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Islamistische Gefährder in BremenSchießen lernen und auf Insta posten

Kurz nach Bekanntwerden eines geplanten islamistischen Anschlags in Bremen steht ein anderer Islamist vor Gericht. Konkrete Pläne hatte er nicht.

Gleich zwei Fälle von mutmaßlich islamistischen Gefährdern bewegen dieser Tage Bremen. Am Donnerstag haben Bundespolizei und Bundeskriminalamt einen Mann festgenommen, der aus islamistischen Motiven einen Anschlag auf eine Bremer Kirche geplant haben soll. Und an diesem Montag wurde vorm Landgericht der Fall eines jungen Bremers verhandelt, der sich 2025 vom IS an der Waffe ausbilden ließ.

Über den möglichen Anschlag auf eine Kirche weiß man bisher wenig: Die bremischen Kirchen wurden von der Generalbundesanwaltschaft informiert – sowohl die evangelischen als auch die katholischen. Offenbar waren die Anschlagspläne noch nicht sehr konkret oder die Ermittler konnten sie noch nicht auf eine Gemeinde eingrenzen. „Es war offenbar eher eine Absicht als ein Plan“, so Frank Lenk, Sprecher der Bremischen Evangelischen Kirche. Natürlich schaffe das „ein bisschen Unruhe“ – aber größere Sorgen mache man sich momentan nicht, man sei entspannt.

Warum trotzdem schon bekannt ist, dass ausgerechnet eine Bremer Kirche zum Anschlagsziel werden sollte, ist bisher nicht klar. Der Verdächtige selbst ist in Brandenburg gemeldet – dort wurde er am Donnerstag auch festgenommen. Über ihn sind schon mehrere Informationen im Umlauf: Laut der Deutschen Presse-Agentur soll er 2021 über ein Aufnahmeprogramm des Landes Brandenburg für besonders schutzbedürftige Geflüchtete eingereist sein und besitzt eine Aufenthaltserlaubnis. Gefahndet wird noch nach einem möglichen Unterstützer.

Die FDP nutzt den Fall bereits für politische Forderungen und verweist auf einen aktuellen Antrag der Fraktion: Es solle keine Bewährungsstrafen für jugendliche Gefährder geben; der Antrag wurde ursprünglich nach dem Anschlag auf den CSD im Juli in Berlin erarbeitet.

Junger IS-Sympathisant vor Gericht

Islamisten bilden nach Einschätzung des Bundeskriminalamts noch immer mit Abstand die größte Gruppe an Gefährdern: Bundesweit zählt das BKA 17 Personen als linksextremistische Gefährder, 67 aus dem rechtsextremistischen Spektrum und 410 Gefährder, die als Islamisten eingestuft werden. Auch im Bundesland Bremen soll die „niedrige zweistellige Zahl“ an Gefährdern zum Großteil islamistisch orientiert sein. Zwischen 20 und 40, ledig, arbeitslos, sind weitere Charakteristika, die ihnen typischerweise zugeordnet werden.

Ist Marwan R. einer von ihnen? Der 21-Jährige steht an diesem Montag vorm Landgericht Bremen, weißer Pulli, dunkle, schulterlange Haare, leichter Bart. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm die „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ vor. Das klingt konkreter, als es in seinem Fall mutmaßlich war: Ein Sprecher des Gerichts erklärt später, dass auch die Ausreise zum IS selbst schon mit diesem Tatvorwurf belegt wird.

Als Kind kam R. aus Syrien nach Deutschland, 2014, neun oder zehn Jahre alt war er da. Was in den Jahren danach mit ihm passierte, wird in der Verhandlung nicht öffentlich: R. äußert sich zu den Tatvorwürfen, allerdings bitten er und sein Anwalt um Ausschluss der Öffentlichkeit. Weil R. gerade erst 21 geworden ist, wird ihm das gewährt. „Vor dem Hintergrund seiner weiteren Entwicklung wäre das auf jeden Fall zu begrüßen“, so eine Jugendgerichtshelferin. Sein Entwicklungsstand sei noch „sehr jugendlich“.

Als er sich entschloss, zum IS auszureisen, habe er in keiner gefestigten Situation gelebt. Anfang 2025 war das – spätestens im Februar soll er den Beschluss gefasst haben, im März gelangte R. dann nach Syrien, nach Ar-Raqqa.

Als R. Anfang 2025 nach Syrien ausreiste, war der eigentliche Bürgerkrieg bereits vorbei, der IS hatte keine Kontrolle mehr über größere Gebiete. Verdeckt operierende Terrorzellen gab es aber weiterhin im Land

Der eigentliche Bürgerkrieg war zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei, der IS hatte keine Kontrolle mehr über größere Gebiete. Verdeckt operierende Terrorzellen gab es aber weiterhin im Land, noch immer ein Anziehungspunkt für radikalisierte Is­la­mis­t*in­nen aus Europa: Auch der Attentäter auf den CSD in Berlin wollte sich 2025 dort offenbar dem Islamischen Staat anschließen.

R.s Ziel in Syrien: Er wollte Frauen und Kinder des Islamischen Staates befreien, liest die Staatsanwaltschaft aus ihrer Anklageschrift vor, durch „Angriffe auf kurdisch geführte Gebiete“. Gemeint sein könnte das berüchtigte Al-Hol-Lager im Nordosten Syriens, wo bis Februar dieses Jahres etwa 24.000 Familienangehörige von IS-Kämpfern interniert waren. Tatsächlich in den Kampf zog R. allerdings wohl nicht mehr.

In der Wüste soll er sich vom Islamischen Staat an einer AK-47 haben ausbilden lassen. Nach ein paar Wochen ging es wieder nach Hause: Anfang April kaufte er sich selbst eine Kalaschnikow für 350 Dollar und kehrte dann nach Deutschland zurück.

Ob er mit der Waffe noch was vorhatte, ist bisher fraglich. Jedenfalls veröffentlichte R. in seinem Instagram-Profil im Mai kurzzeitig zwei Storybeiträge: Ein unkenntlich gemachter Mensch posiert mit einer Waffe, im Hintergrund läuft ein Nashid, ein Kampflied, das von der IS-Medienstelle erstellt wurde. Gleicher Tag, noch ein Beitrag: Ein Bild einer IS-Flagge, dazu wieder ein Nashid, „Auf geht's Kompanie“ heißt es. Dann folgt lange nichts. Im November wird Marwan auf Social Media wieder mit IS-Propaganda auffällig, dieses Mal teilt er auf Tiktok die Audiobotschaft eines ehemaligen IS-Sprechers.

Die Social-Media-Beiträge sind es offenbar, die die Ermittler auf seine Spur gebracht haben. Ein paar Monate hat er seit März in Untersuchungshaft verbracht; am 2. Juli wurde er aber wieder entlassen. Die Verhandlung soll noch bis zum 20. November gehen, insgesamt sind zehn Verhandlungstage angesetzt.

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