Gen-Z-Proteste : Halbstarke in Turnschuhen
Politiker von Union bis AfD betonen die Herkunft der Krawallmacher vom Wochenende. Viel wichtiger scheint das Geschlecht der Randalierer zu sein.
Foto: Kai Pfaffenbach/reuters
J ugendliche Delinquenz gab es schon immer. Wer jung ist, rebelliert gerne gegen soziale Normen und kann dabei schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. In der Regel legt sich das mit der Zeit. Selbst ein Friedrich Merz erinnert sich wehmütig an seine Jugend, als er mit langen Haaren auf dem Mofa seine Heimatstadt, das sauerländische Brilon, unsicher gemacht haben soll, wie er einst erzählte. Man sieht ja, was aus ihm geworden ist: ein mehr oder weniger anerkanntes Mitglied dieser Gesellschaft.
Wir wissen nicht, was Alexander Dobrindt in seiner Jugend getrieben hat. Ihm sei aber der Film „Die Halbstarken“ aus dem Jahr 1956 empfohlen – mit Horst Buchholz, der dadurch zu einem Teenageridol wurde. Er handelt von einer Gang von jugendlichen Kleinkriminellen, die sich ihre Zeit mit Schlägereien, Diebstählen und provokantem Auftreten vertreiben und so „gegen ihre Integration ins bürgerliche Leben auflehnen“, wie es in Filmlexika dazu heute heißt.
Die Jugendszenen von heute sind stärker migrantisch geprägt, und in Metropolen wie Frankfurt hat die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen heute einen Migrationshintergrund, weil ihre Eltern oder Großeltern eingewandert sind. Es ist deshalb kein Wunder, dass auch unter den Jugendlichen, die dort nach den Ausschreitungen vom Wochenende festgenommen wurden, die meisten einen Migrationshintergrund haben.
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Das macht diese Krawalle aber noch lange nicht zu einem „migrantischen“ Problem, wie Dobrindt und andere Politiker von Union bis AfD sowie konservative Kommentatoren von FAZ bis BILD suggerieren. Dieses Adjektiv ist stigmatisierend und führt auf die falsche Fährte. Ein paar Hundert Jugendliche haben in Frankfurt und anderen Städten am vergangenen Wochenende Scheiben eingeschlagen und vereinzelt Geschäfte geplündert. Vor allem auf Schuhgeschäfte mit Marken-Sneakern hatten sie es abgesehen.
Neu ist nicht, dass es in manchen Städten gelegentlich ein Problem mit Krawallmachern gibt. Neu ist bloß, dass viele von ihnen heute einen Migrationshintergrund haben und gerne Turnschuhe tragen. Welche Rolle die Herkunft ihrer Eltern spielt, um ihre Taten zu erklären oder zu verhindern, bleibt das Geheimnis von Dobrindt und Co. Wichtiger ist, dass es damals wie heute hauptsächlich Männer sind, die sich so verhalten. Vielleicht sollte der Innenminister da mal ansetzen.
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