Ab dem 1. Mai stoppt Russland Lieferung: Kein Öl mehr aus Kasachstan für Schwedt
Erst mal ist die Versorgung der PCK-Raffinerie gesichert, doch Bundes- und brandenburgische Landesregierung suchen neue Routen für den Klimakiller.
Foto: Patrick Pleul/dpa
afp/dpa | Angesichts des von Russland angekündigten Lieferstopps für Öl aus Kasachstan ab 1. Mai geht die Suche nach alternativen Ölrouten für die Raffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs weiter. „Die jüngsten Ankündigungen aus Russland bringen schlagartig neue Unruhe in das Unternehmen in Schwedt. Das ist gerade jetzt, in einer Zeit neuer internationaler Konflikte und instabiler Energiemärkte, eine große Herausforderung“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nach der Krisensitzung einer Taskforce zur PCK am Mittwoch.
Es wird nach alternativen Lieferwegen gesucht, um trotz eines Ausfalls des kasachischen Öls die Raffinerieproduktion hochzuhalten. „Die Bundesregierung flankiert die PCK derzeit engagiert dabei, entfallende Rohöllieferungen über alternative Bezugswege zu ersetzen. Dazu gehören insbesondere Gespräche, wie schnell zusätzliche Lieferungen über Danzig erreicht werden können“, sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Frank Wetzel, laut Mitteilung aus der Staatskanzlei in Potsdam.
Eine Lösung, wie es nach dem Mai weitergeht, sollte für Juni da sein, sagte die brandenburgische Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) im Landtagsausschuss am Donnerstag. Sie drang darauf, dass „schnell Alternativen“ geschaffen werden müssten. Eine zuverlässige Versorgung der Raffinerie sei wichtige Voraussetzung für eine stabile Produktion und somit die Sicherung des Standortes mit seinen Arbeitsplätzen.
Unklar ist aber weiterhin, wie lange ein Lieferstopp über die Pipeline durch Russland dauern kann. Der Anteil des Rohöls aus Kasachstan macht nach Angaben der Landesregierung rund 20 Prozent der gesamten Rohölmenge der PCK aus. Zudem kommt Rohöl seit 2023 verstärkt über den Weg der Pipeline Rostock–Schwedt.
Betroffen ist der nördliche Teil der Druschba-Pipeline
Woidke (SPD) sieht die Rohölversorgung der Raffinerie im Mai zu 80 Prozent gesichert. Die Auslastung der PCK sei „stabil“, erklärte Woidk. Die PCK ist für die Versorgung Berlins und des Nordostens Deutschlands mit Diesel, Benzin, Kerosin und Heizöl wichtig. Das Unternehmen gibt an, für 90 Prozent der Versorgung Berlins und Brandenburgs zu stehen. Die Raffinerie wird von der deutschen Tochter des russischen Rosneft-Konzerns kontrolliert. Die Ampelregierung hatte das Unternehmen im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine unter Treuhandverwaltung durch die Bundesnetzagentur gestellt.
Die Raffinerie verarbeitete nach Angaben der brandenburgischen Staatskanzlei im vergangenen Jahr 2,15 Millionen Tonnen kasachisches Rohöl. Das war demnach ein Fünftel der Gesamtmenge. Mit 60 Prozent sei eine deutlich größere Menge über den Hafen Rostock nach Schwedt gekommen, ein weiteres Fünftel über den Hafen Danzig.
Die Druschba-Pipeline verläuft durch Russland und spaltet sich dann in zwei Stränge auf: der nördliche führt durch Belarus und Polen nach Schwedt, der südliche durch die Ukraine nach Ungarn. Das Durchleitungsverbot für kasachisches Öl betrifft nur den nördlichen Teil.
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