+++ Hitzewelle in Europa +++: Neue Temperaturrekorde an mehreren Orten
Frankreich knackt erneut Temperaturrekord. Nachfrage nach Ventilatoren und Planschbecken steigt. Spanien misst heißeste Junitage seit mehr als 70 Jahren.
Spanien misst heißeste Junitage seit mehr als 70 Jahren
Spanien hat während der ersten großen Hitzewelle des Jahres die heißesten Junitage seit Beginn vergleichbarer Messungen 1950 registriert. Montag und Dienstag seien mit Durchschnittswerten über 28 Grad um rund 7 Grad wärmer als alle anderen Junitage der vergangenen Jahrzehnte gewesen, teilte der Sprecher der nationalen Wetterbehörde Aemet, José Ángel Núñez, mit, wie spanische Medien übereinstimmend berichteten.
Auch auf der bei Deutschen beliebten Urlaubsinsel Mallorca war es ungewöhnlich heiß. Am frühen Sonntagmorgen wurden dort 25,6 Grad gemessen, die höchste Temperatur für diese Tageszeit seit 1978. Vor allem im Norden des Landes aber, wo es normalerweise nicht ganz so heiß ist wie etwa im südlich gelegenen Andalusien, wurden zahlreiche Temperaturrekorde gebrochen.
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So wurden in dem Dorf Tama in Kantabrien am Dienstag 43,7 Grad gemessen, die höchste jemals in der autonomen Region registrierte Temperatur. Da die Menschen im Norden nicht so sehr an Hitze gewöhnt sind, wurde vor allem dort die höchste Warnstufe Rot ausgerufen, was extreme Gefahr für die Gesundheit bedeutet. Der menschengemachte Klimawandel verschärft die derzeitige Hitzewelle in Teilen Westeuropas laut Fachleuten deutlich.
In insgesamt landesweit 28 spanischen Provinzen wurden während dieser Hitzewelle Temperaturen von mindestens 40 Grad erreicht, die meisten davon am Dienstag. Die vorläufigen absoluten Höchsttemperaturen des Jahres gab es am Montag mit 45,1 Grad in den Orten Andújar und Montoro in Andalusien. (dpa)
Besonders Jungtiere leiden in der Hitze
Die hohen sommerlichen Temperaturen machen nicht nur uns Menschen zu schaffen. Vor allem Jungtiere sind davon betroffen, wie Ilka Bodmann des Naturschutzbundes (Nabu) erklärt. Fledermäuse beispielsweise können in tödliche Hitzefallen geraten, da sie ihr Quartier an oder in Gebäuden haben.
„An sehr heißen Sommertagen entstehen unter Dachziegeln, Kupferblech oder dunklen Brettern enorme Temperaturen. Um dem Hitzetod zu entkommen, suchen die Tiere nach kühleren Bereichen, um nicht zu verbrennen“, so Bodmann. Die Jungtiere würden jedoch dabei oft aus ihrem Quartier fallen.
Wer die Tiere findet, sollte sie an einen kühleren, vor Katzen geschützten Ort bringen. Ausgesetzt werden könnten sie später an einem schattigen Baum. Laut Nabu kann man Fledermäuse mit einer Pipette oder einem Teelöffel auch mit Wasser versorgen. Wichtig ist jedoch dabei, Handschuhe zu tragen, da Fledermäuse Krankheiten übertragen können. Neben Fledermäusen seien auch Libellen von der Hitze betroffen, sagte Bodmann. (dpa)
Saharastaub könnte für noch höhere Temperaturen sorgen
Die seit Tagen anhaltende Hitzewelle steuert auf Rekordtemperaturen zu und wirbelt das Leben in Deutschland durcheinander. Zwar wird der Junirekord am Donnerstag mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ noch nicht geknackt werden, wie Jens Winninghoff vom Deutschen Wetter-Dienst (DWD) der Deutschen Presse-Agentur sagte. Allerdings dürfte es nach seinen Worten am Tag darauf wohl so weit sein.
Die bisher höchste gemessene Temperatur an einem Junitag liegt bei 39,6 Grad und wurde am 30. Juni 2019 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) registriert. Ganz so weit soll das Thermometer heute noch nicht steigen, der DWD erwartet Höchstwerte von knapp über 39 Grad, vor allem im Westen und Südwesten. Im Norden steigen die Temperaturen demnach auf 27 bis 33 Grad, sonst auf 34 bis 37 Grad. Auf einigen Nordseeinseln wird es laut DWD mit 22 Grad deutlich angenehmer.
Spannend werde es am Freitag, sagt Meteorologe Winninghoff voraus. Dann rechnet der Experte vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands mit Höchstwerten von 40 bis 41 Grad. „Der Junirekord wird mit großer Sicherheit fallen.“ Am Samstag wandere der Schwerpunkt der Hitze dann in den mittleren Landesteil und den Osten, bevor er am Sonntag die Mitte und die Osthälfte erreiche. Nur die Küstenregionen dürften von der extremen Hitze weitgehend verschont bleiben.
„Ob dann irgendwo der Allzeitrekord eingestellt wird, ist möglich, aber jetzt noch schwer abzuschätzen. Es hängt von mehreren Faktoren ab“, sagt Winninghoff. Der insgesamt höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen wurde laut DWD am 25. Juli 2019 mit 41,2 Grad an zwei Orten in Nordrhein-Westfalen gemessen: Tönisvorst und Duisburg-Baerl.
Verantwortlich für die derzeitige Hitze sei zunehmend heiße bis extrem heiße Luft, die aus Südwesteuropa nach Deutschland ströme. „Bei solchen Lagen kommt auch Saharastaub zu uns, der das Sonnenlicht etwas dimmt“, erklärt der Meteorologe. „Es ist immer eine leichte Trübung vorhanden, man wird es kaum sehen.“ Das könne einen Allzeitrekord verhindern. „Das ist ein bisschen das Zünglein an der Waage.“ (dpa)
Hitzefrei und abgesagte Open-Air-Events
In ganz Deutschland reagieren Veranstalter, Vereine und Kommunen auf die enorm hohen Temperaturen. Zahlreiche Open-Air-Events wurden abgesagt – etwa der für Sonntag geplante Halbmarathon in Hamburg, für den 24.000 Läuferinnen und Läufer angemeldet waren. „Es ist vermutlich die schwerste Entscheidung, die wir in der Geschichte dieser Veranstaltung treffen mussten“, hieß es auf der Homepage.
Der Württembergische Fußballverband sagte sämtliche Fußballspiele für das kommende Wochenende ab. Der Berliner Fußball-Verband strich unter anderem alle Begegnungen im Kinderfußball, außerdem alle Spiele, die keine Relevanz für einen Auf- oder Abstieg haben. Schulen reagieren vielerorts und verkürzen den Unterricht oder geben komplett hitzefrei. In manchen Regionen gelten aufgrund von Wasserknappheit und Waldbrandgefahr Bewässerungs- und Grillverbote. (dpa)
Frankreich knackt Temperaturrekord erneut
Am zweiten Tag in Folge ist in Frankreich der Rekord für den heißesten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen gebrochen worden. Basierend auf den Angaben von 30 Messstationen lag am Mittwoch der Durchschnittswert aus Tag- und Nachttemperaturen nach vorläufigen Angaben des Wetterdienstes Météo-France um 17 Uhr bei 30 Grad. Erst am Vortag war mit 29,9 Grad ein Rekord bei den seit 1947 erhobenen Temperaturaufzeichnungen aufgestellt worden.
In der Hauptstadt Paris kletterte das Thermometer auf 40,3 Grad. Das war das vierte Mal in 150 Jahren, dass dort 40 Grad überschritten wurden, und das erste Mal in diesem Jahr. Die landesweit höchste Temperatur gab es mit jeweils 43,8 Grad in den Gemeinden Pallau und Pissos im Westen den Landes.
Die Hitzewelle hatte am 17. Juni begonnen und soll laut Météo France noch über das Wochenende in großen Teilen des Landes andauern. In 54 französischen Départements wurden einer Auswertung der Nachrichtenagentur AFP zufolge bis zum Dienstag Höchsttemperaturen von 40 Grad oder mehr verzeichnet. Wegen der trockenen Hitze steigt auch die Gefahr von Waldbränden, mehr als 30 Départements haben bereits die Warnstufe erhöht. (afp)
Hitzewelle befeuert Nachfrage – nicht nur nach Ventilatoren
Gefragt sind laut Obi, Bauhaus und dem Branchenverband BHB derzeit vor allem mobile Klimageräte, Ventilatoren und Kinderplanschbecken. Bei einzelnen Produktgruppen könne es aufgrund der hohen Nachfrage vorübergehend zu eingeschränktem Bestand kommen, sagt ein Sprecher von Bauhaus. Ventilatoren würden meist zeitversetzt stärker gekauft, wenn mobile Klimageräte knapp werden. Obi verzeichnet auch wachsendes Interesse an Gartenprodukten. „Gerade durch die warmen Temperaturen spüren wir deutlich, dass die Menschen ihre Außenbereiche schön machen wollen.“
Die Elektronikfachmarktkette MediaMarktSaturn meldet ebenfalls eine starke Nachfrage nach Ventilatoren und Klimageräten. Großer Beliebtheit erfreuen sich außerdem Eismaschinen. Empfohlen wird, mit der Anschaffung nicht zu lange zu warten. Die Kapazitäten der Hersteller seien begrenzt, daher könne man nur eingeschränkt Geräte nachordern. Die Handelskette Euronics berichtet, dass es bei Kühlgeräten zu Verfügbarkeitsengpässen kommen könne.
Im Onlineshop von Otto zählen „Klimagerät“ und „Ventilator“ in dieser Woche zu den meistgesuchten Begriffen. Die Nachfrage liege in der Spitze rund ein Drittel über dem bisherigen Höchstwert von 2025, sagt ein Sprecher. In diesem Jahr seien bislang rund viermal so viele Klimageräte verkauft worden wie im Vorjahreszeitraum. Auch die Nachfrage nach Klimaanlagen steigt. Das teilt der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe mit. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Materialengpässe oder Lieferschwierigkeiten gebe es bislang nicht.
Flaschenhals sind die Kapazitäten der Fachbetriebe. Bei hohen Außentemperaturen sind sie nicht nur wegen des Einbaus neuer Geräte stark ausgelastet, sondern auch, weil bestehende Anlagen häufiger gewartet werden müssen. Kunden sollten beim Einbau deshalb mit einer Wartezeit von im Schnitt zehn Wochen rechnen. Ratsam sei, die Installation in den Wintermonaten vornehmen zu lassen. (dpa)
Gewerkschaftsbund fordert „Abkühlpausen“
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat angesichts der Hitzewelle in Westeuropa nach Vorbild der Trinkpausen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Amerika „Abkühlpausen“ für europäische Arbeitnehmer gefordert. Es handle sich um „ein gutes Beispiel dafür, wie die Arbeit an den Klimawandel angepasst werden kann“, erklärte EGB-Generalsekretärin Esther Lynch am Donnerstag. Allerdings bräuchten Bauarbeiter, Obstpflücker oder Busfahrer „deutlich länger als drei Minuten, um sich zu erholen“, fügte sie hinzu.
„Die während der Weltmeisterschaft eingesetzten Abkühlpausen haben das Augenmerk auf die Gefahr gelenkt, die von extremer Hitze für Beschäftigte ausgeht“, betonte Lynch. Der Weltfußballverband Fifa hat bei der diesjährigen WM zur Sicherung der Gesundheit der Spieler dreiminütige Trinkpausen zur Mitte jeder Halbzeit vorgeschrieben. Laut dem EGB ist die Zahl der hitzebedingten Todesfälle am Arbeitsplatz in den letzten zwei Jahrzehnten EU-weit deutlich gestiegen. Das Risiko erhöht sich demnach um bis zu 7 Prozent, wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen und um bis zu 15 Prozent, wenn sie 38 Grad übersteigen.
Die Dachorganisation, die nach eigenen Angaben 45 Millionen Beschäftigte aus 94 Gewerkschaften in 42 Ländern vertritt, erklärte, die Europäische Kommission solle darauf hinarbeiten, Beschäftigten bei hohen Temperaturen ein „Recht auf Pausen ohne Lohnverlust“ zu gewähren. (afp)
WHO-Chef: 500.000 Hitzetote weltweit pro Jahr
Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt angesichts der aktuellen Hitzewelle vor der tödlichen Gefahr von hohen Temperaturen. „Extreme Hitze zählt zu den schwerwiegendsten und am schnellsten wachsenden Gesundheits- und Sicherheitsbedrohungen, die durch den Klimawandel entstehen“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus in einer Pressekonferenz in Genf.
Rund eine halbe Million Menschen würden jährlich weltweit an Hitzefolgen sterben, doch viele dieser Todesfälle seien vermeidbar, sagte Tedros. Der Fokus der Schutzmaßnahmen sollte aus Sicht der WHO besonders auf Risikogruppen liegen. Dazu gehören nicht nur Alte, Kranke, Schwangere und Kinder, sondern auch Arbeiter und sozial benachteiligte Menschen.
Laut einer wissenschaftlichen Studie zu globalen Temperaturen und Todesfällen zwischen 2000 und 2019 gab es in dem Zeitraum zwar weitaus mehr Kälte- als Hitzetote. Doch die Forscher fanden auch heraus, dass die kältebedingte Todesrate in diesem Zeitraum abnahm, während die hitzebedingte Todesrate anstieg. (dpa)
Weniger Atomstrom in Frankreich wegen Hitze
Wegen der Hitzewelle in Frankreich hat der Betreiber EDF die Stromproduktion seiner Atomkraftwerke deutlich gedrosselt. Das trieb die Großhandelspreise hoch. Aufgrund zu hoher Wassertemperaturen in den Flüssen musste der Konzern die Leistung am Mittwochmittag um 4,1 Gigawatt reduzieren. Dies entsprach 7 Prozent der gesamten Stromnachfrage. Wegen Umweltauflagen muss das Unternehmen die Produktion senken, sobald das Kühlwasser bestimmte Schwellenwerte erreicht, um Ökosysteme zu schützen. Betroffen waren die Reaktoren Saint-Alban 2, Bugey 3 und Nogent 2. Der Meiler Golfech 2 im Südwesten des Landes ging wegen der Hitze bereits am Montag vom Netz.
Die niedrigere Atomstromproduktion wirkte sich auch auf die Nachbarländer aus. Die französischen Stromexporte fielen nach Daten des Netzbetreibers RTE am Mittwochnachmittag auf etwa 3 Gigawatt, nachdem sie in der Vorwoche noch bei 10 bis 12 Gigawatt gelegen hatten.
Daraufhin kletterten die Spotmarktpreise für Strom in Frankreich und Deutschland am Dienstag auf den höchsten Stand seit Mitte Januar 2025. Erschwerend komme hinzu, dass wegen der Hitze der Kühlbedarf steige, während gleichzeitig wenig Windstrom erzeugt werde, erklärte LSEG-Analystin Nathalie Gerl. Daher müssten vermehrt teurere Erdgaskraftwerke einspringen. Diese Woche sei jedoch ein Ausreißer, da der Strommarkt im Sommer ansonsten regelmäßig überversorgt gewesen sei. (rtr)
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