Bob Dylan beim Papst: Yin und Yang am Petersplatz
Der Pontifex lächelte zufrieden, der Musiker schaute diabolisch unter seinem Hoodie hervor: Eine kleine Bildbetrachtung von Bob Dylans Papstaudienz.
Foto: Vatican Media/catholic press photo/imago
Im Rahmen seiner Neverending-Tour reist Bob Dylan gerade mal wieder durch Europa. Konzerte auch auf deutschem Boden sind für den inzwischen 85-jährigen rastlosen, scheinbar unverwüstlichen Weltstar nach wie vor nichts Ungewöhnliches. Am Mittwoch gab es dann aber doch einen spektakulären Auftritt. Der mit dem Literaturnobelpreis 2016 ausgezeichnete US-Singer-Songwriter bekam eine Privataudienz im Apostolischen Palast beim Papst. Wie bei einem Fußballspiel tauschten die beiden Kapitäne zunächst Wimpel aus: Bob Dylan bekam vom Pontifex Maximus einen Rosenkranz, der Papst dessen signierte „Chronicles“ (Teil eins von Dylans Tagebüchern).
Ob sie auch am Weihrauchfass genippt haben, ist nicht bekannt. Aber das öffentlich verbreitete Foto sieht fast danach aus. Man könnte es glatt für einen KI-Slop halten, oder für die Nachbildung eines Gemäldes in der Sixtinischen Kapelle. Papst Leo trägt wie stets eine weiße Soutane und lächelt ein zufriedenes, durch den Erdnuss-breiten Mundwinkel betontes Lächeln.
„Song & Dance“-Man Dylan hat mal wieder die Kapuze seiner schwarzen Kutte aufgezogen, darüber eine robuste Jacke mit aufgesetzten Taschen, der Kragen eines weißen Hemds lugt hervor. PR-Fotos kann er nicht leiden und so sehen die halb von der Kapuze verdeckten Gesichtszüge leicht diabolisch aus. Etwas unschlüssig steht er neben einem großen bemalten Krug, in der Hand den Griff eines dunklen Regenschirms haltend.
Dylan hatte Mitte der 1970er bereits eine „christliche Phase“, die nicht zum Höhepunkt seines musikalischen Schaffens gehört. Musikalisch ist er am Mittwoch nicht in Aktion getreten. Nach kurzer Begrüßung seien „einige lockere Worte“ gefallen. Und schon ging es weiter mit „ora et labora“.
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