Asklepios zieht Kündigung zurück: Pflegerin fliegt doch nicht

Asklepios zieht die Kündigung der Pflegerin Romana Knezevic überraschend zurück. Hamburger Pfle­ge­r:in­nen sehen ihre Kritik dadurch bestätigt.

Protest auf dem Rathausplatz gegen die Kündigung

Rückzieher nach Protest: Asklepios nimmt die Kündigung zurück Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

HAMBURG taz | Der Hamburger Klinikbetreiber Asklepios will der Pflegerin Romana Knezevic nun doch nicht mehr kündigen. Das bestätigte das Unternehmen am Mittwoch der taz. Den Antrag auf Zustimmung zur Kündigung, über den das Hamburger Arbeitsgericht entscheiden sollte, hat Asklepios zurückgezogen.

Knezevic und die Hamburger Krankenhausbewegung, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in den Hamburger Kliniken einsetzt und bei der Knezevic ei­ne der Spre­che­r:in­nen ist, reagierten zufrieden. Sie sehen ihre in den vergangenen Monaten geäußerte Kritik an Asklepios damit bestätigt.

„Asklepios hat sich entschieden, die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat der Asklepios Klinik St. Georg im Zusammenhang mit der beabsichtigten Kündigung der Pflegekraft zu beenden“, sagt Asklepios-Sprecher Rune Hoffmann. „Unser aller Anliegen ist es, das wichtige Berufsbild der Pflege zu stärken.“

Anlass für die beabsichtigte Kündigung war ein Interview, das Knezevic, die als Pflegerin in der Asklepios-Klinik St. Georg arbeitet, dem „Hamburg Journal“ des NDR Mitte Dezember gegeben hatte. Dort hatte sie von regelhafter personeller Unterbesetzung auf den Intensivstationen und von fehlendem Reinigungspersonal berichtet. Dadurch sei teilweise keine pflegerische Sterbebegleitung von Pa­ti­en­t:in­nen mehr möglich gewesen. Asklepios hatte diesen Darstellungen widersprochen und behauptet, Knezevic hätte „wissentlich Falschinformationen verbreitet“.

Arbeitsgericht hätte der Kündigung zustimmen müssen

Über die daraufhin initiierte Kündigung jedoch hätte das Arbeitsgericht entscheiden müssen: Knezevic ist Betriebsrätin, die weiteren Betriebsratsmitglieder hätten der Kündigung also zustimmen müssen. Weil sie das aber nicht taten, wollte sich der Arbeitgeber vom Hamburger Arbeitsgericht eine Zustimmung zur Kündigung erteilen lassen.

Anfang Februar war es deshalb zum ersten Gerichtstermin gekommen, zu dem es im Vorfeld auch bundesweit zu Solidaritätsaktionen kam.

Vor Gericht hatte Asklepios angekündigt, noch einmal außerhalb des Verfahrens mit Knezevic und dem Betriebsrat sprechen zu wollen. Mit dem Ver.di-Landesbezirksleiter Berthold Bose als eingesetztem Moderator sprachen Betriebsrat, Knezevic und der Konzern in der vorletzten Woche darüber, ob und wie der Streit außergerichtlich beigelegt werden könnte.

Die Krankenhausbewegung sieht die ursprünglich von Knezevic geäußerte Kritik durch die Rücknahme der Kündigung bestätigt. Vorbei ist der Konflikt um bessere Arbeitsbedingungen aus ihrer Sicht also nicht – im Gegenteil: „Die eigentliche Auseinandersetzung ist die um die Bedingungen an den Hamburger Krankenhäusern, die nun transparent und ohne Einschüchterungen der Beschäftigten geführt werden muss.“

Für Krankenhausbewegung ein Etappensieg

Diesen Konflikt – bei dem die Rücknahme der Kündigung eher einem Etappensieg entspreche – wollen die Beschäftigten vor allem mit der Stadt austragen, weil die trotz ihrer 25,1-prozentigen Beteiligung am Konzern zu wenig Einfluss auf bessere Arbeitsbedingungen nehme.

„Senat und Sozialbehörde bleiben eingeladen, in einer offenen Versammlung mit den Krankenhausbeschäftigten über die Verbesserung der Bedingungen an den Krankenhäusern zu sprechen“, fordert die Krankenhausbewegung.

Unterstützung kommt von Ver.di. Für Kathrin Restorff, Gewerkschaftssekretärin und zuständig für Krankenhäuser, ist die Rücknahme der Kündigung eine „fantastische Nachricht“. Dennoch sei die Politik weiterhin in der Pflicht, eine bedarfsgerechte Personalausstattung in den Kliniken zu forcieren, um dauerhaft die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

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