Ausweitung des Iran-Krieges: Vor dem Showdown
Iran und die USA steuern auf eine Zuspitzung ihrer militärischen Konfrontation zu. Europa wird sich da auf Dauer nicht heraushalten können.
D er Irankrieg eskaliert jeden Tag. Iran setzt auf Ausweitung – der Versuch, die US-Militärbasis Diego Garcia auf dem britischen Chagos-Archipel über 3.000 Kilometer entfernt zu bombardieren, zeigt das und bestätigt auch jene, die sagen, Iran stelle mit dieser Reichweite für Europa eine unmittelbare Bedrohung dar. Im Indischen Ozean, wo Diego Garcia liegt, müssten sich westliche Flottenverbände sammeln, wenn sie die Straße von Hormus freikämpfen wollen, die Iran mit dramatischen Folgen für die Weltwirtschaft gesperrt hat. Donald Trump setzte Iran am Samstag eine Frist von 48 Stunden, um die Blockade aufzuheben. Iran reagiert mit der Drohung, seine Angriffe zu intensivieren.
Trump und Netanjahu können nun gar nicht anders, als noch weiter zu eskalieren, und sie sind möglicherweise nicht allein. Briten und Franzosen wollen eigentlich erst nach Ende des Krieges militärisch eingreifen, zur Absicherung der Meere. Aber Irans Strategie der Ausweitung durchkreuzt jede Strategie des Abwartens. Großbritannien hat den USA nach viel Hin und Her nun doch grünes Licht gegeben, britische Basen für eine Sicherung der Straße von Hormus zu nutzen, also Diego Garcia und Oman. Frankreichs Marine machte schon vor einer Woche in Kenia Station. Die US-Marine hat Kriegsschiffe mit Marinesoldaten aus Ostasien Richtung Iran in Bewegung gesetzt. Ende März könnten sie eintreffen.
April könnte der Monat des Iran-Showdowns werden, eventuell zeitgleich zum erwarteten Frühjahrsaufschwung der Kämpfe in der Ukraine, wo Russland zwar Boden verliert, aber neue Offensiven vorbereitet – ermuntert durch die Ölgelder, die der Irankrieg in seine Kassen spült. „Das ist nicht unser Krieg“, wie es zum Irankrieg vergangene Woche noch aus Europa hieß, ist da keine adäquate Antwort mehr. Es gibt momentan kein europäisches „Wir“. Trumps Irankrieg und davor seine Grönland-Ambitionen haben die Nato gespalten, die EU wird vom Trump- und Putin-Freund Viktor Orbán aus Ungarn lahmgelegt. Jede Regierung muss selbst überlegen, wo sie in diesem heraufziehenden Dritten Weltkrieg steht und was sie zu tun gedenkt. Auch in Berlin.
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