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Ausweitung des Iran-KriegesVor dem Showdown

Dominic Johnson

Kommentar von

Dominic Johnson

Iran und die USA steuern auf eine Zuspitzung ihrer militärischen Konfrontation zu. Europa wird sich da auf Dauer nicht heraushalten können.

Der US-israelische Angriff auf den Iran ist zu einem Weltkrieg eskaliert Foto: Toby Shepheard/ Reuters

D er Irankrieg eskaliert jeden Tag. Iran setzt auf Ausweitung – der Versuch, die US-Militärbasis Diego Garcia auf dem britischen Chagos-Archipel über 3.000 Kilometer entfernt zu bombardieren, zeigt das und bestätigt auch jene, die sagen, Iran stelle mit dieser Reichweite für Europa eine unmittelbare Bedrohung dar. Im Indischen Ozean, wo Diego Garcia liegt, müssten sich westliche Flottenverbände sammeln, wenn sie die Straße von Hormus freikämpfen wollen, die Iran mit dramatischen Folgen für die Weltwirtschaft gesperrt hat. Donald Trump setzte Iran am Samstag eine Frist von 48 Stunden, um die Blockade aufzuheben. Iran reagiert mit der Drohung, seine Angriffe zu intensivieren.

Trump und Netanjahu können nun gar nicht anders, als noch weiter zu eskalieren, und sie sind möglicherweise nicht allein. Briten und Franzosen wollen eigentlich erst nach Ende des Krieges militärisch eingreifen, zur Absicherung der Meere. Aber Irans Strategie der Ausweitung durchkreuzt jede Strategie des Abwartens. Großbritannien hat den USA nach viel Hin und Her nun doch grünes Licht gegeben, britische Basen für eine Sicherung der Straße von Hormus zu nutzen, also Diego Garcia und Oman. Frankreichs Marine machte schon vor einer Woche in Kenia Station. Die US-Marine hat Kriegsschiffe mit Marinesoldaten aus Ostasien Richtung Iran in Bewegung gesetzt. Ende März könnten sie eintreffen.

April könnte der Monat des Iran-Showdowns werden, eventuell zeitgleich zum erwarteten Frühjahrsaufschwung der Kämpfe in der Ukraine, wo Russland zwar Boden verliert, aber neue Offensiven vorbereitet – ermuntert durch die Ölgelder, die der Irankrieg in seine Kassen spült. „Das ist nicht unser Krieg“, wie es zum Irankrieg vergangene Woche noch aus Europa hieß, ist da keine adäquate Antwort mehr. Es gibt momentan kein europäisches „Wir“. Trumps Irankrieg und davor seine Grönland-Ambitionen haben die Nato gespalten, die EU wird vom Trump- und Putin-Freund Viktor Orbán aus Ungarn lahmgelegt. Jede Regierung muss selbst überlegen, wo sie in diesem heraufziehenden Dritten Weltkrieg steht und was sie zu tun gedenkt. Auch in Berlin.

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Dominic Johnson
Ressortleiter Ausland
Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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12 Kommentare

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  • Europa muss sich auf alle Fälle militärisch aus diesem Krieg heraushalten: Es ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg. Wem das als Grund nicht reicht: Derzeitiges Ziel scheint zu sein, den Iran und seine gesamte militärische und auch zivile Infrastruktur in Schutt und Asche zu bomben - ohne ein erreichbares Ziel, dass diese Zerstörung rechtfertigt.



    Europa sollte sich darauf konzentrieren, Europa und insbesondere die Ukraine zu verteidigen.

  • "Iran und die USA steuern auf eine Zuspitzung ihrer militärischen Konfrontation zu. Europa wird sich da auf Dauer nicht heraushalten können".







    ..moment mal Hr. Johnson.!







    Ist Ihnen nicht klar wie gefährlich solche Gedankenspiele sind.? Weder der erste noch der zweite Weltkrieg sind über Nacht entstanden, sondern haben als lokake Kriege begonnen, in die sich dann immer mehr Parteien haben einbeziehen lassen. Allzuoft mit Motiven, von wegen "man dürfe sich dieses oder jenes nicht bieten lassen"..man müsse "sein Gesicht wahren", seine Interessen verteidigen, etc..







    Diese stets zu kurz gedachte Logik der Eskalation, immer aus einem Gefühl der angeblichen Unverletzlichkeit und dem naiven Glauben, daß einem schon nichts passieren würde, hat schon zu viele Opfer gefordert.!!!







    Alle die sich auf christliche Werte berufen: " wenn man dir auf die eine Wange schlägt, dann halte auch die andere Wange hin", sollten sich daran erinnnern. Und wer das jetzt für naiv hält, denkt in zu kurz geratenen Kategorien, denn wie so ziemlich alle Kriege zeigen, war die Eskalationslogik am Ende stets schlimmer als ein konsequent defensiver Ansatz.







    DIES IST NICHT UNSER KRIEG.!!







    ..bleiben wir dabei..

  • Ernsthaft?

    3. Weltkrieg?



    Und wir sollen den Mist in Ordnung bringen, den Trump gebaut hat?

    Nein. Er soll mal schön selbst sehen, wie er da raus kommt.

  • Dann sollte der Autor ehrlicherweise auch sagen, daß wir uns schon mitten im 3. Weltkrieg befinden, angezettelt durch Russland, die USA und Israel. Und spätestens 2027 wird sich auch China daran beteiligen indem es Taiwan angreift.

  • jedes Bündnis ist immer nur ein Zweckbündnis. Das hat Trump sehr deutlich gemacht indem alles aufkündigt was ihm nicht dient.



    Die europäische Politik wird sich vielleicht langsam wach und muss feststellen das die EU sich, durch ihre Rechtslage, selbst behindert. Es scheint aber auch kein Landesfürst auf die Traute zu haben allein durchzuziehen oder mit einigen Partner. Selbst wenn einige europäische Staaten Grüppchen bilden kommt nicht viel bei raus.

    Jetzt lassen sich doch wieder einige in einen völlig sinnbefreiten Krieg hineinziehen der seit Jahrzehnten am laufen gehalten wird und jetzt komplett ausser Kontrolle gerät.

    Wenn das grossflächig gelingt schlittern wir eventuell wirklich in eine dritten Weltkrieg hinein der dann allen Grossmächten als Versteck dient ihre langen Konflikte endlich militärisch zu eskalieren.

    Eins scheint jetzt schon sichtbar. Europa wird dabei nichts gewinnen und alles verlieren zu können. Wir gehen den Weg aller Hochkulturen und verschwinden in den Geschichtsbüchern.

  • "heraufziehenden Dritten Weltkrieg"

    Um von einem globalen Krieg zu sprechen bedürfte es die direkte militärische Intervention Chinas und Russlands. Die Ambitionen der Chinesen dürften gering sein und den Russen fehlen aufgrund des Krieges in der Ukraine schlicht die militärischen Kapazitäten.

    Das Europa sich nicht direkt beteiligt, hat es erst kürzlich deutlich gezeigt. Der worst case für Europa wäre ein direkter Angriff des Irans auf die Türkei der dazu führen könnte den Nato Bündnisfall auszulösen.

    Dann stünde Deutschland vor einem echten Dilemma. Kriegspartei oder das Ende der Nato mit initiieren, wäre dann eine der Fragen die es zu beantworten gelte.

    Vorerst aber wäre es ratsam, das öffentliche Ängsteschürren in punkto "herausziehen eines dritten Weltkrieg" den russischen oder auch ukrainischen Propagandisten zu überlassen und deren Intention hinter diesen Aussagen nicht auch noch zu unterstützen, indem man sie unbedacht weiterverbreitet.

    • @Sam Spade:

      "Die Ambitionen der Chinesen dürften gering sein..."



      Kommt drauf an. Sobald die Straße von Hormuz auch für chinesische Tanker dicht ist, dürfte ihr Interesse gewaltig steigen.

    • @Sam Spade:

      "Vorerst aber wäre es ratsam, das öffentliche Ängsteschüren in punkto "heraufziehen eines dritten Weltkrieg" den russischen oder auch ukrainischen Propagandisten zu überlassen und deren Intention hinter diesen Aussagen nicht auch noch..."



      Der amtierende Papst ist Amerikaner und kein Propagandist!



      "Aber es gibt so viele andere Konflikte auf der Welt", führte Leo XIV. an. Der Papst verwies auch auf den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, der rund 60 Millionen Menschenleben forderte. Leo XIV sagte, die Welt erlebe heute "das dramatische Szenario eines Dritten Weltkriegs, der stückweise geführt wird", und wiederholte damit einen von Franziskus geprägten Satz."



      Bei derstandard.de 2025

    • @Sam Spade:

      Da stimme ich ohne Zögern zu.



      Gleichzeitig zeigt der Blick auf die asymmetrische Kriegsführung, dass klassische Großinvestitionen in High-End-Systeme nicht zwangsläufig die effektivste Antwort sind – insbesondere in einer wirtschaftlich heiklen Lage und mit avisierten Militärausgaben von bis zu 5 % des BIP.

  • >heraufziehenden Dritten Weltkrieg<

    Was ist das für ein Krieg? - Der Krieg eines Mannes, der behauptet, er könne mit Kuba machen was er will, der Grönland unbedingt haben muss, der den IGH mit Sanktionen belegt, der keinerlei Recht akzeptiert, der sich selbst zum lebenslangen Führer eines Welt-Friedensrats ernennt (Lebenserwartung nach eigener Einschätzung 200Jahre).

    Wo bleibt der Aufschrei der freien Welt gegen diesen Verbrecher?

    • @test_name:

      Ich fürchte, die “freie Welt” steht Trump viel näher als sie zugeben möchte. Man rümpft zwar die Nase vor seiner Vulgarität, blickt aber mit demselben Überlegenheitsgefühl auf den Rest der Welt. Der Drecksarbeitsfritze hat das ja hinreichend klargestellt: Rechte haben nur wir, die anderen haben den Diener zu machen. Trump lebt nur offen aus, was unsere Liberalen im Stillen denken: dass Freiheit ein Privileg ist.

  • Deutschland sollte sich nicht militärisch engagieren. Der größte Feldherr aller Zeiten aus den USA fängt einen Krieg an und schreit jetzt nach Hilfe. Zuvor hat er aber klar gemacht, dass er im Krisenfall die NATO wohl in im Stich lässt.