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Gen-Z-Proteste Halbstarke in Turnschuhen

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Politiker von Union bis AfD betonen die Herkunft der Krawallmacher vom Wochenende. Viel wichtiger scheint das Geschlecht der Randalierer zu sein.

J ugendliche Delinquenz gab es schon immer. Wer jung ist, rebelliert gerne gegen soziale Normen und kann dabei schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. In der Regel legt sich das mit der Zeit. Selbst ein Friedrich Merz erinnert sich wehmütig an seine Jugend, als er mit langen Haaren auf dem Mofa seine Heimatstadt, das sauerländische Brilon, unsicher gemacht haben soll, wie er einst erzählte. Man sieht ja, was aus ihm geworden ist: ein mehr oder weniger anerkanntes Mitglied dieser Gesellschaft.

Wir wissen nicht, was Alexander Dobrindt in seiner Jugend getrieben hat. Ihm sei aber der Film „Die Halbstarken“ aus dem Jahr 1956 empfohlen – mit Horst Buchholz, der dadurch zu einem Teenageridol wurde. Er handelt von einer Gang von jugendlichen Kleinkriminellen, die sich ihre Zeit mit Schlägereien, Diebstählen und provokantem Auftreten vertreiben und so „gegen ihre Integration ins bürgerliche Leben auflehnen“, wie es in Filmlexika dazu heute heißt.

Die Jugendszenen von heute sind stärker migrantisch geprägt, und in Metropolen wie Frankfurt hat die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen heute einen Migrationshintergrund, weil ihre Eltern oder Großeltern eingewandert sind. Es ist deshalb kein Wunder, dass auch unter den Jugendlichen, die dort nach den Ausschreitungen vom Wochenende festgenommen wurden, die meisten einen Migrationshintergrund haben.

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Das macht diese Krawalle aber noch lange nicht zu einem „migrantischen“ Problem, wie Dobrindt und andere Politiker von Union bis AfD sowie konservative Kommentatoren von FAZ bis BILD suggerieren. Dieses Adjektiv ist stigmatisierend und führt auf die falsche Fährte. Ein paar Hundert Jugendliche haben in Frankfurt und anderen Städten am vergangenen Wochenende Scheiben eingeschlagen und vereinzelt Geschäfte geplündert. Vor allem auf Schuhgeschäfte mit Marken-Sneakern hatten sie es abgesehen.

Neu ist nicht, dass es in manchen Städten gelegentlich ein Problem mit Krawallmachern gibt. Neu ist bloß, dass viele von ihnen heute einen Migrationshintergrund haben und gerne Turnschuhe tragen. Welche Rolle die Herkunft ihrer Eltern spielt, um ihre Taten zu erklären oder zu verhindern, bleibt das Geheimnis von Dobrindt und Co. Wichtiger ist, dass es damals wie heute hauptsächlich Männer sind, die sich so verhalten. Vielleicht sollte der Innenminister da mal ansetzen.

Daniel Bax

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
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12 Kommentare

  • Whying_Dutchman

    Beim G20 wurden einige Kioske und kleinere Läden, aber auch ein Apple Laden geplündert.



    Mit Erschrecken musste ich feststellen, das frühere Bekannte dabei waren: 20er, sogar 30er, links "Im Herzen" (was immer das inzwischen heißt), meist relativ "gut gestellt" (also: "Wohlstandslinke") ... und überwiegend "nicht migrantisch".

    Ich fand es ziemlich daneben, den (oft migrantischen) Kiosk zu plündern, um sich Alk zu holen ... zumal diejenigen auch ne Strasse weiter einfach ne Flasche oder zwei hätten kaufen können. Geld ist vorhanden...

    Was ich sagen möchte: wer Kleinläden und Kioske plündert (wo die Besitzer zumeist auch noch kleine Mittelständler sind), KANN für mich per Definition nicht links sein oder wirklich etwas für "die da unten" bewirken wollen.

    Und: der Demo Tourismus mit Event Charakter macht jegliche wohlgemeinte Intention der demonstrierenden Mehrheit zunichte.

    Wir (Punks/Anarchisten, in den 80ern) hatten zwei Regeln: NIEMALS Gewalt! NICHTS richtet sich gegen den "kleinen Mann"...

    Das sind nach wie vor gute Regeln, denke ich!?

  • FtznFrtz

    Es ist doch offensichtlich, was Poseck und Dobrindt mit diesen Aussagen bezwecken: die bösen (unwilligen, unintegrierbaren) Migranten sind das Problem, auf das man nur mit Polizeiknüppel und Knast, gerne auch Ausländerbehörde, einhauen muss, dann ist die Welt wieder in Ordnung, Law-And-Order-Trashtalk, immer gleich und unterkomplex. Problem abgeschoben, gerne im wahrsten Sinne des Wortes.



    Man schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: mehr Polizei, mehr Befugnisse in der Strafverfolgung, mehr Härte gegen Migranten, gleichzeitig diskreditiert man die völlig berechtigten GenZ-Proteste. Man kann nur hoffen, dass die Mehrheit auf diesen Mummenschanz nicht hereinfällt.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Viel wichtiger, als ständig über die relativ kleine Anzahl Krawallmacher zu reden, wäre es, über die wichtigen Anliegen der sehr vielen friedlichen Demonstranten zu sprechen.

    Die Konzentration auf die Krawallmacher dient nur der Delegitimierung der Proteste.

  • Warim Wilke

    Bei "mehr oder weniger anerkanntes Mitglied der Gesellschaft" musste ich schmunzeln.

    Ansonsten: die Motivation der üblichen Hetzer ist offensichtlich. Die CDU wird davon allerdings, anders als die Faschisten und die Hetzpresse, nicht profitieren. Zwischen Konservativen und Rechten Mitgliedern hin und hergerissenen, verliert sie die Konservativen mit diesem erbärmlichen Gepöbel an das moderne Äquivalent der Merkel-Union, die Grünen. Die Inhumanen, sie wählen gleich die AfD. Hetzen ist auf die Dauer kein Ersatz für eine Identität, täuscht schon gar nicht darüber hinweg, dass diese Pfeifen außer Lobbyismus nix zu bieten haben.

  • StefanMaria

    Und wer glaubt, dass hartes Vorgehen und Haftstrafen alleine irgendein Problem lösen, wird nur recht bekommen am Stammtisch von heute, Instagramm und Co. Peinlich für Dobrindt, Poseck und Co, aber leider schon oft schädlich wirksam wie die Geschichte gezeigt hat.



    Fordern und Fördern hilft hier vielleicht eher, dann bekäme der dumme Spruch aus einem anderen Bereich mal Sinn.



    Vielleicht auch mal umgekehrt denken und erst mal fördern und dann fordern.

  • Bürger L.

    Noch deutlicher ist die dahinter stehende Absicht zu erkennen, wenn in die Welt hinausgeblasen wird, dass es sich um "Linksextreme Chaoten aus migrantischen Milieus " handelt, die nach den friedlichen Demos Gewalt ausgeübt und Läden geplündert haben.

    Wie praktisch - damit werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

    Soll bloß niemand behaupten, die Union und konservative Medien würden mit der AFD zusammenarbeiten.

    Sie verwenden nur "zufällig" die gleiche Sprache, verbreiten das gleiche Feindbild und bereiten so den Rechts-Nationalen den Weg zur Macht.

    Natürlich völlig unbeabsichtigt.....

  • c. F

    "Neu ist bloß, dass viele von ihnen heute einen Migrationshintergrund haben und gerne Turnschuhe tragen."

    Vielleicht die beste Einordnung, die ich so gelesen habe, aber man trägt Turnschuhe heute nicht mehr, sondern stellt sie, früher waren es Vitrinen, in Regalen aus, weil sie entweder einen Sammlerwert haben oder aus sazialem Status. Mit Turnschuhen kann man heute viel Geld und Ansehen verdienen. Ähnlich wie mit Schallplatten: Einige früher 3 Euro oder DM in der Plattenkiste, heute 300,-.

    Ich habe selbst einen Migrationshintergrund, aber einen coolen, der trotz Trump cool geblieben ist: US-amerikanisch. Der Migrationshintergrund, der gemeint ist, ist ein bestimmter Migrationshintergrund. Ich kenne da also so ein Problem: würde ich beim Plündern erwischt werden, würde mein Migrationshintergrund nicht erwähnt werden, jedenfalls hier in Deutschland nicht. Aus meiner Perspektive sehe da schon Rassismus.

    Ach ja, das mit der Jugend: ich mag solche Zuordnung nicht. Bei den rechten und/oder populistischen Mitbürgern hat sich doch in den letzten 10 Jahren gezeigt, dass das Alter nicht vor Weisheit schützt. Außerdem sind die meisten Jugendlichen eher harmlos und angepasst.

  • Hans Dampf

    Soll ich jetzt als Mann ein schlechtes Gewissen bekommen, weil Gewalttäter Randale gemacht haben, Geschäfte geplündert und Polizisten verletzt haben?



    Ja, es waren vorwiegend Männer, aber die Art wie über "Männer" berichtet wird klingt für mich immer mehr wie ein Vorwurf weil man Mann ist.



    Wenn die Nationalität oder Herkunft der Täter keine Rolle spielen soll, dann darf auch das Geschlecht keine Rolle spielen.



    War das jetzt ein "typisch männlich toxischer" Kommentar von mir, würde mich auch nicht mehr wundern.

    • sk_

      @Hans Dampf:

      Warum die Herkunft der Täter keine Rolle spielt, wurde ja erklärt: Weil die meisten Jugendlichen in diesen Orten einen migrantischen Hintergrund haben. Daher ist es durch die Menge erklärbar.

      Warum aber jetzt keine Mädchen dabei waren, wurde eben nicht erklärt. Die Erklärung zum migrantischem Hintergrund trifft ja auch auf sie zu. Es gibt nicht viel mehr Jungs als Mädchen.

      Warum haben sich also vornehmlich Jungs zu Randale entschieden? Warum haben sich so wenig Mädchen dazu entschieden?

  • Maira567

    Es soll vmtl. heißen "das sauerländische Brilon" statt "saarländische"... Abgesehen davon, Zustimmung.

  • Vollgut2000

    Kein sein, dass Merz sich mit seiner Mofa aufgemacht hat, um sich im Saarland daneben zu benehmen, um im heimischen Sauerland als unbescholten zu gelten. Was sollten denn die Nachbarn denken?

  • Ahnungsloser

    Brilon liegt immer noch im Sauerland.



    Und die Verharmlosung solcher "Raubzüge" werde ich wohl nie verstehen. Egal von wem sie begangen werden