Krieg zwischen Israel und Hisbollah: Und täglich grüßt die Waffenruhe
Der Deal zwischen den USA und Iran beinhaltet eine Waffenruhe für Libanon. Dass die Waffen zwischen Hisbollah und Israel nun schweigen, ist unrealistisch.
Die libanesische Bevölkerung kann aufatmen. Am Montag nahmen die Bombardierungen zahlreicher Dörfer im Südlibanon und in der weiter nördlich gelegenen Bekaa-Ebene durch das israelische Militär deutlich ab. Einige der über eine Million Binnenvertriebenen machten sich auf den Weg in den Süden. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklärte am Sonntag, dass der am Freitag zu unterzeichnende Friedensplan zwischen den USA und dem Iran auch eine Waffenruhe für den Libanon beinhalte.
Nur: Seit der Ausweitung des Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hisbollah-Miliz am 2. März wurden bereits mehrere Waffenstillstände ausgerufen; am 7. April, 17. April, 3. Juni und nun am 14. Juni. Das Muster ist immer dasselbe: Vermittler in Washington oder Islamabad verkünden eine Waffenruhe und Hunderttausende Vertriebene machen sich auf den Weg zurück in ihre Dörfer. Gleichzeitig warnen die libanesische Regierung, Armee und der Zivilschutz vor israelischen Angriffen. Auch dieses Mal betonte Israel, die Besatzung des Südlibanons werde fortgesetzt.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, die israelische Armee werde trotz des Abkommens zwischen dem Iran und den USA „so lange wie nötig“ in Gaza, in Syrien und im Libanon bleiben. Die islamistische Hisbollah-Miliz hingegen begrüßte das Abkommen als möglichen Auftakt für einen vollständigen israelischen Rückzug. Sie fordert die libanesische Regierung auf, die direkten Gespräche mit Israel zu beenden.
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Der Libanon ist der Lackmustest für den Deal zwischen dem Iran und den USA. Teheran besteht darauf, dass die Vereinbarung auch den Libanon einschließt. Die israelische Regierung lehnt das Abkommen entschieden ab und sieht darin eine politische Niederlage. Netanjahu möchte freie Hand beim Einmarsch in den Libanon.
Trump ist sauer auf Netanjahu
Die USA konnten sich bislang auf keinen einheitlichen Kurs einigen. Zuletzt soll US-Präsident Donald Trump verärgert auf Israels Premierminister reagiert haben, da Angriffe auf Wohngebiete in Süd-Beirut die Verhandlungen mit dem Iran gefährdet hätten. Wenige Stunden vor der Verkündung des Deals bombardierte die israelische Armee ein Wohnhaus im Beiruter Vorort Ghobeiry. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens drei Menschen getötet und 15 verletzt. Der Angriff löste Berichten zufolge eine diplomatische Krise aus und brachte die Verhandlungen zeitweise an den Rand des Scheiterns.
Die Dynamik zwischen Trump und Netanjahu könnte letztendlich sogar dazu führen, dass sich die USA von Israel abwenden und Hilfen kürzen oder ganz einstellen. Dafür gebe es eine kleine, aber reale Möglichkeit, schreibt der politische Analyst Sam Heller. Trump mache Netanjahu dafür verantwortlich, dass er ihn in einen aussichtslosen Konflikt hineingezogen habe.
Da Israel das Abkommen nicht verhindern kann, setzt die Regierung nun auf einen separaten Libanon-Deal. Die Analystin Hanin Ghaddar wertet das Abkommen als Bestätigung für den Einfluss Irans im Libanon. „Der Libanon muss die direkten Gespräche in den USA fortsetzen“, sagt die Analystin des israelnahen Washington Institute.
Bereits am 3. Juni hatten Vertreter Israels und des Libanons in Washington eine Vereinbarung unterzeichnet. Demnach soll ein mögliches Abkommen zwischen Iran und den USA nicht automatisch für den Libanon gelten. Entsprechend groß ist nun die Verwirrung darüber, was der neue Friedensplan für den Libanon bedeutet. Viele Menschen, insbesondere im Südlibanon, glauben nicht, dass er den Krieg beenden wird.
Zivilbevölkerung unter Beschuss
Anfang April hatte Pakistan einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran verkündet und erklärt, dieser schließe auch den Libanon mit ein. Doch bereits am folgenden Tag bombardierte die israelische Armee innerhalb weniger Minuten rund 100 Ziele im Libanon. Dabei wurden mehr als 300 Menschen getötet.
Seitdem haben israelische Angriffe über 1.000 Menschen das Leben gekostet, darunter Journalist:innen, Rettungskräfte und medizinisches Personal. Israel setzte seinen Einmarsch und die Zerstörung von Häusern und Infrastruktur im Südlibanon fort. Die islamistische Hisbollah-Miliz wiederum beschoss weiterhin Nordisrael mit Raketen, Hunderttausende Menschen mussten wiederholt Schutzräume aufsuchen, es gab mehrere Verletzte.
„Als Vertriebene leiden wir seit fast vier Jahren unter Vertreibung, Zerstörung und Krieg“, sagt Tarek Masraani aus dem Grenzdorf Hula. Zwar begrüße man den aktuellen Durchbruch, doch eine wirkliche Rückkehr sei unter den Bedingungen der Besatzung und angesichts zerstörter Häuser, Straßen, Wasser- und Stromversorgung nicht möglich.
Medienberichten zufolge soll das Abkommen auch die territoriale Souveränität des Libanons sichern. Demnach müsste Iran seine Unterstützung der Hisbollah einstellen, während Israel seinen Einmarsch in den Südlibanon beenden und seine Truppen abziehen müsste.
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