piwik no script img

AfD-Parteiausschluss gescheitertAuch ein freundlicher Nazi ist ein Nazi

Kommentar von

Raoul Spada

Matthias Helferich, selbst ernanntes „freundliches Gesicht des NS“, darf in der AfD bleiben. Seine krassen Aussagen zeigen die völkische Seele der Partei.

I n ihrem Gutachten zur Verfassungsfeindlichkeit der AfD hat die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) gerade erst 2.500 Belege dazu gesammelt, dass Demokratie, Menschenwürde und die AfD nicht zusammenpassen. Die extrem rechte Partei steht gegen die Menschenwürde und das demokratische Prinzip, das schlossen die Juristen der GFF aus Millionen unappetitlicher Social-Media-Posts und Hunderttausenden Dokumenten. Kurz: Die AfD ist verfassungsfeindlich.

In einem Punkt ist das Gutachten der GFF dagegen zurückhaltend: der Verbindung der AfD zum Nationalsozialismus. Selbst wenn es in der Partei unkritische und teilweise positive Bezugnahmen auf den NS gebe, sei eine Wesensverwandtschaft ausdrücklich nicht festzustellen. Auch unterscheide sich der Antisemitismus der Partei klar von dem der NSDAP. Ebenso sei der in der AfD weit verbreitete Geschichtsrevisionismus kein Indiz.

Dass der Weg zu den Brüdern und Schwestern in Braun trotzdem nicht weit ist, zeigt der gerade gekippte Parteiausschluss des ultrarechten AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Das selbst ernannte „freundliche Gesicht des NS“ darf bleiben, schloss ein Schiedsgericht.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Der Landesvorstand der AfD Nordrhein-Westfalen hatte Helferich vorgeworfen „die Außerlandesbringung von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund unter Anwendung staatlicher Zwangsmittel als politische Zielstellung artikuliert“ zu haben. Im Juli 2025 beschloss das Landesschiedsgericht in Düsseldorf den Rauswurf, den das Bundesschiedsgericht jetzt kippte. Das mit der Verfassungsfeindlichkeit mache sich der Landesvorstand „zu einfach“.

Helferich nennt Migranten „Viecher“

Zu einfach? Helferich spricht von der „Bedrohung unserer Heimat“ durch „globalistische Zirkel“. Er fordert die „millionenfache Remigration“ von deutschen Staatsbürgern zur „Rettung unserer Heimat“ und teilt die Deutschen damit in Bür­ge­r:in­nen erster und zweiter Klasse. Helferich beschwört die „Rückkehr in die Heimat“ von allen, „die in Deutschland keine Perspektive haben“. Migrantinnen und Migranten nennt er auch mal „Viecher“.

Die Bundesregierung, findet Helferich, wolle „das eigene Volk (z)ersetzen“. Damit zeigt Helferich klar seine Ideen von völkischer Reinheit. Gemeinsam mit vielen weiteren Parteikollegen, Björn Höcke vorneweg, treibt er die stetige Radikalisierung der AfD voran. Immer mehr Verbindungen in völkische Kreise werden öffentlich.

Konservative mit schwarz-blau leuchtenden Augen sollten hier genau hinschauen: Wer damit rechnet, dass eine AfD mit Machtoption sich selbst entschärft, verschließt die Augen vor der Realität. Ihre ausgestreckte Hand gilt einer Partei, in der völkische Ideologie vollkommen ungehindert gedeiht.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Raoul Spada

Jahrgang 1992, ist Co-Ressortleiter und Themenchef im Online-Ressort der taz.
Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

6 Kommentare

 / 
  • Eigentlich ist es schon fast wieder gut, dass diese Partei nicht fähig ist, selbst Menschen wie Helferich auszuschließen. Die schlagkräftigesten Argumente für das Verbotsverfahren werden uns - zusätzlich zu allem, was jetzt schon bekannt ist - so quaisi von der Partei selbst auf dem Silbertablett serviert. Wir müssten die freundlichen Angebote aber auch endlich annehmen, wollen wir das Werk der Gründungsmütter und -väter des Grundgesetzes nicht verraten.

  • "Viecher"? Menschen, die man nicht mag, darf man also nicht beleidigen? Na sowas. Hier in diesem Blatt wurde Hr. Gabriel zum "größten Sozi aller Zeiten" gekürt (2018), u. a. weil er andere Menschen als "Pack" bezeichnet hat.



    Generell empfehlenswert:



    Bevor man eine Handlung begeht/abfeiert, sollte man sich fragen, ob man sie ebenso einschätzen würde, wenn die Gegenseite das Gleiche tun würde.

    • @Desdur Nahe:

      Selbst wenn die Kür zum „größten Sozi aller Zeiten" eine Anspielung auf den „größten Führer aller Zeiten“ gewesen sein sollte, wären mit „Sozi“, „Führer“ und „Pack“ immer noch Menschen gemeint, wogegen unter „Viechern“ ausschließlich Tiere, oftmals Ungeziefer, verstanden werden. Während „Viecher“ den Betroffenen ihr Menschsein (die Menschenwürde) oder ihre Zivilisiertheit abspricht, tun die anderen Begriffe das nicht.

  • Das ist ja wunderbar, denn das konterkariert die Aussage des Gutachtens zu fehlenden Bezügen zum Nationalsozialismus:

    Wenn ein hochbesetztes Schiedsgericht angebliche Unvereinbarkeitsbeschlüsse ignoriert, zeigt das, dass diese Beschlüsse nur pro forma und per se Makulatur sind.

    Das rechtfertigt ein Update des Gutachtens:

    Die Ziele der Partei sind nationalsozialistisch, erst recht, wenn ein Nationalsozialist als Ministerpräsidentkandidat aufgestellt wird.

  • Solange solche Leute in der AfD sind ist eine Zusammenarbeit mit der Union völlig absurd. Sollten eigentlich auch Döpfner und Poschardt verstehen, die ja versuchen, Merz in eine Zusammenarbeit mit den Blauen hineinzutreiben.

  • "Dieser Mann ist nicht zu retten!"