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Angriff aus Irak auf Saudi-ArabienKrieg zwischen USA und Iran weitet sich aus

Saudi-Arabien meldet, von proiranischen Milizen in Irak angegriffen worden zu sein. Der irakische Premier al-Saidi muss sie einhegen. Der Druck aus den USA steigt.

Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Irak wird wieder in den US-Iran-Krieg hineingezogen. Saudische und US-amerikanische Kampfflugzeuge haben am Dienstag Ziele von Milizen im Raum Bagdad, im südlichen Basra und der Region Ninive im Norden des Landes getroffen. Das Regionalkommando des US-Militärs erklärte, es habe Logistik- und Waffenstandorte schiitischer Milizen getroffen. Das sei eine Reaktion auf mehr als 30 Drohnenangriffe der Milizen innerhalb von 72 Stunden zuvor auf saudische Ölanlagen, so das saudische Verteidigungsministerium.

Die sogenannten Volksmobilisierungskräfte (PMF) – ein Bündnis aus vorwiegend schiitischen und Iran-treuen Milizen in Irak – meldeten, 20 ihrer Kämpfer seien getötet und 32 verletzt worden. Die Milizen unterstehen mittlerweile dem irakischen Militär, doch hören Berichten zufolge auf iranische Befehle. In Irak gibt es ein breites Spektrum an schiitischen Parteien. Einige sitzen auch im Parlament – wie etwa Kata'ib Hisbollah, ein Ableger der libanesischen Hisbollah.

Die Milizen in Irak sollen bis Ende September entwaffnet werden, hatte der neue Premierminister Ali al-Saidi angekündigt. Saidi steht unter Druck der US-Regierung. Diese hatte vor al-Saidis Amtsantritt gefordert, dass die Milizen aufgelöst, der iranische Einfluss blockiert werden müssten. Eine Art US-Veto verhinderte, dass der ursprünglich vorhergesehene Kandidat Nuri al-Maliki das Amt bekam – zugunsten von al-Saidi.

Angriffe aus Jemen oder Irak?

Die PMF bestreitet, für die jüngsten Angriffe in Saudi-Arabien verantwortlich gewesen zu sein. In einer Erklärung hieß es, die Anschuldigungen seien ein Versuch Saudi-Arabiens, seine Unfähigkeit, auf die jüngsten Huthi-Angriffe aus Jemen zu reagieren, zu rechtfertigen. Am Wochenende hatte die von Iran unterstützte und große Teile Jemens kontrollierende Miliz die Verantwortung für Raketen- und Drohnenangriffe gegen zwei Aramco-Einrichtungen an der saudischen Küste am Roten Meer übernommen.

Einen ähnlichen Disput gab es im Mai. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten damals, von Irak aus seien Drohnen gestartet worden, die auf ihre Öl- und Atomanlagen zielten. Manche sahen das als Vergeltung für vorherige Luftangriffe auf irakisch-schiitische Fraktionen.

Saidi versucht sich am Balanceakt

Saidi hat am Mittwoch eine Notfallsitzung des Sicherheitsrats einberufen. Er muss die Kontrolle über die Milizen sicherstellen, damit Irak nicht weiter in den Krieg hineingezogen wird. Der Druck auf ihn steigt. Er hatte seine Amtszeit an das Versprechen gebunden, die Oberhand über die Milizen zu gewinnen.

Anfang Juli soll al-Saidi nach Informationen der libanesischen Zeitung L’Orient-Le Jour eine Delegation der libanesischen, von Iran unterstützten Miliz Hisbollah getroffen haben. Sie sollten ihre Kämpfer und Waffen ins Militär integrieren, soll Saidi geraten haben. Die Hisbollah solle demnach dem irakischen Vorbild folgen: Die Beziehungen zu Iran aufrechterhalten und gleichzeitig die Beziehungen zu den USA pflegen.

Al-Saidi möchte bald nach Saudi-Arabien reisen. Durch das persönliche Gespräch kann er vielleicht eine weitere Eskalation verhindern, so wohl das Kalkül.

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