+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Moskau meldet Eroberungen in Kostjantyniwka
Im Gebiet Donezk geraten die ukrainischen Truppen in der Stadt Kostjantyniwka gegen die russische Armee immer weiter unter Druck. Fällt die Stadt an Moskau?
dpa Die russischen Truppen rücken nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau bei einem Häuserkampf in der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka im Gebiet Donezk immer weiter vor. Erstürmungstrupps hätten erneut mehr als 100 Gebäude der Stadt unter russische Kontrolle gebracht, teilte das Ministerium in Moskau mit. Im Südwesten der Stadt seien eingeschlossene Einheiten der ukrainischen Streitkräfte vernichtet worden. Das ukrainische Militär hatte zuletzt eine schwierige Lage in der Stadt eingeräumt.
Das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) in Washington stellte in einer Analyse fest, dass sich die ukrainischen Fähigkeiten einer Verteidigung von Kostjantyniwka verschlechterten. Zugleich meinten die Experten, dass Moskau mit seinen detailreichen Angaben versuche, einen größeren Eindruck der russischen Präsenz zu erzeugen als tatsächlich vorhanden.
Die Führung in Kyjiw sprach zuletzt vor allem international davon, den russischen Vormarsch aufgehalten und Gebiete zurückerobert zu haben. Doch selbst ukrainische Karten zeigen ein Vorrücken russischer Truppen in der stark zerstörten Industriestadt, wenn auch langsamer als noch in den Wintermonaten.
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Kommt Putin seinem Ziel einer Donbass-Besetzung näher?
Unabhängige Militärbeobachter halten es für möglich, dass Kostjantyniwka in den Sommermonaten fallen könnte. Kremlchef Wladimir Putin käme dann seinem Ziel näher, den Donbass komplett unter russische Verwaltung zu bringen. Von den größeren Städten im Gebiet Donezk blieben dann nur noch Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle.
Das russische Verteidigungsministerium behauptete, dass die Ukraine angesichts des Vorrückens der Moskauer Truppen in Kostjantyniwka bereits wichtige Betriebe in den nahegelegenen Städten Kamatorsk und Druschkiwka evakuiere. Die komplette Kontrolle des Gebiets Donezk hat Putin als ein wichtiges Kriegsziel und als Voraussetzung für Verhandlungen über einen Waffenstillstand genannt. Der russische Präsident führt seit mehr als vier Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen das Nachbarland
Ukraine trifft Industrieanlagen in Russland – Großbrand
Die Ukraine hat mit Drohnenangriffen auf Russland Brände in Industrieanlagen in den Gebieten Tula und Jaroslawl ausgelöst. In der südlich von Moskau gelegenen Region Tula teilte Gouverneur Dmitri Miljajew mit, dass Trümmer einer abgeschossenen Drohne auf das Gelände einer Chemiefabrik in Nowomoskowsk gefallen seien. In sozialen Netzwerken gab es Berichte und nicht überprüfbare Videoaufnahmen von einem Brand. Demnach wurde der für die Kriegswirtschaft wichtige Betrieb Asot getroffen. Asot ist eines der größten Chemiewerke Russlands, das vor allem Dünger, aber auch Bestandteile für die Produktion von Munition in Rüstungsbetrieben herstellt. Der Gouverneur machte zunächst keine Angaben zum Ausmaß der Schäden oder möglichen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung.
In Orjol – rund 350 Kilometer westlich von Moskau – schlug eine Drohne in einem Hochhaus ein, wie Gouverneur Andrej Klytschkow mitteilte. Ein Mensch sei bei dem gezielten Angriff getötet worden; es gebe auch acht Verletzte. Der Beamte veröffentlichte auch Fotos von den Schäden. Im Gebiet Jaroslawl sprach Gouverneur Michail Jewrajew von einem Drohnenangriff auf Industrieobjekte für die Lagerung von Kraftstoffen. Es sei zu einem Brand gekommen. Verletzte gebe es nicht, teilte der Beamte mit. Der ukrainische Geheimdienst SBU teilte später mit, dass mehrere Drohnen in das als Staatsreserve genutzte Lager in Rybinsk eingeschlagen seien.
Starmer: Britische Armee stoppt Schattenflotte-Tanker
Das britische Militär hat unterdessen nach Angaben von Premierminister Keir Starmer einen Öltanker der sogenannten russischen Schattenflotte gestoppt, der den Ärmelkanal passieren wollte. Er habe die Streitkräfte am frühen Morgen angewiesen, das Schiff abzufangen, teilte der Regierungschef auf der Plattform X mit. Der erfolgreiche Einsatz versetze Russland einen weiteren Schlag und erinnere diejenigen, die Putins Krieg in der Ukraine befeuern, dass sie sich nicht verstecken könnten.
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums handelt es sich bei dem Schiff um den knapp 244 Meter langen Öltanker „Smyrtos“, der laut der Webseite Marinetraffic.com unter der Flagge Kameruns fährt und von einem russischen Hafen kommt.
Sechsstündige Operation gegen Schiff der Schattenflotte
Kräfte der Marine und speziell ausgebildete Beamte der nationalen Kriminalpolizei hätten das Schiff geentert, hieß es in einer Mitteilung des britischen Ministeriums. Die Militäroperation habe sechs Stunden gedauert. „Das Schiff wird nun vor der Südküste festgehalten und überwacht, während die Ermittlungen andauern.“
Der Premierminister hatte demnach im März zugestimmt, dass britische Streitkräfte und Strafverfolgungsbehörden Schiffe der Schattenflotte entern dürfen. Die Operation sei in enger Abstimmung mit Frankreich durchgeführt worden. Nun werde das Schiff auf Umwelt- und Sicherheitsmängel überprüft.
„Russland finanziert seinen Konflikt in der Ukraine mit seiner Schattenflotte, und unser Abfangen ist ein Schlag gegen Putins illegalen Krieg“, sagte Verteidigungsminister Dan Jarvis laut der Mitteilung. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich auf X bei Großbritannien für die Aktion: „Russlands Hybris, angeheizt durch hohe Öl- und Gaseinnahmen, hat den Weg für diesen Krieg geebnet – und jede Entscheidung von Partnern, die Russland Geld vorenthält, begrenzt auch den Krieg selbst.“ Europa müsse „dringend legislative Schritte unternehmen“, um nicht nur das Stoppen der Tanker zu ermöglichen, sondern auch die Konfiszierung des geladenen Öls.
Mit Schiffen der sogenannten Schattenflotte versucht Russland, die von den westlichen Alliierten wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängten Sanktionen zu umgehen. Nach britischen Angaben handelt es sich um mehr als 700 Schiffe. Die Schiffe werden oft angehalten und überprüft. Vor zwei Wochen hatte Frankreich einen aus Russland kommenden Öltanker im Atlantik überprüft – nach Pariser Angaben auch mit Unterstützung Großbritanniens. Der Kreml kritisierte damals, solche Aktionen grenzten an „internationale Piraterie“. Russland führt seit mehr als vier Jahren Krieg gegen die Ukraine.
Selenskyj kündigt Reisen zu Gipfeln von G7, EU und Nato an
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat für die kommenden Wochen intensive Gespräche mit den Partnerstaaten auf mehreren Gipfeltreffen angekündigt. Es gehe um neue Sanktionen gegen den Kriegsgegner Russland, mehr Unterstützung für die Ukraine und dabei besonders Flugabwehr und weitreichende Waffen, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Kyjiw hofft zudem auf Fortschritte beim Abschluss von Abkommen, die Investitionen in die ukrainische Drohnenproduktion gegen die Lieferung fertiger Drohnen vorsehen.
Ausdrücklich nannte er dabei das Treffen der wirtschaftsstarken G7-Staaten in Frankreich zu Beginn der Woche und im Anschluss den EU-Gipfel in Brüssel. Zudem führte Selenskyj den Nato-Gipfel in der zweiten Juliwoche in der Türkei an. Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion.
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