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Bilgers Vorschlag für Güterschiffe Eine Fahrrinne im Rhein zaubert kein Wasser her

Nanja Boenisch

Kommentar von

Nanja Boenisch

Manche denken, dass man in Flüssen nur tiefer buddeln muss, damit sie wieder mit Wasser volllaufen. Doch diese Idee übersieht das wirkliche Problem.

S ommerferien. Wer es sich leisten kann, fährt vielleicht ans Meer, verbringt den Tag am Strand. Und buddelt dort zum reinen Vergnügen einen Graben. So lange, bis dieser mit Wasser vollläuft, welches sich von unten durch den Sand drückt.

Bagger würden den Lebensraum vieler Wassertiere und Pflanzen zerstören

Da liegt es scheinbar nahe, dass man auch in großen Flüssen einfach nur ein bisschen tiefer buddeln muss, damit sie wieder mit mehr Wasser volllaufen. Gerade nämlich sind die Pegelstände in den Wasserstraßen Rhein, Elbe und Donau niedriger als je zuvor, teils niedriger als seit Beginn der Messungen. Viele Binnenschiffe werden mit weniger Gewicht beladen oder legen gar nicht mehr ab, weil die Gefahr besteht, dass sie sonst auf Grund laufen. Helfen soll jetzt zum Beispiel am Mittelrhein, hat Verkehrsminister Steffen Bilger versprochen, eine Fahrrinnenvertiefung. So heißt die Maßnahme, mit der ein Teil der Wasserstraße tiefer ausgebaggert werden soll.

Nur: Diese Maßnahme kann absolut nichts an der knappen Wassermenge ändern – und ist deshalb keine angemessene Antwort mehr auf niedrige Pegelstände. Wenn sich der Flusspegel an die neue Tiefe anpasst, sinken in der umliegenden Landschaft die Grundwasserstände. Wenn Regen frisches Wasser bringt, würde es durch die tiefere Rinne nur schneller flussabwärts, in Richtung Meer kanalisiert. Gleichzeitig ist etwa der Rheingrund ständig in Bewegung. Deshalb ist es gut möglich, dass sich Vertiefungen ohne schwerer wiegende Eingriffe nach kurzer Zeit sowieso als zwecklos erweisen. Die dafür nötigen Bagger würden den Lebensraum vieler Wassertiere und Pflanzen zerstören. Für effektiven Hochwasserschutz brauchen Flüsse mehr Platz – in der Breite, nicht in die Tiefe.

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Kurz: Es spricht wirklich viel gegen eine Fahrrinnenvertiefung. Die am Mittelrhein geplante Aktion steht sinnbildlich dafür, wie die Natur kurzfristigen wirtschaftlichen Zielen unterworfen wird. Wichtiger wäre es, Verkehrswege an die Natur anzupassen und sie im Zusammenspiel mit Klima- und Naturschutzmaßnahmen zu denken. Ideen dafür liegen seit Jahren auf dem Tisch, sind teilweise schon beschlossen. Nur an der Umsetzung hapert es.

Das Ganze ist komplex

Bilger fordert zum Beispiel mehr niedrigwassertaugliche Schiffe, will dafür 2027 aber nicht mal halb so viel Geld bereitstellen wie 2026. Güterverkehr soll auf die Schiene verlagert werden, auch das marode Gleisnetz braucht mehr Geld. Zum Klimaschutz, der Klimafolgen wie das Niedrigwasser abdämpfen könnte, gehört ein Verkehrssektor, der viel weniger CO2-Emissionen verursacht als bisher. Und dann sind da noch Maßnahmen wie die Wiedervernässung von Mooren oder Auen, die Wasser speichern können.

Das ist ein komplexes Unterfangen, welches nicht von einem Minister allein gestemmt werden kann. Aber wenn Verkehrsminister Bilger im Sand vor sich nur den Graben sieht, hat er auch für seine verkehrspolitischen Interessen nichts gewonnen. Denn dann haben Flüsse als Verkehrswege keine Zukunft.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Nanja Boenisch

Nanja Boenisch Redakteurin

Schreibt im Ressort Wirtschaft + Umwelt über Mobilität und Verkehrswende.
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5 Kommentare

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  • Uwe Kulick

    Derweil sprechen alle vom Pegelstand bei Kaub, bekannte Niedrigpegelstelle des Rheines und eine seiner bekanntesten Sehenswürdigkeiten.



    Kaub hat noch plus sechzehn Zentimeter Pegelstand! Spezialschiffe und leichte unbeladene Schiffe können also evtl. noch durch die Fahrrinne dort.



    Auch durch die bei Worms, denn die ist wahrscheinlich tiefer als die von Kaub. Aber Transport von Etwas ist wohl auch dort kaum noch möglich. Denn der Pegelstand von Worms liegt seit 24 Stunden bereits bei MINUS FÜNF Zentimeter. Die wahren Negativrekorde vermeldet die Presse nicht. Komisch. Nicht? Will sie Merz vor Klimastress schonen?



    Weniger komisch: Schiffe, die vom Main kommen, können dann wohl weder Richtung Basel noch Richtung Duisburg was transportieren!

    Zitat taz heute "Der Main-Donau-Kanal gilt als international bedeutendes Verbindungsstück der Route von und nach Südosteuropa und dem Schwarzen Meer." Unser Münchner im Himmel Franz Josef Strauss fühlt sich von dieser Feststellung sicherlich gebauchpinselt. Zur Zeit ist weder der Rhein noch die Donau bereit, den Schwerlastverkehr aus dem bayrischen Jahrhundertwasserbauwerk freie Fahrt zu gewähren. Geduld: In 10 Tagen ist das Wasser wieder da ;-)

  • R.L.

    Das Denken muss nachhaltig werden, das schafft Bilger nicht: z.B. in Meck Pom liesse sich mit systemischer Transformation beginnen: Moore vernässen + Meerwasser entsalzen und damit Natrium Ionen Speicher bauen, um Netze der Bürgerenergie nachhaötig zu machen und die Einspeisung auch von Spitzen von Wind und Solar aufzunehmen, statt sie an die Börse zu bringen. Mit der E Mobilität als ÖPNV-W Projekt Sevices + Barrierefreiheit in die Fläche auch die NS Eerblasten von VW transformieren. Wenn viel davon in die Speicher geht, kann E Mobilität auch Frachten abnehmen. Leere Flüsse auszubaggern, um die Industrie zu pampern, ist wie Jemand zu vergewaltigen, um ihn/sie zu heilen. Da sie mit NS Traditionen gerade so blind hantieren, glauben sie an so etwas, aber esw geht darum, die NS Erbschaften zu transformieren und Demokratie in die nachhaltig machung der Ökonomie zu bringen: Donut Ökonomie für Kreislauf Wirtschaften. Dazu sollten die öko-sozialen Folgekosten in die BIP Berechnung einbezogen werden, so weit es geht. Vermiedene Katastrophen als Kredit Ansicherung projezierbar sein.Wälder stehen lassen, statt Autonahnen bauen, wo Moore sind und Wälder, die Wasserkreisläufe stützen!

  • Fritz Stüber

    Der Hinweis von Frau Holtendorp ist richtig. Unter dem Prädikat "Abladeoptimierung" ist hier vor unserer Haustür eine über 2 Kilometer lange Betonwand parallel zur Fahrrinne und vor der Insel Heylesen Werth ein Querrigel geplant, der das Wasser in der Fahrrinne um 20 cm anheben soll. Das Verfahren läuft schon seit vielen Jahren. Die dauerhaften Auswirkungen für Bacharach sind aktuell zu sehen und zu ergehen. Der Widerstand ist hier groß. Projektvorstellung aus Karlsruhe mit großer Bürgerbeteiligung hat standgefunden und zeigte auf, dass die Auswirkungen der geplanten Baumaßnahmen im Modell bislang nicht nachvollzogen werden konnten. Im Frühjahr war hier Ex-Verkehrsminister Schnieder vor Ort. Wir stehen hier in Bacharach allein mit dem Thema und währen an einer Unterstützung dankbar.



    Personelles und Materielles Potenzial mit profunden Kenntnissen für einen größeren Bericht über den Verlauf der Entwicklung und Auswirkungen, wäre hier vor Ort reichlich vorhanden. Hier wird eine Phantom-Maßnahme seit vielen Jahren politisch hochgehalten, das Problem vertagt und mit dem Begriff "Abladeoptimierung" auch das Ziel vorgibt und seine Auswirkungen vernachlässigt.



     

  • Evi Holtendorp

    Gerade die geplante Vertiefung am Mittelrhein ist ein sehr unpassendes Beispiel für die Folgen eines Ausbaggerns - Ausbaggern ist dort nicht geplant. Es sollen vorstehende Felsspitzen unter Wasser abgefräst und durch eine Kombination von Quer- und Längsbuhnen der Wasserstand angehoben werden.



    Meine schnelle Quelle ist der BUND RheinlandPfalz: www.bund-rlp.de/mittelrheinvertiefung/. Dort findet man auch sinnvolle Argumente gegen die geplanten Maßnahmen.

  • TaAl

    Es ist ja nicht nur der Klimawandel. Ich bin vor zwei Wochen, zugegeben, mit dem Verbrenner von Stuttgart nach Braunschweig gefahren, und die Windschutzscheibe war danach immer noch sauber. Ich beobachte das dieses Jahr schon eine Weile lang. Es ist erschreckend. Es gibt kaum noch Insekten. Der Himmel ist nahezu leer. Wenn man fliegende Insekten als Plankton der Luft betrachtet, muss ich mich schon fragen, wovon Vögel noch leben sollen?



    Und genauso wenig, wie ein Landwirt es einsehen wird auf Pestizide zu verzichten, genauso wenig wird es ein Binnenschiffer einsehen auf eine tiefere Fahrrinne zu verzichten.



    Bekommen sie nicht das was sie wollen, wählen sie halt die Rechtsextremen. So einfach ist das.