piwik no script img

Reform der Führerscheinprüfung Geradezu mörderisch

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Die Bundesregierung will Kosten und Anforderungen für Führerscheine senken. Dabei liegt die Zukunft im autonomen Fahren – ganz ohne Fahrerlaubnis.

R eformbedarf beim Führerschein? Klar, der besteht. Der Name sollte in Fahrerschein abgeändert werden, damit die bei jeder Diskussion ums Thema aufploppenden Witze mit Verweis auf die deutsche Geschichte – Führer! Hohoho! – ein Ende haben.

Aber die Bundesregierung sieht Handlungsbedarf an anderer Stelle. Sie will den Zugang zum Fahrerschein erleichtern, verbilligen vor allem, damit die Jugend von heute sich auch morgen noch schwungvoll hinters Steuer klemmen kann. Das ist, gelinde gesagt, der völlig falsche Weg. Statt sich fröhlich der Zukunft zuzuwenden, wird wie beim krampfhaften Beharren auf dem Aus vom Verbrenner-Aus an einer Gegenwart festgehalten, die schon bald erkennbar gestrig sein wird. Noch schlimmer: Hier wird mit dem Leben vieler Ver­kehrs­teil­neh­me­r:in­nen gespielt.

Denn so viel muss klar sein: Autofahren gefährdet Ihre Gesundheit! Vor allem, wenn junge Menschen – genauer gesagt: Männer – am Steuer sitzen, steigt die Zahl der Unfälle. Und die der Unfallopfer. Genau hier die Anforderungen für die Erteilung von Fahrerscheinen abzusenken, ist geradezu mörderisch.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass junge Menschen auf einer bezahlbaren Fahrerlaubnis beharren, weil sie ihnen Mobilität und damit Freiheit verspricht. Aber wenn Autofahren zu viel kostet – den einen zu viel Geld, den anderen zu viele Menschenleben –, dann sollte man nicht Prüfungen verbilligen, sondern nach besseren Wegen suchen.

Die liegen auf der Hand: autonom fahrende Autos. Gesteuert von Maschinen, die nicht erst mühsam Verkehrsregeln büffeln müssen, die später missachtet werden. Natürlich verursachen auch die noch Unfälle. Aber so katastrophal selbst überschätzend wie junge Raser können sie niemals sein.

Ex­per­t:in­nen gehen davon aus, dass schon in wenigen Jahren Fahrerlaubnisse allenfalls für Rennstrecken fahrende PS-Fanatiker nötig sein werden. Der Rest glotzt derweil während der Autofahrt ganz entspannt eine coole Serie. Vielleicht über Führer, Fahrer oder andere Oldschool-Typen des 20. Jahrhundert, ohne jemals eine Fahrschule von innen gesehen zu haben. Sicher und billig zugleich.

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
Mehr zum Thema

6 Kommentare

  • Markus Schäfer

    Dass autonomes Fahren kommt, dürfte klar sein. Dass technische Entwicklungen schnell gehen können auch. Aber die Zeit, bis autonomes Fahren weit verbreitet ist, dürfte sich trotz allem noch im Bereich von Jahrzehnten abspielen. Selbst bei 20 Jahren wäre das noch ausreichend Zeit für eine Zwischenlösung.

  • Thutmerwe

    Ob die neuen Regelungen wirklich eine Verbilligung des Führerscheins bringen, werden wir sehen. Daß dadurch nicht die Qualität der Ausbildung leidet, bleibt zu hoffen.



    Aber warum der Autor künstlich einen Gegensatz zwischen einer sofort wirksamen Maßnahme und einer frühestens in Jahrzehnten auf den Straßen eintretenden Entwicklung konstruiert, erschließt sich mir nicht.



    Ach ja: Auch junge Frauen könnten von der neuen Regelung profitieren.

  • Axel Schäfer

    Das es gerade bei jüngeren männlichen Fahrern noch zu viele gibt, die testosterongesteuert den aussichtslosen Kampf mit der Physik aufnehmen wird bleiben. Die fahren im Zweifel sowieso auch ohne Führerschein da ist die finanzielle Hürde eher weniger das Problem. Aus einer netten Redaktion, mit Bus, U- und S-Bahn vor der Tür, schnell mit Rad und Uber erreichbar lassen sich solche Kommentare schreiben.



    Es gibt gerade im ländlichen Raum genügend junge Erwachsene, die auch beruflich und für Schule und Ausbildung auf das Auto angewiesen sind und was auch gerne vergessen wird sind z.b. die Pflegedienste, die auch auf dem Land mit ihren Kleinwagen schnell wo hin müssen, da Zeit knapp ist. Vielleicht auch mal drüber nachdenken, in welchem Preissegment sich "selbsfahrende" Autos nach Jahren noch immer bewegen und dass dies hauptsächlich in Städten mit großen breiten Straßen und noch breiteren Parkplätzen praktisch so einigermaßen funktioniert und was für den KI-Einsatz dabei auch an Ressourcen verbraucht wird.



    Bei solchen Zukunftsszenarien bin ich immer vorsichtig, denn als Boomer warte ich immer noch auf mein Jetpack das von Gravity Industries ist mir mit 500.000€ noch zu teuer.

  • DiMa

    Bis das autonome Fahren flächendeckend kommt vergehen noch mindestens 20 Jahre. Bis dahin braucht es halt auch den Führerschein und damit einhergehende Lösungen zu den Kosten.

    Es mag zwar richtig sein, dass junge Fahrende ein Problem darstellen, nur sind die besonders auffälligen Rennfahrer bereits heute oftmals ohne Führerschein unterwegs.

    Insoweit ist der Beitrag von Herrn Asmuth vollkommen lebensfremd.

  • nutzer

    Das autonome Fahren wird die finanziellen Kosten nicht senken, das wird die Kosten nur mehr steigern. Wieso sollte es ein Lichtblick sein, wenn Tesla, Google etc. auch noch Kontrolle über die Lenkbewegungen haben?

  • rero

    Der Autor lässt die Frage öffnen, warum der günstigere Führerschein nicht eine gelungene Zwischenlösung sein soll.

    Immerhin würde die alleinige Ausrichtung auf autonomes Fahren langfristige Investitionen in den ÖPNV obsolet machen.