Kommentar Trumps Strafzölle

Das bisschen Handelskrieg

Trump hat nicht völlig unrecht mit seiner Aussage, dass „Handelskriege leicht zu gewinnen“ seien. Zumindest für die Vereinigten Staaten.

US-Flaggen hängen an einer Straßenlaterne. Im Hintergrund sind Hochhäuser

Mit etwa 320 Millionen Einwohnern ist der US-Binnenmarkt riesig – und auf Handelspartner ist man kaum angewiesen Foto: Wellington Rodrigues/Unsplash

Für Deutschland wird es ungemütlich, denn US-Präsident Donald Trump hat seine Rhetorik verschärft. Neuerdings will er nicht nur Stahl und Aluminium mit hohen Importzöllen belegen – auch deutsche Autos sollen aus den USA ferngehalten werden. Am Wochenende rief er jubelnden Anhängern zu: „Wir werden Mercedes-Benz mit Zöllen belegen, wir werden BMW mit Zöllen belegen.“

Trumps Fixierung auf die deutschen Luxusmarken ist nicht neu. Bereits im Wahlkampf 2016 wunderte er sich theatralisch, warum New York mit Daimler-Karossen „verstopft“ sei – aber „kein einziger Cadillac“ in Deutschland fahren würde.

Daher ist nicht auszuschließen, dass Trump tatsächlich einen Handelskrieg anzettelt. Sein Weltbild ist nicht nur simpel – es hat sich auch nie weiterentwickelt. Trump denkt noch immer wie ein New Yorker Immobilienkönig mit Mafia-Kontakten. Das zentrale Wort heißt „Deal“, und bei Bedarf wird mit Gewalt nachgeholfen.

Einen fairen Deal kann Trump nämlich nicht erkennen, wenn er in die Statistiken blickt: 2017 hatten die USA ein Handelsdefizit von 566 Milliarden Dollar. Trump und seine Wähler folgern daraus messerscharf: Amerikaner sind arbeitslos, weil fremde Länder ihre Waren in den US-Markt drücken.

Diese Logik ist falsch, wie sich schon daran zeigt, dass in den USA faktisch Vollbeschäftigung herrscht. Arbeit gibt es genug – aber viele Menschen können von ihren Jobs nicht leben. Seit 1975 sind die mittleren Real­löhne nicht gestiegen, während die Konzerngewinne explodierten. Dieses Verteilungsproblem ignoriert Trump jedoch und hat es mit seinen Steuerreformen weiter verschärft. Aber gerade weil er die Reichen einseitig privilegiert, benötigt er einen Sündenbock. Da passt die deutsche Auto­industrie bestens ins Bild.

Die Vorbilder Reagan und Bush jr.

Für die deutschen Konzerne besonders bitter: Trump hat nicht völlig unrecht mit seinem Tweet, dass „Handelskriege leicht zu gewinnen“ seien – zumindest für die Vereinigten Staaten. Die USA nehmen nämlich kaum an der Globalisierung teil: Exporte machen in den USA ganze 12 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus, die Importe 14,7 Prozent.

Die USA sind faktisch ein eigener Kontinent. Mit etwa 320 Millionen Einwohnern ist der Binnenmarkt riesig – und auf Handelspartner ist man kaum angewiesen. Da kann man sich ein bisschen Handelskrieg leisten.

Trump ist daher nicht der erste US-Präsident, der mit Zöllen seine Popularität steigern will. Auch Reagan und Bush jr. haben begrenzte Handelskriege geführt. Unter anderem gegen Toyota und asiatische Chip­hersteller. Gebracht hat es nichts, sondern den amerikanischen Verbrauchern sogar geschadet, weil die Preise stiegen. Trotzdem ist Reagan bis heute beliebt – und das will Trump auch sein.

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Sie ist ausgebildete Bankkauffrau und hat an der FU Berlin Geschichte und Philosophie studiert. Seit 2007 schreibt sie fast nur noch über die Finanz- und Eurokrise - und ein Ende der Turbulenzen ist leider nicht abzusehen. Ihr neuestes Buch ist gerade erschienen: "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der heutigen Ökonomie - oder was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können" (Westend 2016). Von ihr stammen auch die Bücher „Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht“ (Piper 2012) sowie „Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen“ (Piper 2015).

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