsel in der Politik stark.
Ein Schritt in die richtige Richtung laut Rau: das neue Programm zur Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moorböden, das Umweltbundesminister Carsten Schneider (SPD) Ende April vorstellte.
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