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Antifaschisten verhindern TerrorMordlüsterne Neonazis gestoppt

Die Recherche-Gruppe Exif verhindert einen Brandanschlag in Winsen. Sie hat die Pläne aus einer Terror-Chatgruppe ernster genommen als die Polizei.

In der Whatsapp-Gruppe „Terror 18“ ist der Vorschlag „Lass uns mal was anzünden“ kein bloßes Gerede. In dem Chat mit dem einschlägigen Zahlencode für „Adolf Hitler“ schreibt Marcello P. gleich weiter: „dann müssen wir sie nicht totschlagen“. Tatsächlich wollten in der Nacht des 30. Oktober Mitglieder der Chat-Gruppe offenbar einen Brandanschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete im niedersächsischen Winsen/Luhe verüben.

Das antifaschistische Rechercheteam Exif stoppte Marcello P. aus dem schleswig-holsteinischen Wahlstedt jedoch, als der 15-Jährige dorthin aufbrechen wollte – mit einem frisch gefüllten Benzinkanister. Den Antifa-Aktivist*innen gelang es so, ihn von seiner Tat abzuhalten. Sie hätten ihn angesprochen, ihn darauf hingewiesen, dass sein Vorhaben bekannt sei und ihn aufgefordert, an Ort und Stelle stehenzubleiben, heißt es in der Dokumentation von Exif. „P. blieb tatsächlich stehen und wartete, bis die Polizei eintraf“.

Die Darstellung wird von den Behörden bestätigt. „Eine Person ist vor einem Wohnhaus mit einem Kanister angetroffen worden“, so ein Sprecher der Polizei Bad Segeberg auf telefonische Nachfrage am Montag. Auch die Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von der Vorbereitung einer terroristischen Straftat aus. Zwei aus der Gruppe hätten sich zu der Tat verabredet, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Flensburg der taz mit. Der 15-Jährige befinde sich in Untersuchungshaft.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte die Polizei das Wohnhaus von Marcello P. durchsucht. Auch einem weiteren Chat-Teilnehmer, Fabian W., 19 Jahre, hatten Einsatzkräfte in Winsen einen Besuch abgestattet. Offensichtlich war beides ohne Wirkung geblieben. Zwar wurden die Handys sichergestellt. Doch ungeachtet eines sehr expliziten Chat-Verlaufs, den Exif dokumentiert, gelang es den Ermittlern nicht, stichhaltige Beweise für eine Tatvorbereitung zu entdecken. Aus dem Grund erfolgte laut Staatsanwaltschaft zunächst keine Verhaftung.

Mit der Besorgung des Benzins habe sich aber „die Rechtslage verändert“, so der Sprecher der Anklagebehörde zur taz. Auf die hatten die Antifa-Aktivist*innen die Sicherheitskräfte aber eigens aufmerksam machen müssen. Denn Hausdurchsuchung und Telefonbeschlagnahme hatten Marcello P. offenbar nur wenig beeindruckt. So postete er noch am selben Tag im Chat: „Hier ist Marcello von Terror 18. Ich schreibe von einem anderen Telefon aus. Die Polizei hat gerade mein Haus durchsucht, weil mich jemand aus Terror 18 verraten hat.“

Er bat, alle zu warnen, da die Polizei sein Handy einkassiert habe. Die Anschlagsvorbereitung bremste das überhaupt nicht: „Man muss ja auch irgendwas tun, ne für’s Vaterland“, informiert Marcello seine Kumpanen an jenem Donnerstag. „Und wenn’s keiner macht, dann mach ich es halt, Digga. Und das ist mir so scheißegal, ob da SEK meine Bude stürmen wird. Denkst du, ich hab Angst vor ein paar schwerbewaffneten Polizisten?“

Das ist mir so scheißegal, ob da SEK meine Bude stürmen wird. Denkst du, ich hab Angst vor ein paar schwerbewaffneten Polizisten?

Marcello P. im Terror-Chat

Die relevanten Passagen des Chatverlaufs haben die An­ti­fa­schis­t*in­nen Polizei und Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. Sie dokumentieren zudem in Auszügen transkribierte Sprachnachrichten auf ihrer Website. Diese enthalten „rassistische, menschenverachtende, verstörende Gewaltphantasien“, aber auch Hinweise auf zuvor begangene Propaganda-Delikte und sehr konkrete Anschlagspläne. So verkündet Marcello P. schon am 26. Oktober ab 09.18 Uhr wiederholt, dass er Benzin kaufen und „Pollenböller“ an einem Kanister befestigen werde. Wenig später stellt er klar, für die Aktion „mindestens drei, vier Leute“ zu brauchen. Und, worum es geht: „Wenn wir schon so ne große Aktion planen, muss es auch wenigstens einen toten K[Wort] geben, weil sonst lohnt sich das doch nicht“.

Die Whatsapp-Gruppe „Terror 18“ war erst am 9. September dieses Jahres von Dwayne S. aus dem mecklenburg-vorpommerschen Örtchen Demen eröffnet worden. Ihre zuletzt 43 Mitglieder sollten sie nutzen, um Anschläge digital zu dokumentieren. Bei einem von ihnen handelt es sich um den AfD-Wahlkampfhelfer Amon G. aus Schwerin.

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10 Kommentare

  • Bambuspanda

    Chapeua Rechercheteam Exif!

    Anscheinend habt ihr kein Spendenkonto, wenn ich das richtig gesehen habe auf eurer Website oder?

    Kann zwar nicht viel Spenden als "Leistungsempfänger", aber täte euch gerne mit einem kleinen Beitrag unterstützen.

  • amigo

    Während Ermittlungsbehörden auf dem rechten Auge einmal mehr auf Durchzug schalten, zeigen antifaschistische Recherchen, was echter Schutz der Demokratie bedeutet. Dass eine zivilgesellschaftliche Gruppe wie Exif konkrete Anschlagspläne von Neonazis aufdecken muss, weil die Polizei Hinweise nicht ernst genug nimmt, ist ein skandalöses Armutszeugnis für den Rechtsstaat.



    ​Dieser Fall macht deutlich: Der rechtsextreme Terror fällt nicht vom Himmel. Parteien wie die AfD fungieren als geistige Brandstifter, die durch ständige Hetze, Normalisierung von Hass und den Angriff auf demokratische Grundwerte den Nährboden für solche gewalttätigen Chatgruppen und Terrorpläne schaffen.



    ​Wer in dieser Situation noch immer antifaschistisches Engagement kriminalisiert, verdreht Ursache und Wirkung. Wir brauchen einen wachen, konsequenten Antifaschismus auf der Straße und im Netz mehr denn je. Danke an alle, die hinsehen und Schlimmeres verhindern!

  • realnessuno

    Gute Aktion und gute Wahl der eingesetzten Mittel: So viel wie nötig und damit das Ziel erreicht.



    Wir brauchen eine funktionierende Antifa und ausreichend Handlungsmöglichkeiten.



    Und ja: Es ist schade dass die Polizei meistens auf dem rechten Auge blind ist.

  • Agarack

    Das ist eine Form von Antifa-Arbeit, die ich vorbehaltlos unterstützen kann. Ich gratuliere Exif zu dieser Aktion, die möglicherweise sogar Leben gerettet hat.

    • Troll Eulenspiegel

      @Agarack:

      Hat aber nur funktioniert, weil Menschen Selbstjustiz angewandt haben. Das alles war immernoch Polizeiarbeit, und die haben das Gewaltmonopol, selbst wenn Beschattung oder Informationen sammeln erstmal nur abstrakt als Gewalt (so in Richtung einer "Erlaubnis" bzw. "Lizenz") gesehen wird.

      • Christian Götz

        @Troll Eulenspiegel:

        Guten Tag, Till Eulenspiegel

        ich empfehle vor Verwendung eines Begriffes wie Selbstjustiz, den §138 des Strafgesetzbuches- Nichtanzeige einer Straftat zu lesen.



        Und wie die AntiFa-Leute an ihre Informationen gelangt sind, ist hier gar nicht klar beschrieben. Vielleicht waren die WA-Chatteilnehmer ungeschickt oder sogar von der Richtigkeit ihres Tuns überzeugt und damit auch davon, dass das gar nicht geheim bleiben müsste.

      • Lahmarsch

        @Troll Eulenspiegel:

        Ja, und wer hat hier nun schändlich versagt?

      • Agarack

        @Troll Eulenspiegel:

        Antifa-Arbeit ist immer eine Form von Selbstjustiz. Deshalb sehe ich ja auch viele Antifa-Arbeit sehr kritisch. In diesem Falle ist man aber auf eine Weise vorgegangen, die niemanden verletzt, aber Menschen geschützt hat, und mit dieser Art "Selbstjustiz" kann ich, offen gesagt, gut leben. Diese Art Selbstjustiz wird sonst ja auch gerne als Zivilcourage bezeichnet, und in diesem Kontext finde ich den Begriff auch angemessener.

  • BlackCoffeeCat

    Es ist mal wieder interessant, wie sich alle erregen, wenn Migrant*innen Ermordungen planen, aber wenn es deutsche jugendliche sind, bleibt es still.



    Wenn dieser Hass auf "andere" so weiter geht, wird Deutschland einsam sterben - wer will schon Rassisten besuchen oder sie in ihrem Land zu Besuch haben?



    Ich verstehe auch nicht, wie die Polizei da nicht stärker durchgreift. Was für ein hässliches Gesicht unsere deutsche Kultur nur hat.

  • Lahmarsch

    Danke, Antifas!

    Hoffentlich kriegen die Jungnazis noch die Kurve und fassen Fuß im Leben und hoffentlich muss man Polizei und Staatsanwaltschaften weiterhin nicht ständig zum Jagen tragen. Auch wenn das gute deutsche Tradition zu sein scheint.

    :/